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TU Berlin

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Vermischtes

Von der Ästhetik zur Hygiene

Montag, 14. Juni 2010

Orte der Erinnerung: Joseph Brix – der Robert Koch unter den Bauingenieuren

Joseph Brix‘ Grab befand sich auf dem Waldfriedhof Heerstraße. Ein Blick über den See fällt auf die historische Stelle
Lupe

Die beschleunigte Industrialisierung und Urbanisierung während des 19. Jahrhunderts schränkte die Lebensqualität in den großen Städten erheblich ein. Gerade in Ballungszentren führten die hygienischen Verhältnisse immer wieder zu Seuchen und Infektionskrankheiten. Auf medizinischem Gebiet erforschte Dr. Robert Koch dieses Phänomen und entwickelte die Bakteriologie. Doch schon bald wurde diskutiert, dass das soziale Umfeld – als Brutstätte von Mikroorganismen – verändert werden müsse. Daran nahmen neben Architekten auch Techniker, Künstler, Ökonomen, Hygieniker, Sozialpolitiker, Verwaltungsbeamte und viele andere aktiv Anteil. Zu den Pionieren gehörte auch Joseph Brix.

1859 als Sohn eines bayerischen Bauunternehmers in Rosenheim geboren, machte er in München Abitur und studierte an der dortigen Technischen Hochschule Bauingenieurwesen. Er wurde Kulturingenieur in München, Mainz, Wiesbaden und schließlich Stadtbaurat in Hamburg-Altona. 1887 heiratete er Thekla Hehner und hatte mir ihr zwei Töchter. 1898 wurde Brix Direktor der "Allgemeinen Städtereinigungs-Gesellschaft" Wiesbaden, die als erste deutsche Spezialfirma für Entwässerungs- und Klärungstechnik Stadtentwässerungsarbeiten durchführte. Brix galt auf diesem Gebiet bald als Experte. Bereits 1894 hatte er in seinem Fachgebiet der Wasserversorgung ein Lehrbuch 2Hygienische-technische Maßnahmen" publiziert. Es war übrigens Robert Koch gewidmet. 1904 kam Joseph Brix nach Berlin und wurde an der TH Berlin Professor für Städtebau und städtebaulichen Tiefbau. Es war der erste selbstständige Lehrstuhl dieser Disziplin in Deutschland. Zusammen mit Prof. Felix Genzmer (siehe TU intern 11/06) etablierte Brix an der Berliner Hochschule 1907/08 das "Seminar für Städtebau, Siedlungs- und Wohnungswesen". Es wurde ein Wegweiser für den neuen deutschen Städtebau. Die rein ästhetische und künstlerische Betrachtung im Städtebau wandelte sich hier zur sozial-wirtschaftlichen und hygienischen Städteplanung. Brix entwickelte preisgekrönte Bebauungspläne für Berlin-Frohnau, Montevideo, Groß-Belgrad und für Darul-Aman in Afghanistan. Zusammen mit Genzmer beteiligte er sich 1908 am Generalbebauungsplan von Groß-Berlin. Er gehörte 1910 – genau vor hundert Jahren – zu den siegreichen Preisträgern. Mit einer Konzeption von Groß-Berlin. 1920 konnte endlich – nach verlorenem Krieg und Revolution – diese Idee als politischer Wille der damaligen Linksparteien Realität werden. Die wissenschaftliche Würdigung von Brix’ Lebenswerk steht heute noch weitgehend aus. Er starb am 10. Januar 1943 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Heerstraße. Das Grab ist nicht mehr vorhanden, der Platz wurde neu belegt.

Die Serie "Orte der Erinnerung" im Netz:

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 6/2010

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