direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

Vermischtes

Das Allerletzte

Montag, 19. Mai 2008

Gender-Männekin

"Männekin" ist weg. Lange schon. Als Kind hab’ ich ihn noch gekannt: "Männekin, Se ham da wat vajessen!" Wenn einer die Bäckertüte auf der Parkbank liegen ließ.

"Männekin" riss damals schon jede Höflichkeitsschranke nieder. Es hieß: “Mach dir hier ma nich mausich, Kleena". Voll krass. So lange wir Berliner noch unter uns waren, ging es. Hundert Millionen Neuen aber schlug die plumpe Vertraulichkeit von einst glatt als Aggression in die Ohren. Deshalb musste "Männekin" die Stadt verlassen. Aus Sicherheitsgründen. Viele Jahre bevor ein "Isch mach disch Messer!" als Antwort denkbar gewesen wäre.

Manchmal schleicht "Männekin" noch durchs Berliner Gespräch: "Der Ihre war man bloß so ’n halbet Hemde, so ’n Männekin!“ (Wenn Mandy sich für was Stattlicheres entschieden hat.) Oder: "Jib mir dit Männekin wieda, sons hau ick deine Burch kaputt!" (Im Kinderzimmer.)

Das geflohene "Männekin" aber hat einen Erben. Einen - alles wird komplizierter - zusammengesetzten Ausdruck: "Junger Mann". Berlinisch gesprochen "een janz falscher Fuffzjer", denn seine Höflichkeit ist giftig: Junge Männer wollen schlicht als "Mann" gelten. Und allen übrigen hält "junger Mann" feixend vor, was sie deutlich sichtbar nicht mehr sind, als was maximal sie gelten zu lassen der Sprechende aber höhnisch verkündet. Denn "junger Mann" beschwört keineswegs Achill oder Jung- Siegfried, "junger Mann" grient: "So richtich wer biste nich."

Und wenn die Pflegerin den 80-Jährigen warnt: "Passen Se uff, junger Mann, hier kommt ’ne Stufe!", meint sie: "So alt und schon wieder so dusslich!" Kurz, "junger Mann“ ist im Grunde des bösen “Männekin" schlecht gewahrtes Inkognito. Mit einem wichtigen Unterschied: "Männekin" weiland funktionierte nur bei Mannsleuten, "junger Mann" dagegen verfügt über ein weibliches Gegenstück, die "junge Frau". Und mit deren Hilfe lässt sich nun endlich auch jeder Dame umstandslos verklickern, dass sie hier bloß nicht den dicken Max markieren soll. Daran kann man klar erkennen, wie sehr uns Berlinerinnen und Berlinern das Gender-Mainstreaming ans Herz gewachsen ist.

Michael Winteroll / Quelle: "TU intern", 5/2008

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.