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Buchtipp

Donnerstag, 16. Juli 2009

Katrin Funke
Katrin Funke
Lupe

TU intern fragt Menschen in der Uni, was sie empfehlen würden. Katrin Funke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Französische Philologie. Sie promoviert zum Thema "Jüdische Spuren aus Algerien: Hélène Cixous und Jacques Derrida und ihre Szenen der Schrift".

Die französischsprachige Autorin Hélène Cixous (Jahrgang 1937) bietet dem Leser nicht nur eine lebendige und bewegende Lektüre, sondern auch ihr großes Talent, Geschichte und Erinnerung "lesbar" zu machen. In zahlreichen autofiktionalen Texten gelingt es Hélène Cixous immer wieder, den Leser mit ihrer außergewöhnlichen Familiengeschichte zu be"geist"ern. Als Tochter einer deutschen Jüdin und eines sephardischen Algeriers wuchs Hélène Cixous an der Küste Algeriens vor dem Hintergrund der französischen Kolonisation in einem Klima kultureller und politischer Konfrontationen auf. Ähnlich wie bei ihrem langjährigen Freund, dem algerisch-jüdischen Philosophen Jacques Derrida, fand die frühe Erfahrung antisemitischer Ausgrenzung unter dem Vichy-Regime in ihrem Schreiben Ausdruck. Im Fokus des Buches "Benjamin nach Montaigne. Was man nicht sagen darf" stehen die Mutter der Autorin und ihre Tante. In den 1990er-Jahren kehrten sie als zwei der letzten Überlebenden der jüdischen Gemeinde Osnabrücks, eingeladen von der Stadtverwaltung, in ihre Heimatstadt zurück. Die Reise weckt nicht nur zahlreiche schmerzhafte Erinnerungen an Flucht und Exil, sondern auch an ein "verschollenes" Familienmitglied: an den verstoßenen Jungen Benjamin Jonas. Was man laut Titel also nicht sagen darf, kreist um eine verdrängte Vergangenheit, die letztlich alle einholt, die Familie Cixous, die Stadt Osnabrück und den Leser, der schmunzelnd und beherzt der kühnen Feder von Hélène Cixous folgt.

Hélène Cixous: Benjamin nach Montaigne. Was man nicht sagen darf. Aus dem Französischen von Helmut Müller-Sievers, Passagen-Verlag Wien, 2008

Quelle: "TU intern", 7/2009

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