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TU Berlin

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Vermischtes

Der beste Pferdebildner Preußens

Montag, 17. Mai 2010

Erinnerung an den Bildhauer August Kiss

Das Ehrengrab von August Kiss auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Kreuzberg
Lupe

In Berlins historischer Mitte stößt man auf Schritt und Tritt auf seine Werke: die "Mit einem Panther kämpfende Amazone" auf der Treppenwange des Alten Museums, die "Pferdebändiger" auf dessen Dach, die Figurengruppe "Die Kunst unterweist Industrie und Kunstgewerbe" im westlichen Tympanon des Neuen Museums, die Giebelfiguren an der Neuen Wache, Unter den Linden, der "Heilige Georg als Drachentöter" im Nicolai-Viertel, das Beuth-Denkmal auf dem Schinkelplatz vis-à-vis der Friedrichwerderschen Kirche – um nur die wichtigsten zu nennen. Wer aber kennt den Schöpfer dieser beeindruckenden Großplastiken? Es war August Kiss (1802–1865), der seit 1830 mehr als drei Jahrzehnte Ziselier- und Modellier-Lehrer am Gewerbeinstitut war, eine Vorläufereinrichtung der TU Berlin. Und bis 1945 stand die Statue König Friedrich Wilhelms III. in römischer Imperatortracht aus Kiss’ Atelier im Lichthof der TH. August Kiss wurde am 11. Oktober 1802 in Schlesien geboren, das zu jener Zeit zugleich die Heimat des Eisenhüttenhandwerks war. Am Anfang seines Künstlerweges stand das Handwerk. Von der Pike auf erwarb er die technisch-technologischen und künstlerischen Fähigkeiten der Eisengießerei und erweiterte sie in Gleiwitz, wo Friedrich Ludwig Beyerhaus sein Lehrer war. 1822 ging er nach Berlin, um in den Werkstätten der Königlichen Eisengießerei zu arbeiten, wo die berühmten "Fer de Berlin"-Produkte für ganz Europa erzeugt wurden. An der Akademie der Künste vervollständigte er seine künstlerischen Fertigkeiten und arbeitete 15 Jahre in der Werkstatt des großen Berliner Bildhauers Christian Daniel Rauch. Hier kopierte und goss er zunächst für den Kunstmarkt beliebte Rauchstatuen. Aber er fertigte auch nach Entwürfen Friedrich Tiecks die "Rossbändiger" und nach Karl Friedrich Schinkels Zeichnungen modellierte er die bronzenen Türen für die Bauakademie. Schinkel erteilte ihm auch den Auftrag für die Figurengruppe des Tympanons an der neuen Sternwarte.

Kiss gestaltete den Sonnengott mit feurigem Viergespann über dem Meere auftauchend in jener pathetischen Unruhe, die er liebte und die sein Markenzeichen wurde. Lange galt er als guter Kunsthandwerker, aber das Genialische schien ihm zu fehlen. Das änderte sich 1839 mit dem Modell der Amazonenplastik. Das Aufsehen erregende Neue dieses Werkes bestand darin, dass Kiss einen Moment wählte, wo der Kampf des Panthers mit dem Pferd der Amazone noch ganz unentschieden war. Der alte Schadow fand die Staue "sehr dreist und in der Ausführung verwegen". Sie gehörte 1851 zu den Sensationen der Londoner Weltausstellung. Heute steht eine Kopie vor dem Philadelphia Museum of Art. Auch für Breslau und Königsberg schuf er königliche Reiterdenkmäler, und so galt er als "der beste Pferdebildner Preußens". Aus seiner Werkstatt stammte auch das Beuth-Denkmal (1861), das er im Auftrag der Gewerbeakademie schuf. Kiss’ Ehe mit Wilhelmine Brunner blieb kinderlos, doch mit dem künstlerischen Erfolg kamen viele Ehrungen: 1837 wurde er Mitglied der Akademie der Künste, 1841 Professor. Dabei war er ein lebensfroher Mensch, der gern mit Freunden einen guten Tropfen im Weinkeller von Lutter & Wegner trank. Er starb am 24. März 1865. Seine letzte Ruhestätte, heute ein Berliner Ehrengrab, liegt auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in der Großgörschenstraße.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 5/2010

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