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TU Berlin

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Vermischtes

Die größte Industriestadt zwischen Lissabon und dem Ural

Montag, 14. Juli 2008

Vor 110 Jahren begann das Gras des Vergessens über die Berliner Gewerbeausstellung von 1896 im Treptower Park zu wachsen

Ausstellungsplakat von Ludwig Sütterlin
Ausstellungsplakat von Ludwig Sütterlin
Lupe

Am Anfang gab es viel Streit. Wann sollte die vierte Gewerbeausstellung stattfinden? Sollte sie national oder international werden oder gar eine Weltausstellung? Und wo sollte sie errichtet werden, im Treptower Park oder in Witzleben? Darüber kam es zum Eklat und der Vorsitzende des Organisationskomitees trat zurück. Aber die vierte Leistungsschau der Berliner Industrie, des Handwerks und der Gewerbe fand statt. Sie wurde die letzte ihrer Art. Eigentlich war sie als Weltausstellung geplant, aber die deutsche Industrie hatte noch Franz Reuleauxs Wort "billig und schlecht" im Ohr, mit dem er 1876 in St. Louis die mangelnde Qualität ihrer Produkte gebrandmarkt hatte. So beschloss man, die Ausstellung in Treptow als eine nationale zu veranstalten, obwohl allein die Ausstellungsfläche von 1100000 Quadratmetern alle bisherigen Weltausstellungen in den Schatten stellte. Am 7. 12. 1894 übergab die Stadt Berlin dem Komitee den seit 1876 gestalteten Park mit der Auflage, keinen Baum und Strauch zu beseitigen und das Gelände 1898 denaturiert wieder zurückzugeben. Und so geschah es. Ein Architektenteam, bestehend aus Hans Grisebach, Karl Hoffacker und Bruno Schmitz, entwarf die Gesamtanlage, die rund um den Neuen See mit Hauptrestaurant, Hauptausstellungsgebäude und Balustraden mit Obelisken und Beleuchtungskörpern ein imposantes Forum bilden sollte. Außerdem wurden 300 weitere kleinere Pavillons errichtet. Im März 1895 begannen die Bauarbeiten. Eine elektrische Rundbahn mit 3,4 Streckenkilometern wurde errichtet, ergänzt durch Zentren der Energie-, Wasserversorgung und der Kanalisation. An alles wurde gedacht, das Ausstellungsgelände war eine Meisterleistung an Logistik und Perfektion.

Am 1. Mai 1896 fand die feierliche Eröffnung in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. statt. Das Ausstellungsplakat mit dem erhobenen Hammer in starker Hand, entworfen von Ludwig Sütterlin, wirkte im Maschinenzeitalter etwas antiquiert. Die Gewerbeausstellung war in mehr als 20 Gruppen aufgeteilt, in denen sich die verschiedenen Industrien und Gewerke präsentierten. An erster Stelle standen die traditionsreiche Berliner Konfektion, der Werkzeugmaschinenbau, die Lampenindustrie, die nebeneinander Beleuchtungskörper auf der Basis von Petroleum, Gas und Elektrizität zeigte, sowie der wissenschaftliche Gerätebau mit unterschiedlichsten Präzisionsgeräten. Ein astronomisches Großfernrohr von Friedrich S. Archenhold wurde präsentiert. Auch die sich als Schlüsselbranche entfaltende Elektrotechnische Industrie, Siemens und AEG, war mit ihrer Stark- und Schwachstromtechnik, mit Telefonie und Dynamomaschinen vertreten. Dem Sport und der Jagd als neue Freizeittätigkeiten wurde gedacht mit Fahrrad- und Waffenausstellungen. Die für die neue Kaiserliche Marine produzierten nautischen Geräte und Schiffsmodelle konnten besichtigt werden und selbst der erste Getränkeautomat fand ein staunendes Publikum. Die Veränderungen in der theoretischen und praktischen Ausbildung in Schule und für den Beruf wurden visualisiert und vieles mehr.

Im Jahr 1898 - nach der Denaturierung des Geländes - erschien der amtliche Bericht, betitelt "Berlin und seine Arbeit". Durchblättert man diese 890 Seiten starke Enzyklopädie, wird klar, dass damals - lang, lang ist’s her - Berlin wirklich die größte Industriestadt zwischen Lissabon und dem Ural war.  

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 7/2008

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