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TU Berlin

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Vermischtes

Schöpferische Zerstörung

Donnerstag, 16. Juli 2009

Orte der Erinnerung: August Orth entwarf das Konzept für die Berliner Ringbahn

August Orths fast vergessenes Grab auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof in Kreuzberg
August Orths fast vergessenes Grab auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof in Kreuzberg
Lupe

Das von Strauchwerk überwucherte Grab August Orths verrät: Hier ruht ein Vergessener. Die Karriere des Absolventen der Berliner Bauakademie als Privatarchitekt und Stadtplaner begann vor 150 Jahren. Den Zeitgenossen war er kein Unbekannter, sondern eine umstrittene Persönlichkeit. Die einen feierten ihn als visionären Stadtplaner, als Vater der S-Bahn, die anderen, wie Julius Rodenberg, machten ihn verantwortlich für die große "Demolierungsarbeit" im Herzen des alten Berlins. Denn auf ihn ging die Idee zurück, die Friedrichstraße verkehrstechnisch mit dem Alexanderplatz zu verbinden.

Diesem Plan fiel das historisch-berühmte Stadtviertel zwischen östlichem Spreeufer und Spandauer Straße zum Opfer. Dennoch wäre Berlin als moderne Metropole ohne seine Pläne und Taten nicht zu denken. 1828 im Westharz geboren, begann er sein Baustudium 1848 am Collegium Carolinum in Braunschweig, wechselte 1850 an die Berliner Bauakademie und wurde Meisterschüler bei Johann Heinrich Strack
(1805-1880), einem Vertreter der Schinkelschule. Zwei Jahre vor seiner Baumeisterprüfung gewann er 1856 den renommierten Schinkelpreis des Berliner Architektenvereins für einen Kirchenbau-Entwurf. Seine künstlerische Kompetenz schulte er an der Münchener Kunstakademie und während einer Italienreise 1859. Die Vorliebe für den romanischen Rundbogen und den Renaissance-Stil prägte ihn als Architekten. Damit gehörte er zur Stilavantgarde um 1860, der Schinkels Klassizismus als antiquiert galt. Die Neo-Renaissance wurde zur Baumode des aufstrebenden Bürgertums.

Orth entwarf und baute zunächst Brücken und Bahnhöfe für die sich stürmisch entwickelnde Eisenbahn. Zu seinen Auftraggebern gehörte auch der "Eisenbahnkönig" Bethel Henry Strousberg. Für ihn baute er dessen Berliner Stadtpalais (später Englische Botschaft) und ein Schloss in Böhmen. Als Kirchenbaumeister legte er großen Wert auf gute Akustik und betrieb dafür wissenschaftliche Studien. Sechs Großkirchen Berlins (Zions-, Gethsemane-, Dankes-, Friedens-, Himmelfahrts- und Emmauskirche) waren sein Werk. Später beriet er Kronprinzessin Victoria bei Bauplänen für einen neuen Berliner Dom, die allerdings nie realisiert wurden. Orth errichtete wichtige Profanbauten wie den alten Vieh- und Schlachthof im Wedding. Und er sorgte sich um die Volksgesundheit. Er schlug die Gestaltung von Parkanlagen in der verdichteten Innenstadt vor, die zugleich mit einem Bildungskonzept verbunden werden sollten. Epochemachend aber wirkte Orth durch seine vorausschauenden Pläne und Schriften. In einer Denkschrift "Eine Berliner Centralbahn" (1871) schlug er den Bau einer Ringbahn vor, die die einzelnen Bahnhöfe untereinander und die Außenbezirke mit dem Zentrum verbinden sollte. 1882 gab es dann die Berliner Stadtbahn. 1873 legte er dafür einen Bebauungsplan vor. Dabei reifte in ihm die Idee für das Konzept einer einheitlichen Gestaltung der Museumsinsel. Orth arbeitete bis ins hohe Alter. Mit der Mitgliedschaft in der Akademie der Künste und dem Titel eines Kgl. Geheimen Bauraths wurde sein Wirken für Berlin gewürdigt. Orth starb am 11. Mai 1901. Sein Grab auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof II in Kreuzberg ist heute nur schwer zu entdecken.

Hans Christian Förste / Quelle: "TU intern", 7/2009

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