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Montag, 15. Dezember 2008

Orte der Erinnerung: Wie der Berliner Kachelofen zum Exportschlager wurde

Das Hoffmann’sche Familiengrab auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof
Das Hoffmann’sche Familiengrab auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof
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Nicht der Überfluss war es, sondern Kargheit und Mangel, die früh den technischen Erfindergeist in der "märkischen Streusandbüchse" anfachten. So erfanden die mittelalterlichen Siedler aus Ton gebrannte Ziegel und die beeindruckende Backsteinarchitektur. Im 18. Jahrhundert fertigte Tobias Feilner aus märkischen Tonsorten einen Keramikkachelofen an, formte ihn nach Entwürfen von Schinkel und Schadow und erfand ergänzend eine brennstoffarme Feuerungstechnik. So entstand ein Exportschlager: der Berliner Kachelofen. Doch zum Nestor und Förderer der märkischen Tonwaren- und Ziegelfabrikation wurde Friedrich Eduard Hoffmann, ein Absolvent der Berliner Bauakademie. Er konstruierte zusammen mit Albert Licht einen brauchbaren Ringbrennofen. Diese Erfindung bewirkte, dass die Ziegelherstellung vom Handwerk zur Industrie wurde. Hoffmann, 1818 in Gröningen geboren, besuchte das Domgymnasium in Halberstadt und nahm 1838 eine Ausbildung im Baufach auf. Schon früh interessierte er sich für technische Innovationen. Erste praktische Erfahrungen sammelte er als Hilfsarbeiter beim Eisenbahnbau. 1843 begann er ein Studium an der Bauakademie, das er 1845 als „Königlicher Baumeister“ beendete. Er heiratete und wurde bald Familienvater. In den nächsten Jahren wirkte er beim Bau und Betrieb der Berlin-Hamburgischen Eisenbahn mit. In dieser Zeit grübelte er auch an technischen Erfindungen (pneumatische Mühle, hydraulischer Bagger und andere). Aber das Hauptinteresse seiner technischen Fantasie konzentrierte sich auf die technologische Verbesserung der Ziegelbrennerei. Das gelang 1857 mit dem Hoffmann’schen Ringofen. Die Vorteile dieses Brennofens bestanden darin, dass mehrere Arbeitsvorgänge (Beschicken, Brennen, Abkühlen) gleichzeitig abliefen, die Wärme optimal genutzt und so eine Brennstoffeinsparung von zwei Dritteln gegenüber herkömmlichen Verfahren erzielt wurde. Dieser Ringofen wurde ein Exportschlager und gewann 1867 auf der Pariser Weltausstellung den "Grand Prix". Hoffmann erwarb das Ringofen-Patent für Europa, Russland und die USA. Doch er blieb als Unternehmer rastlos. Er knüpfte Kontakte zu Hermann Seger, dem Begründer der modernen Tonchemie, und ließ mittels angewandter Wissenschaft Technologie, Materialqualität und Messverfahren verbessern. Hoffmann regte die Einrichtung einer staatlichen Prüfungsanstalt für Baumaterialien an der Gewerbeakademie zu Berlin, einer Vorgängerinstitution der TU Berlin, an. Mit seinen Berufsgenossen gründete er 1865 den Verein für Fabrikation von Ziegeln, Tonwaren, Kalk und Zement. Er wirkte seit 1868 als Mitherausgeber der "Deutschen Töpfer- und Ziegelzeitung", der – heute ein Kuriosum – ein Laboratorium zugeordnet war. So sorgte Hoffmann dafür, dass sein Gewerbe stets öffentlichkeitswirksam präsent war. Sein Leben kannte viel Arbeit und große Erfolge. Aber er musste auch großes Leid verkraften. Vier seiner sechs Kinder starben 1856 an Scharlach. Davon erzählen die Erinnerungstafeln am Hoffmann’schen Familiengrab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin. Der ungewöhnliche Grabstein wurde aus farbigen Mosaiksteinen aus Hoffmann’scher Fabrikation errichtet. Hier fand der Erfinder-Unternehmer seine letzte Ruhe, nachdem er am 3. Dezember 1900 gestorben war.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 12/2008

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