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TU Berlin

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Jahr der Astronomie

Montag, 16. November 2009

Die Kometenangst

Das geozentrische Weltbild nach Tycho Brahe
Das geozentrische Weltbild nach Tycho Brahe
Lupe

Wir wissen heute, dass Kometen Himmelskörper sind, die aus Gasen und festen Teilchen bestehen und um die Sonne laufen. Früher wurden sie auch "Schweifsterne" genannt, doch diese Schweifentwicklung tritt nur auf, wenn sich der Komet im innersten Teil des Planetensystems befindet. Er besteht aus Eis- und Staubteilchen, sie bilden den Kometenkern. Dieser hat einen Durchmesser zwischen einem und fünfzig Kilometern. Die meisten Kometen bewegen sich in lang gestreckten Ellipsen und mit einer Umlaufgeschwindigkeit von Hunderttausenden bis Millionen Jahren um die Sonne.

In Antike und Mittelalter hielten die Menschen Kometen nicht für kosmische, sondern für irdische Phänomene. Aristoteles lehrte, sie seien "Ausdünstungen" der Erde, die sich in großer Höhe entzündeten und zu Kometen verdichteten. Erst im Jahre 1577 erkannte der dänische Astronom Tycho Brahe (1546–1601) durch Beobachtung und Messung, dass sie weiter von der Erde entfernt seien als der Mond. Ihrer Natur nach seien sie kosmische Phänomene. Dennoch verbreitete jeder Komet bis zum Ende des 17. Jahrhunderts bei den Menschen große Angst. Sie sahen darin eine Störung der kosmischen Harmonie und der ewigen Ordnung des Sternenhimmels. Gerade das krisengeschüttelte 17. Jahrhundert entwickelte eine panische Kometenangst. Diese wurde in "Kometenflugschriften" in Gedichtform formuliert, auch von bedeutenden Lyrikern wie dem Theologen und Kirchenlieddichter Paul Gerhardt (1607–1676). Der Katalog der Plagen, die ein Komet vermeintlich ankündige, wurde in "Kometenspiegeln" zusammengefasst. Diese wurden immer wieder in zeitgenössischen Lehrgedichten variiert. In einer Kurzfassung aus dem Jahre 1652 kann man von "achterlei Unglück" lesen:
"Acht Hauptstück sind/die ein Comet Bedeut/wan er am Himmel steht. Wind/Theurung/Pest/Krieg/Wassernoth/Erdbebn/Enderung/eines Herren Todt …" Selbst am Vorabend der Aufklärung kämpfte Pierre Bayle (1647–1706) in seinen Kometenschriften (1680) noch fast vergeblich gegen diesen Aberglauben.

H. C. Förster / Quelle: "TU intern", 11/2009

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