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Querelen um das "Rote Rathaus"

Montag, 09. Februar 2009

Hermann Friedrich Waesemann erbaute das Berliner Wahrzeichen

Das neue Jahr begann mit Jubiläen. Am 28. Januar war der 130. Todestag von Hermann Friedrich Waesemann, Absolvent und Lehrer der Berliner Bauakademie, und im Mai jährt sich zum 150. Mal jener Tag, an dem der Berliner Magistrat den Auftrag für den Bau eines neuen Rathauses vergab.

Waesemanns Ehrengrab
Waesemanns Ehrengrab auf dem II. Sophienfriedhof in der Bergstraße in Berlin-Mitte
Lupe

Bis heute fehlt über Waesemann, der den originellen Ziegel-Terrakotta-Bau mit "Berliner Rundbogen" im Stil oberitalienischer Renaissancepalazzi schuf, eine ausführliche Lebensbeschreibung. Waesemann, Sohn eines Baumeisters, wurde am 6. Juni 1813 in Bonn geboren. Seit 1830 studierte er dort zunächst Mathematik und Naturwissenschaften. 1832 wechselte er an die Berliner Bauakademie, die er 1835 als Baukondukteur (Bauaufseher) abschloss. Nach einer praktischen Phase nahm Waesemann ein weiterführendes Studium an der Bauakademie auf und erwarb 1841 das Baumeister-Diplom. In diese Zeit fiel seine Mitarbeit an der Planung und Ausführung des Neuen Museums, die von Friedrich August Stüler geleitet wurden. Seit 1845 war Waesemann Kondukteur bei Bauten im Königlichen Stadtschloss. Er war unter anderem an der Wiederherstellung des Weißen Saales beteiligt. Nach einer kurzen Phase als Privatbaumeister übernahm er 1851 bis 1853 eine Lehrtätigkeit an der Bauakademie im Fach "Farbige Dekoration". Als preußischer Baubeamter wirkte er in Breslau und später in Berlin. Der Bau, der ihn schließlich unsterblich machte, wurde das "Rote Rathaus".

Wie bei vielen Großbauten im Spree-Athen gab es eine Menge Streit, Irritationen und schließlich eine verblüffende Wendung. Das alte Berliner Rathaus war weder groß noch stattlich. Die Bürger wünschten sich seit Langem einen modernen Bau. Schinkel hatte bereits 1819 einen Entwurf geliefert, doch für die Ausführung fehlte das Geld. Der Berliner Architekten-Verein schrieb den Schinkelpreis 1857 für ein Rathaus-Projekt aus. Doch der Siegerentwurf Hermann von der Hudes fand keine Realisierung. Dann veranstaltete der Berliner Magistrat einen weiteren Wettbewerb. 18 Entwürfe wurden eingereicht und in einer Akademie-Ausstellung 1858 der Öffentlichkeit präsentiert. Es gab zwei erste Preise: Für den Entwurf "Rathaus mit Kaufläden im Erdgeschoss" erhielten ihn Friedrich von Schmidt und August Wilhelm Strauch (Wien, Berlin), für die Variante „Rathaus ohne Läden“ wurde Friedrich Adler (Berlin) prämiert. Auch diese Pläne blieben Papier. Eine 1859 vom Magistrat eingesetzte zwölfköpfige Deputation entschied, dass sechs namhafte Berliner Baumeister (Theodor Stein, Friedrich Hitzig, Hermann Friedrich Waesemann, Heinrich Georg Bürde, Eduard Knoblauch sowie Friedrich Adler) sich um die Aufgabe neu bewerben sollten - allerdings mit der Bedingung, bei Zuschlag das Beamtenverhältnis zu quittieren und auf die Staatspension zu verzichten. Nach langen Verhandlungen entschied sich der Magistrat für Waesemann. Er sollte die bisherigen Entwürfe überarbeiten. Am 16. Mai 1859 wurde der Arbeitsvertrag unterzeichnet. Der erste vorgelegte Entwurf gefiel noch nicht. Doch der zweite, 1860 vorgelegte, der Ziegel-Terrakotta-Bau mit einem Turm von 97 Meter Höhe, überzeugte. Nun konnte endlich gebaut werden. Grundsteinlegung war am 11. Juni 1860, Richtfest wurde am 9. November 1867 gefeiert. Das erste Stadtparlament tagte am 6. Januar 1870 im neuen, noch unvollendeten Hause. Das "Rote Rathaus" war bald schon ein Wahrzeichen Berlins. Sein Erbauer starb am 28. 1. 1879. Sein Grab, ein Berliner Ehrengrab, befindet sich auf dem II.
Sophienfriedhof in der Bergstraße in Berlin-Mitte.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 2/2009

Die Artikelserie "Orte der Erinnerung" im Internet:

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