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TU Berlin

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Tollkühner Mann in seiner fliegenden Kiste

Montag, 17. November 2008

Flugpionier Hans Grade ist ein originelles Museum in Borkheide bei Berlin gewidmet

Das Grab des Flugpioniers in Borkheide
Das Grab des Flugpioniers in Borkheide
Lupe

Es war kein Wettflug von London nach Paris, der den Ingenieur und Absolventen der Technischen Hochschule zu Berlin, Hans Grade (1879-1946), berühmt machte. Vor 100 Jahren, am 28. Oktober, startete er in Magdeburg mit einem Dreidecker, den ein 36-PS-Zweitaktmotor antrieb - alles Marke "Eigenbau" -, in die Lüfte. Diese technische Tat machte ihn zu Deutschlands erstem Motorflugpionier.

Im Fliegerheim Borkheide ist der Pioniergeist noch immer zu spüren
Im Fliegerheim Borkheide ist der Pioniergeist noch immer zu spüren
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Zur selben Zeit setzte das deutsche Kaiserreich allein auf die Luftschiffe des Grafen Zeppelin als Flugtechnik der Zukunft. Unser Flugpionier hatte nach dem Studium 1905 mit geliehenem Geld eine Motorenfabrik in Magdeburg gegründet. Während seines Militärdienstes studierte er die Schriften Otto Lilienthals und baute jenen Dreidecker, der ihn in die Geschichte katapultierte. Damit war Fliegen seine Leidenschaft. Nach ersten Erfolgen verbesserte er sein Fluggerät zu einem leichteren Eindecker und gewann am 30. Oktober 1909 den Karl-Lanz-Preis. Dieser Preis, dotiert mit 40 000 Goldmark, wurde vom gleichnamigen Mannheimer Industriellen für ein Motorflugzeug gestiftet, das vollständig aus deutschen Produkten erstellt werden sollte. Mit diesem Kapital baute Grade in Borkheide bei Berlin ein Motoren- und Flugzeugwerk auf und produzierte bereits 1910 zwei bis drei Flugapparate pro Woche. Bald kam eine Flugschule hinzu, für die er mit erfolgreichen Schauflügen Reklame machte. Bis zum Ersten Weltkrieg stieg die Werksbelegschaft auf 50 bis 100 Mitarbeiter. Fast 350 Schüler erlernten außerdem in seinem Sportflugzeug mit Zweitaktmotor das Fliegen. Größter Erfolg war, dass keine Todesopfer zu beklagen waren. Aeroplane als Kriegsgeräte lehnte Hans Grade strikt ab. Die alliierten Restriktionen für den deutschen Flugzeugbau nach 1919 veranlassten ihn, seine technischen Erfahrungen für den Kleinautobau zu nutzen. Die Weltwirtschaftskrise 1929 beendete leider eine große Erfolgsgeschichte. Was blieb von Hans Grades Ruhm? Ein Ausflug nach Borkheide bringt Aufklärung. Nach einer Stunde Zugfahrt von Berlin findet der Besucher am Bahnhof erste Hinweise auf das originelle Hans-Grade-Museum. Der Rumpf einer sowjetischen IL 18, eines klassischen osteuropäischen Fliegers aus der Propeller-Ära, beherbergt diese Erinnerungsschau mit vielen Zeugnissen von und Informationen über den Flugpionier. Wandert der Besucher um das Gelände herum, so stößt er auf das etwa zwei bis drei Kilometer lange Flugfeld Borkheide, das spätsommerlich von Grasnelken, Löwenmäulchen und gelegentlichen Champignons übersät ist. Nach musealem und botanischem Erlebnis kann der Wanderer Durst und Hunger im historischen "Fliegerheim" stillen, wo auch seine Fantasie von den dort befindlichen alten Bildern und Flugutensilien beflügelt wird. Verspürt er dann noch Wanderlust, kann er zum Grab des Flugpioniers pilgern. Wer diesen Ausflug plant, sollte sich vorher im Internet über die Öffnungszeiten des Museums informieren, sonst bleiben nur Heidekraut und Pilzesuchen.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 11/2008

Die Artikelserie "Orte der Erinnerung" im Internet:

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