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TU Berlin

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Vermischtes

Jahr der Astronomie

Dienstag, 07. April 2009

Eine Liebe unter Sternen

Im 17. Jahrhundert vollzog sich in Europa eine wissenschaftliche Revolution: Die Erfindung des Fernrohrs verwandelte die Astronomie in eine empirisch beweisbare Theorie. Aber in Deutschland tobte zwischen 1618 und 1648 ein verhängnisvoller Krieg, der Land, Leute und Kultur schwer schädigte. In dieser Krisenzeit lebte Maria Cunitz (Cunitia), eine Frau, die für die Astronomie Bedeutendes leistete. Dazu gehörte ihr Buch "Urania propitia" (1650). Maria wurde um 1604 als Tochter des Schweidnitzer Arztes Heinrich Cunitz geboren. Der Vater, selbst ein gebildeter Mann, den der Däne Tycho Brahe in die Astronomie einführte, erzog seine Tochter durchaus “unzeitgemäߓ. Sie erhielt Unterricht in Mathematik, Astronomie, Astrologie sowie Geschichte und erlernte sieben Sprachen (Griechisch, Latein, Hebräisch, Italienisch, Französisch und Polnisch). 1629 erreichte der Krieg ihre schlesische Heimat. Mutter und Vater starben als protestantische Flüchtlinge. 1630 heiratete Maria den Arzt und Astronomen Elias von Löwen. Er hatte sich zunächst der gebildeten Frau als Tutor angeboten. Doch die Kriegsfurien ließen dem jungen Paar wenig Ruhe. Sie flohen in das Frauenkloster Olobok. Dort konnte die Cunitia ihr astronomisches Tafelwerk "Urania propitia" erarbeiten. Sie knüpfte an die “Rudolphinischen Tafeln“ Johannes Keplers an und verbesserte und vereinfachte die zeitgenössischen astronomischen Rechenmethoden. Außerdem verfasste sie eine lateinische und eine deutsche Einleitung. Damit wollte sie sich an ein astronomisch interessiertes Laienpublikum wenden und zugleich Deutsch als Wissenschaftssprache möglich machen und befördern. Maria Cunitz starb 1664, drei Jahre nach ihrem Mann. Ihr Werk gehört zum Inventar großer Bibliotheken in Wien, Paris, Warschau und Zürich. Noch im 18. Jahrhundert galt sie einer Generation weiblicher Astronominnen als Vorbild. Das "Vergessen" begann erst im späten 19. Jahrhundert.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 4/2009

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