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Gartenkunst um der Menschen willen

Montag, 14. April 2008

Orte der Erinnerung: Gartenarchitekt Erwin Barth - ein Opfer des Nationalsozialismus

Die letzte Ruhestätte Barths in Stahnsdorf
Die letzte Ruhestätte Barths in Stahnsdorf
Lupe

Am 8. Juli vor 75 Jahren schießt sich Erwin Barth, der bekannteste Gartenarchitekt Berlins, eine Kugel in den Kopf. Am 10. Juli ist er tot. Barth - seit 1921 Privatdozent, später Honorarprofessor für Gartenkunst an der Technischen Hochschule Berlin und seit 1929 Direktor des Instituts für Gartengestaltung der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin - stand auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im August ’33 sollte das neue Haus in Steglitz bezogen werden; die Gäste zum Einzugsfest waren eingeladen. Warum dieser Freitod? War es ein Akt der Verzweiflung? Drohte ein heimtückisches Augenleiden? Oder war es ein Akt des Protestes gegen Hitlers Machtübernahme und gegen die damit einhergehenden Repressalien? Barths Motive bleiben ungeklärt. Findet sich des Rätsels Lösung in seiner Biografie? Am 28. 11. 1880 in Lübeck geboren, verlor er früh den Vater. In der Untersekunda verlässt er das Lübecker Katharineum und beginnt eine Lehre als "Kunstgärtner". 1900 folgt eine zweijährige Lehrzeit an der Königlichen Gärtner-Lehranstalt in Potsdam, die der Tradition Peter Joseph Lennés verpflichtet ist. Anschließend ist der junge Barth als Gartentechniker in Hannover, Bremen und Düsseldorf tätig, absolviert auch den Militärdienst und wird Reserveoffizier.

Nach 1900 entsteht im Gefolge der Lebensreformbewegung die Idee der Gartenstadt: Parks sollen allen Menschen Luft, Licht und Sonne bringen. Statt Luxus also eine soziale Aufgabe für die Gartenkunst. Nach Aufträgen, Plänen und Entwürfen in Lübeck und Köln ist sein erster großer Erfolg eine "Goldene Medaille" der Gartenbauausstellung 1907 in Mannheim. Er wird Stadtgärtner in seiner Heimatstadt und heiratet 1910 Elisabeth Frenkel. In Lübeck entsteht die Idee des Erholungsparks mit dem Dreiklang "Spiel, Ruhe und Schmuck" - Barths zukünftiges Arbeitsprogramm. Inzwischen Vater geworden, folgt er 1912 dem Ruf als Gartendirektor in Charlottenburg. Hier erwarten ihn große Aufgaben: die Gestaltung der Stadtplätze rund um die Gedächtniskirche und Planung des Volksparks Jungfernheide. Viele neue Ideen werden realisiert. In den Anlagen werden Blumen neben Sträuchern gepflanzt. Mit der neuen Farbfototechnik lässt Barth eine breitere Öffentlichkeit an seiner Arbeit teilhaben.

Der Kriegsausbruch 1914 beendet jäh diese kreativen Arbeitsjahre. Barth geht an die Front, wird schwer verwundet. Ab 1916 überwacht er in Charlottenburg den kriegsbedingten Gemüseanbau in öffentlichen Parks. Als 1918 die Republik entsteht, setzt er seine Tätigkeit - trotz seiner eher sozial-konservativen Gesinnung - fort. Jetzt können die geplanten Volksparks über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen realisiert werden. Endlich etabliert sich die Gartenarchitektur an der Technischen Hochschule, und Barth wird Professor. Ab 1927 erhält er dann den ersten Lehrstuhl für Gartenkunst an der Landwirtschaftlichen Hochschule. Barth scheint auf dem Höhepunkt seines Lebens, als Hitler am 30. 01. 1933 Reichskanzler wird. Barth ist skeptisch und melancholisch und schützt Mitarbeiter vor Verfolgung. Ein neues Projekt für den Bankier Fränkel zerschlägt sich, weil Fränkel, ein Jude, emigrieren muss. Den introvertierten Mann peinigt das Gewissen. Als Offizier kennt er nur einen Ausweg … Barths Grab, seit 1980 ein Ehrengrab, liegt auf dem Waldfriedhof in Stahnsdorf, der 1921 nach seinen Plänen entstand.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 4/2008
Literaturtipp: Dietmar Land, Jürgen Wenzel: Heimat, Natur und Weltstadt. Leben und Werk des Gartenarchitekten Erwin Barth. Leipzig 2005

Die Artikelserie "Orte der Erinnerung" im Internet:

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