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TU Berlin

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Vermischtes

Pionier der Moderne - Diener der Schönheit

Montag, 14. Juli 2008

Orte der Erinnerung: Alfred Messel band die Moderne sensibel an die Tradition

Das Ehrengrab Alfred Messels
Das Ehrengrab Alfred Messels auf dem St.-Matthäus-Friedhof
Lupe

Alfred Messel, der Erfinder der modernen Kaufhaus-Architektur, ist ein Mythos, hinter dem der Mensch in seinem Widerspruch verschwunden ist. Es ist kaum zu glauben, dass Leben und Werk dieses großen Pioniers der Moderne relativ wenig erforscht sind.

"Alfred Messel, der große Unbekannte" ist das Nachwort einer 1996 neu aufgelegten Monografie von 1911 überschrieben. Was wissen wir von diesem Architekten, der von 1874 bis 1878 an der Berliner Bauakademie studierte, die zweite Staatsexamensprüfung wiederholen musste, der von 1885 bis 1893 Assistent an der Technischen Hochschule zu Berlin war und der - 1906 beauftragt von Wilhelm Bode - das Monumentalgebäude für den Pergamonaltar entwarf, das von seinem Freund, dem Stadtbaurat Ludwig Hoffmann, ausgeführt wurde?

Messel erblickte vor 155 Jahren am 22. Juli 1853 in Darmstadt das Licht der Welt und wuchs in einer vermögenden, allem Schönen zugetanen Familie auf. Nach dem Gymnasium, wo die Freundschaft mit Ludwig Hoffmann, seinem später nicht weniger bedeutenden Architektenkollegen, begann, studierten beide ein Jahr an der Kunstakademie Kassel. Bald wechselten sie an die legendäre Berliner Bauakademie. Zu ihren Lehrern gehörten Richard Lucae, Hermann Ende und Johann Heinrich Strack, der das Talent des jungen Messel erkannte. Trotz des Examenspechs ging er 1878 als Bauführer in den preußischen Staatsdienst. 1881 gewann Messel den Schinkelpreis für den Entwurf eines Ausstellungsgebäudes und konnte sich so 1883/84 eine ausgedehnte Italienreise leisten. Seine ersten Bauten in den 1890er-Jahren zeigten die Abhängigkeit vom Historismus, er bevorzugte die deutsche Neorenaissance, was man noch heute gut an den Volks-, Kaffee- und Speisehallenhäusern in der Neuen Schönhauser Allee und in der Chausseestraße bewundern kann. Dennoch wandte er sich von übertriebener Ornamentik der Fassade ab und ordnete sie feinsinnig und elegant der Funktion des Baus unter - ein Schritt hin zur architektonischen Moderne. Eine neue Phase seines Bauens begann 1896-1906 mit dem Warenhauskomplex Wertheim an Leipziger Straße und Platz. Mit dem ersten, später erweiterten Gebäude, das durch grandiose Lichthöfe und eine transparente Fassade aus Glas und Stein auffiel, schuf Messel den Urtyp des Kaufhauses fürs 20. Jahrhundert. Diese Kathedrale des Kommerzes war eine Berliner Sensation. Kritiker und Bevölkerung waren begeistert. Das Haus mit seinem großstädtischen, eleganten Flair, mit seinem alles durchflutenden Licht und den Möglichkeiten der Warenpräsentation machte ihn zum Stararchitekten der Jahrhundertwende. Der Durchbruch zur Moderne, die Verbindung von Form und Funktion, war vollzogen und dennoch zeigen seine Bauten eine sensible Bindung der Moderne an die Tradition. Stilschocks waren seine Sache nicht. Als Ziel galt ihm ein harmonischer ästhetischer Eindruck. Mit derselben Akribie baute er Mietshäuser mit Kleinwohnungen in den Arbeiterbezirken wie Nobelvillen und Landhäuser im Berliner West-End. Auch das Lette-Haus und die Landesversicherungsanstalt am Köllnischen Park zeugen heute noch von seiner Meisterschaft im Verwaltungsbau. Während der Vorarbeiten zum Museumsinselprojekt ereilte ihn am 24. März 1909 der Tod. Sein Grab, ein Ehrengrab, befindet sich auf dem St.-Matthäus-Friedhof in der Großgörschenstraße.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 7/2008

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