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TU Berlin

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Vermischtes

Epigone oder Originalgenie?

Montag, 16. November 2009

Orte der Erinnerung: C. F. Langhans – Architekt zwischen Klassizismus und Historismus

Langhans’ Ehrengrab auf dem Kreuzberger Friedhof am Mehringdamm in Berlin
Lupe

Orte der Erinnerung: C. F. Langhans – Architekt zwischen Klassizismus und Historismus
Er war der Sohn eines berühmten Vaters und damit früh mit dem Vorwurf konfrontiert, nur "epigonal" zu sein. Er gehörte zu den ersten Absolventen der 1799 gegründeten Berliner Bauakademie.

Dem Vater assistierte er beim Bau des "Koffers", des kurzlebigsten Theatergebäudes, das es je auf dem Gendarmenmarkt gegeben hat (1802 bis 1817). Diese Mitwirkung prägte früh sein Interesse an Theaterarchitektur. Carl Ferdinand Langhans, geboren am 14. Januar 1782 in Breslau, war der Sohn des Architekten Carl Gotthard Langhans (1733–1808). Dieser hatte in Berlin das symbolträchtige "Brandenburger Tor" und das Anatomische Theater der Tierarzneischule geschaffen, das im Volksmund "Trichinentempel" hieß. Die Familie lebte seit 1786 in Berlin, und der junge Langhans wuchs im Umfeld großer Baumeister auf. 1797–1799 absolvierte er die private Bauschule von David und Friedrich Gilly und nach einem Bauakademiestudium 1799/1800 legte er die Baumeisterprüfung ab. Zunächst wieder Assistent des Vaters, wurde er infolge der napoleonischen Kriege 1806 auf Wartegeld gesetzt. Er unternahm eine Italienreise und ließ sich dort von Vorbildern wie Palladio und Michelangelo inspirieren. Seit 1808 arbeitete er dann in Breslau, zunächst als Privatarchitekt und seit 1819 wieder als Baurat im Staatsdienst. Dort war er auch Direktoriumsmitglied eines Aktientheaters und übernahm gelegentlich die dramaturgische Leitung und Opernregie. Nach Berlin führte ihn 1834 ein besonderer Auftrag. Er sollte das Stadtpalais für den Prinzen von Preußen, „Unter den Linden“ vis-a-vis des Universitätsgebäudes gelegen, neu gestalten und schuf einen preußisch-klassizistischen Bau mit einer Pergola, der zu den wenigen heute noch erhaltenen Bauten von Langhans gehört. Als 1843 die Lindenoper einem Brand zum Opfer fiel, stellte er sie sensibel wieder her. So erwarb er sich – nicht zuletzt wegen seiner akustischen Spezialkenntnisse – den Ruf, der bedeutendste Theaterarchitekt seiner Zeit zu sein. Diese Bauerfahrungen publizierte er später. Er schuf die Kroll-Oper im Tiergarten, das Victoria-Theater in der Nähe des Alexanderplatzes und rekonstruierte die Heilig-Geist-Kapelle in der Spandauer Straße (1835), heute Bestandteil des Hauses der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität. In Dessau und Stettin errichtete er ebenfalls Theaterbauten. Sein letztes Projekt wurde das Neue Theater am Leipziger Augustusplatz. Er begann es mit 82 Jahren. Und in diesem Alter war er noch ein streitbarer Mann. Als die Leipziger Behörde an seinem Entwurf Kritik übte, schrieb er: "Man hat an meinem Projekt den Berliner Baustil getadelt. Meiner Natur zu wider ist, dem Berliner Baustil zu huldigen. Meine architektonische Schule datiert nicht von den Berliner jungen Architekten …, welche Berlin mit Fassaden überschwemmen. … Der Berliner Baustil, wie er jetzt herrscht, ist mir ein Gräuel." Der alte Langhans formulierte letzte Kritik am immer überladener werdenden Historismus, den er einst selbst mit schuf. Am 22. 11. 1869 starb er fast 88-jährig in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Jerusalems-und-Neue-Kirche-Friedhof in Berlin-Kreuzberg.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 11/2009

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