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Hart, aber fair im kreativen Milieu

Montag, 19. Mai 2008

Heinrich Gustav Magnus: experimentelle Physik und private Nachwuchsförderung

Magnus’ Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte
Magnus’ Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte
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Heinrich Magnus gilt als der Stammvater der Berliner Physik. Als genialer Experimentator, Lehrer und Organisator hatte er einen gewichtigen Einfluss auf die Entwicklung Berlins zur Metropole von Wissenschaft und Spitzentechnologie. Zu seinen bedeutendsten Schülern gehören Hermann Helmholtz, Emil Du Bois-Reymond und August Kundt. An der 1879 neu gegründeten Technischen Hochschule zu Berlin wirkten seine Schüler Paalzow, Rüdorff und Weber als Physikdozenten. Magnus selbst war - zwar nur kurz - an den TH-Vorgängereinrichtungen, der Gewerbeakademie, als Dozent für Chemische Technologie 1850-56 und an der Bergakademie für Chemie tätig. Sein Einfluss auf die Entwicklung der TH aber ist noch weitgehend unerforscht.

Magnus wurde als Kind jüdischer Eltern am 2. Mai 1802 in Berlin geboren. Nach dem Besuch des Friedrich-Werderschen Gymnasiums und des privaten, naturwissenschaftlich orientierten Cauerschen Instituts studierte er 1822 an der Berliner Universität Chemie, Physik und Mathematik. Er promovierte 1827 und folgte der Einladung an das Forschungsinstitut von Jacob Berzelius in Schweden. Hier trainierte er sein experimentelles Geschick, das er später in der weniger erfahrenen Physik einsetzte. Das machte ihn zum Vater der deutschen Experimentalphysik. 1828 kehrte Magnus nach Berlin zurück und reiste für ein halbes Jahr nach Paris. Doch: "… man muss in Paris etwas zudringlich sein, und muss auftreten als wäre man etwas" - war sein enttäuschter Kommentar. 1831 habilitierte er sich in Berlin und wurde Privatdozent, ab 1845 ordentlicher Professor für chemische und physikalische Technologie an der Universität. Sein Privatlaboratorium stellte er auch der Universität zur Verfügung.

Etwas Neues waren seine Technologie-Vorlesungen über industrielle Fertigungstechniken und seine Exkursionen mit den Studenten zu Industriebetrieben wie die August Borsigs. Das führte zu einem Rekord im Vorlesungsbesuch mit 70 bis 80 Hörern.

Das Jahr 1840 wurde zu einer Zäsur in Magnus’ Leben. Er heiratete die Verlegertochter Bertha Humblot, kaufte ein Palais am Kupfergraben, das heutige Magnus-Haus, und wurde Akademie-Mitglied. Intensiv förderte er den Nachwuchs - mit eigenem Geld. In seinem Haus richtete er Hörsaal, Laboratorium und Bibliothek ein, wo Physikstudenten ihre eigenen Forschungen verfolgen konnten. Magnus wollte seine Schüler zum selbstständigen, kreativen Arbeiten anregen. Studenten und junge Techniker wie Werner Siemens konnten sich in seinen "physikalischen Kolloquia“ über den aktuellen Wissensstand informieren und eigene Vorträge halten, die hart, aber fair beurteilt wurden. Magnus förderte so den jungen Helmholtz und setzte sich vehement für Siemens’ Dynamomaschine ein. Aus diesem Kolloquium und in seinem Geiste gründeten sechs junge Forscher 1845 die Berliner Physikalische Gesellschaft. Als Magnus’ größte Leistung gilt die 1852 erfolgte experimentelle Klärung des nach ihm benannten “Magnus-Effekts". Er starb am 4. April 1870 und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte begraben.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 5/2008

Die Artikelserie "Orte der Erinnerung" im Internet:

www.tu-berlin.de/?id=1577

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