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Montag, 13. Oktober 2008

Orte der Erinnerung: Ludwig Hoffmann baute Gebäude für Menschen

Ludwig Hoffmans Grab auf dem Alten Friedhof in Darmstadt
Ludwig Hoffmans Grab auf dem Alten Friedhof in Darmstadt
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Ludwig Hoffmann prägt bis heute das Berliner Stadtbild. Vor 1914 galt er als Stararchitekt der Hauptstadt. 1932 schrieb die "Weltbühne", er habe "mehr in dieser Stadt gebaut … als alle Schlüter, Eosander, Knobelsdorff, Gontard, Langhans und Schinkel zusammen". Dennoch verblasste sein Ruhm ungewöhnlich schnell.

Die Avantgarde des "Neuen Bauens", deren Wegbereiter Hoffmann war, stellte ihn in den Schatten. Erst der Architekturhistoriker Julius Posener begann vor dreißig Jahren, ein gerechtes Urteil über ihn zu formulieren. Endlich, 2004, würdigte Dörte Döhl in einem umfangreichen Buch kritisch das Lebenswerk des Berliner Stadtbaurates. Hoffmann, am 30. Juli 1852 in Darmstadt geboren, begann die ersten Schritte auf dem Weg zum Architekten in seiner hessischen Heimat. Zusammen mit Alfred Messel, dem lebenslangen guten Freund (TU intern 7-9/08), ging er 1874 an die Berliner Bauakademie. Dort gehörten sowohl der Schinkelianer Johann Heinrich Strack als auch die Exponenten der Neorenaissance Richard Lucae und Julius Raschdorff zu seinen Lehrern. Herrschender Baustil war damals ein prunksuchender Historismus. Nach bestandener Erster Staatsprüfung - trotz anfänglicher Probleme in Mathematik - betätigte er sich seit 1879 als Bauführer in Berlin. 1882 gewann er den Schinkel-Preis für einen Entwurf zur Gestaltung der Museumsinsel. Mit dem Preisgeld finanzierte er sich eine Studienreise durch Frankreich, Italien, England und weitere Länder, die er nach erfolgreicher Zweiter Staatsprüfung 1884 antrat und die 1886 endete. Gemeinsam mit Peter Dybwad gewann er 1885 den Wettbewerb zum Bau des Leipziger Reichsgerichts. Die praktische Arbeit an diesem Großprojekt dauerte fast zehn Jahre. Sie war - nach Hoffmanns eigenen Worten - seine „wirkliche Lebensschule und Studienzeit“.

Nach Vollendung des Projekts gehörte er zur deutschen Architektenelite. Er heiratete 1895 die Berliner Bankierstochter Marie Weisbach, aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. 1896 wurde Hoffmann mit 104 von 108 Stimmen zum Stadtbaurat gewählt. Bis 1914 realisierte er 111 Bauprojekte mit über 300 Einzelbauten. Viele prägen noch heute das Stadtbild: das Märkische Museum, das Berliner Stadthaus, das Virchow-Krankenhaus, der Märchenbrunnen im Friedrichshain, viele Schulgebäude, Feuerwachen, Badeanstalten sowie die Kranken-, Pflege- und Seniorenheime in Berlin-Buch. Hoffmann baute die Infrastruktur des sozialen Berlins. Und er dachte dabei mit Liebe und Umsicht an diejenigen, die später dort wohnen und arbeiten sollten. Auch sein Stil wandelte sich zu Funktionalität und Einfachheit. "Das Künstlerische sei die Form des Praktischen mit einem Plus von Schönheit", war sein Credo. 1924 schied er als Ehrenbürger aus dem Amt. Aber er blieb als Bürgerdeputierter in Bausachen aktiv. Verehrt und viel geehrt starb Ludwig Hoffmann am 11. 11. 1932 in Berlin. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Alten Friedhof in Darmstadt, das seinen Sohn im gleichen Jahr zum Ehrenbürger gemacht hatte.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 10/2008

Die Artikelserie "Orte der Erinnerung" im Internet:

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