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TU Berlin

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Genialer Pazifist der Luftfahrt

Dienstag, 07. April 2009

Orte der Erinnerung: Flugpionier Hugo Junkers wurde von den Nazis enteignet

Modell des ersten Junker’schen Nurflüglers "G 38"
Modell des ersten Junker’schen Nurflüglers "G 38", zu sehen im Dessauer Technikmuseum Hugo Junkers, das in alten Hallen der ehemaligen Junkers-Werke untergebracht ist.
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Hugo Junkers gehört zu den berühmtesten Absolventen der Technischen Hochschule Berlin. Er gilt als der große Pionier der zivilen Luftfahrt. Zum Flugzeugbau aber kommt er relativ spät. Zunächst entwickelt er Gasmotoren, erwirbt ein Patent für das Kalorimeter und erfindet den Gasbadeofen. Er wird einer der weltweit bekanntesten Erfinder-Unternehmer des 20. Jahrhunderts. Außerdem kooperiert er mit dem Bauhaus und stattet die Meisterhäuser des "Neuen Bauens" in Stuttgart und Dessau mit seinen Gasinstallationen aus. Als Firmenchef legt er Wert auf den mitdenkenden Angestellten. Bereits 1932 gerät er wegen seiner pazifistischen Einstellung mit den Nazis in Konflikt. Später erpresst ihn Hermann Göring, die Junkers-Patente und die Aktienmehrheit der Dessauer Flugzeugwerke an das "Dritte Reich" abzutreten.

Der Sternmotor
Der Sternmotor
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Sein 150. Geburtstag wurde am 3. Februar 2009 an seinen Wirkungsstätten Dessau, Aachen und München feierlich begangen. Im Dessauer Junkers-Museum fand eine wissenschaftliche Konferenz statt, auf der eine ruhmreiche Vergangenheit beschworen und über ein neues, umfassenderes Junkers-Bild debattiert wurde.
Junkers, ein Kind des Rheinlandes, kommt mit einer verkrüppelten Hand zur Welt. Mittels einer Spezialvorrichtung, viel Ausdauer und Ehrgeiz schafft er bald ebenso viele Klimmzüge am Reck wie seine Mitschüler. Nach dem Abitur geht er 1878 nach Berlin an die Gewerbeakademie, später wechselt er an die TH Aachen, wo er 1883 sein Maschinenbauexamen macht. 1887 kommt er wieder an die Berliner TH und wird Assistent von Adolf Slaby. Bei ihm lernt er, wie man durch wissenschaftliche Methoden technische Probleme lösen kann. Diese Herangehensweise wird Junkers bei all seinen technischen Erfindungen erfolgreich anwenden. Slaby empfiehlt den jungen Ingenieur 1888 an den Dessauer Gasmotorenfabrikanten Oeschelhäuser. Hier beginnt nun eine geniale Erfinderlaufbahn. 1892 gelingt die Entwicklung des ersten Zweizylinder-Gegenkolben-Gasmotors. Quasi als "Nebenprodukt" entwickelt Junkers das Kalorimeter, das er in seinem ersten Unternehmen produziert. Als praktische Anwendung dieses Prinzips meldet er 1894 den Gasbadeofen an. Junkers’ Gas-Thermen-Produktion in Dessau wird seine profitabelste Fabrikation werden. 1897 beruft ihn die TH Aachen zum Professor für Thermodynamik. Junkers - nunmehr auch finanziell abgesichert - heiratet und begründet mit seiner Frau Therese eine große Familie mit zwölf Kindern. 1908 kommt er in Aachen mit Professor Hans Reißner, einem Spezialisten für Aerodynamik und Flugzeugbau, in Kontakt. Der fast fünfzigjährige Junkers entdeckt eine neue Leidenschaft: das Fliegen und das Flugzeug. Auch hier geht er wieder streng wissenschaftlich ans Werk und überwindet die "Handwerkelei" der frühen Flugpioniere. Er erkennt die entscheidende Bedeutung des Tragflächenquerschnitts. Im Windkanal testet er die optimale Form. 1910 erhält er seine Flugzeugbau-Patente, unter anderem auch das eines Nurflüglers. Ein weiteres Novum seiner Arbeit ist das Ganzmetallflugzeug. Er verbessert den Diesel- oder Schwerölmotor, um Langstreckenflüge mit Personen und Last durchzuführen. In den Zwanzigerjahren ist "Junkers Dessau" das Markenzeichen für Flugzeugkonstruktion und -bau. 1933 wird Junkers von den Nazis enteignet, er muss Dessau verlassen. Hugo Junkers geht ungebrochen nach Bayern, um ein neues, sein letztes Projekt zu errichten, eine private Forschungsanstalt. Er stirbt am 3. Februar 1935 in Gauting. Sein Grab liegt auf dem Waldfriedhof Solln in München.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 4/2009

Die Artikelserie "Orte der Erinnerung" im Internet:

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