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Vermischtes

Goethes Filius – Goethes Botschafter

Montag, 19. November 2007

Die Berliner Reisetagebücher August von Goethes können noch heute als Reiseführer zu wichtigen Wissenschafts- und Kulturstätten dienen

August von Goethe, Bleistiftzeichnung von Julie von Egloffstein, 1817
August von Goethe, Bleistiftzeichnung von Julie von Egloffstein, 1817
Lupe

"Goethe und Berlin" ist ein noch unerforschtes, aber kulturgeschichtlich interessantes Thema. Diese Schlussfolgerung legt die Lektüre einer Neuerscheinung des Aufbau-Verlages nahe: die Reisetagebücher von August von Goethe.

Goethe-Kenner wissen, der Olympier war nur einmal, 1778 – in Begleitung des Weimarer Herzogs –, in der Spreemetropole. Dennoch ist vom Dichter überliefert, dass er die Berliner für einen "verwegenen Menschenschlag" hielt. Aber Goethe wusste genau, besonders die Berlinerinnen waren seine besten Leserinnen und Propagandistinnen. Außerdem war Berlin für ihn ein wichtiges europäisches Kommunikationszentrum, zu dem er jahrzehntelang persönliche Kontakte pflegte. So war die Fahrt des "Goethe Filius", wie Sohn August auf seinem römischen Grabstein genannt wurde, Dienst- und Urlaubsreise in einem.

Von ihm ist wenig bekannt. Er habe dem Alkohol zugeneigt, eine unglückliche Ehe geführt und sei der Gunst und Despotie des Vaters lebenslang ausgeliefert gewesen. Gabriele Radecke, die umsichtig und kenntnisreich kommentierende Herausgeberin des Reisebuches, hat zu seiner Person bereits zwei Editionen vorgelegt. Die drei Bücher tragen dazu bei, dass Goethes Sohn seine Individualität und Unverwechselbarkeit zurückbekommt, manches überlieferte Vorurteil aufgelöst wird.

August war quasi als Botschafter des Vaters unterwegs. Er suchte die bekanntesten Berliner Künstler wie Zelter, Schadow, Rauch, Schinkel oder die Brüder Tieck auf, besuchte Opern- und Theatervorstellungen und lieferte kleine Kritiken über Inszenierungen und Schauspielerleistungen nach Weimar. Aber auch Orte und Instanzen der Wissenschaft wie die Akademie und die Universität mit ihren Sammlungen fehlten in Augusts Aufzeichnungen nicht. Goethe jun. traf sich zum Gespräch mit Prominenten in der berühmten Weinstube Lutter & Wegner und in den zahlreichen Cafés der Stadt. Auch technisch-wirtschaftliche Sehenswürdigkeiten wie die Freund’sche Dampfmaschinenfabrik oder die Eisengießerei entgingen nicht der Aufmerksamkeit des Berichterstatters. Höhepunkt des Berlin-Aufenthaltes waren der Empfang bei der königlichen Familie und eine musikalisch untermalte Aufführung von Szenen aus Goethes Faust im Schloss Monbijou. Natürlich merkt man den Berichten an, dass August kein "Homme de lettre", sondern Kameralist und Praktiker war. Er schreibt ungelenkt und spröde, auch wenn er zuweilen witzige Formulierungen findet. Dank des umfangreichen Anhangs kann das schöne Buch auch heute noch als Berlin-"Reiseführer" auf seinen Spuren dienen.

August von Goethe: "Wir waren sehr heiter". Reisetagebuch 1819. Hrsg. von Gabriele Radecke. Aufbau-Verlag Berlin 2007
Christian Förster / Quelle: "TU intern", 11/2007

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