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TU Berlin

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Buchtipp

Dienstag, 07. April 2009

Felix Jentsch
Felix Jentsch
Lupe

TU intern fragt Menschen in der Uni, was sie empfehlen würden. Felix Jentsch studiert an der TU Berlin Deutsche Philologie und Neuere Geschichte. Zweimal monatlich präsentiert er Nachwuchsliteraten im Pankower "Zimmer 16" (Florastraße 10, 13187 Berlin-Pankow).

Thomas Mann: Was dieser Mann geleistet hat, bleibt unerreicht. Doch weder sein bedeutendstes Buch - für die einen heißt es "Buddenbrooks", für die anderen "Der Zauberberg" - noch sein bestes - laut Literaturpapst Reich-Ranicki die Novelle "Tonio Kröger" - sollte man lesen, wenn man sie bis jetzt nicht gelesen hat. Aber sein "Felix Krull" verdient meiner Meinung nach immer Aufmerksamkeit. Thomas Mann arbeitete sein Leben lang an diesem Roman. Die frühesten Episoden hat er bereits 1910 geschrieben, die letzten 1950. Er ist nicht damit fertig geworden. Lediglich ein Zwölftel der geplanten Handlung liegt vor. Aber schon dieses Fragment bietet vollkommenen Lesegenuss auf höchstem Niveau.

Das gewinnende Wesen des hochattraktiven, intelligenten und sprachbegabten Felix Krull nimmt nicht nur die Damen und Herren seiner Welt, sondern ebenso seine Leser für sich ein. Momente wie Krulls meisterhafte Verstellung vor der Kommission zur Einstufung militärischer Tauglichkeit, seine galanten Abenteuer als Liftboy in einem Pariser Nobelhotel oder seine Weltreise in der Rolle des Grafen Louis Vinosta reichern unseren Erfahrungsschatz mit Erlebnissen an, die wir wahrscheinlich selbst nie machen werden, weil es uns dafür einfach an Stil, Charme und Frechheit fehlt.

Für Menschen, die, wie ich, von Büchern Abstand nehmen, in denen es dem Helden der Geschichte an den Kragen geht, ist es sogar ein entscheidender Vorteil, dass die "Bekenntnisse" unvollendet geblieben sind. Dadurch blieb der sympathische Dieb und Lügner Felix Krull von allen Übeln verschont. Nur so kann er uns damit zum ewig jungen, glücklichen und vor allem lebendigen Begleiter werden. Was kann einem Literatur denn Besseres geben als das?

Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, erstmals erschienen 1954 im S. Fischer Verlag

Quelle: "TU intern", 4/2009

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