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TU Berlin

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Buchtipp

Montag, 14. April 2008

Deutsche Romantik

Buchcover Safranski
Lupe

Selten wurde so kenntnisreich, amüsant und im besten Sinne populär über die Romantik geschrieben wie in Safranskis neuem Meisterwerk. Mit den Monografien über E. T. A. Hoffmann und Arthur Schopenhauer bewies Safranski bereits, dass er in jener Umbruchperiode um 1800 zu Hause ist. Obwohl bei den Romantikern viel von Liebe die Rede ist, ging es ihnen allerdings stets um mehr als  um "eine Affäre", wie der Untertitel leider angibt. Liebe wurde sinnlich erlebt, intellektuell reflektiert und ironisiert. Darin war Heine ihr gelehrigster Schüler. Die Leistung der Romantiker bestand darin, starre Denkformeln und -polaritäten aufzulösen und neue, gewagte und bedenkenswerte Synthesen zwischen bisher festgestellten Gegensätzen wie Glaube und Vernunft, Poesie und Wissenschaft, Rationalität und Irrationalität zu erzeugen. Im ersten Teil dieses Buches wird der grandiose Geistesfrühling der Frühromantik beschrieben, der sich im intellektuellen Kreis um die Zeitschrift "Athenäum" in Berlin entfaltete. Hier zerbrach man das erstarrte Denken, reflektierte die Welt  freier, generöser und vorurteilsloser. Parallel dazu entstand eine moderne Kommunikationsform - der Dialog. Aus diesem Geist der romantischen Berliner Salons wurden die Universitätsideen von Humboldt und Schleiermacher geboren.

Im zweiten Teil befasst sich der Autor mit dem "Romantischen", mit den vielen Metamorphosen der Romantik nach ihrem historischen Ende. Er macht uns mit der vielfältigen ideologischen Indienstnahme derselben bekannt. Wieder beeindruckt die Detailfülle - von Nietzsche bis zur Studentenrevolte 1968. Doch bei allen Details geht schließlich der Blick für die Grenzen des Romantikbegriffs verloren. Alles wandelt sich irgendwie dem "Romantischen" an. Namen, die für die Berliner Romantik bedeutsam sind, tauchen nur marginal auf. War der Architekt Friedrich Gilly, der Freund Wackenroders, Tiecks und Schinkels, kein Romantiker? Jener geniale Künstler, der die Gotik in Gestalt der Kreuzgewölbe der Marienburg wiederentdeckte und mit dort gefertigten Skizzen in Berlin eine Begeisterung für Spitzbögen und Backsteinbauten auslöste. Trat Gilly, der Bauakademiedozent und Bauzeitschriftenautor, nicht auch - wie Novalis und die Schlegels - auf seinem Gebiet für Verwissenschaftlichung und Poetisierung der Baukunst ein? Allein, dieses Defizit trübt nur wenig die Freude an diesem bemerkenswerten Buch.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 4/2008
Rüdiger Safranski. Romantik. Eine deutsche Affäre, München, Hanser, 2007 ISBN 978-3446209442

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