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TU Berlin

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Vermischtes

Gelassen formulierter Vernichtungskampf

Montag, 18. Juni 2007

Neuer Blick auf die Auslandszeitschrift "Signal" im Dritten Reich

Klartext-Verlag
Lupe

Es ist ein aufklärendes Buch über die Macht der Medien und über das Kalkül, wie viel Gewalt man über Menschenhirne zu erlangen glaubt. Es ist ein spannendes Buch, weil es von einer relativ unbekannten, sehr raffinierten PR-Aktion des Dritten Reichs berichtet. In seinem Buch "Signal - Eine deutsche Auslandsillustrierte als Propagandainstrument im Zweiten Weltkrieg" analysiert Rainer Rutz die Ziele, Macher, Themen und Wirkung der Auslandszeitschrift "Signal". Sie war von April 1940 bis März 1945 in den Staaten, die von der Wehrmacht besetzt oder die mit dem Reich verbündet waren, für die dortige Zivilbevölkerung erschienen, und auch in den neutralen Staaten.

1942/43 erreichte "Signal" die Höchstauflage von 2,4 Millionen Exemplaren in 20 verschiedensprachigen Ausgaben. Diese Bilderzeitschrift, die mit modernsten werbetechnischen, psychologischen, foto- und drucktechnischen Mitteln erzeugt wurde, sollte mit politikferner Unterhaltung und mit handfester Naziideologie die Europäer zur Unterstützung der deutschen Hegemonie in Europa verführen.

Das wichtigste Novum der Analyse von Rainer Rutz liegt darin, dass die "Signal" als Produkt einer Wehrmachtspropaganda-Abteilung beim Oberkommando der Wehrmacht entstand, in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt, und zunächst keine Unterstützung durch das Goebbels-Ministerium erfuhr. Später gab es eine permanente Kompetenzrivalität. Zugleich hatte "Signal" einen hohen strategischen Wert, denn alle journalistischen Mitarbeiter in Text und Bild waren vom Fronteinsatz freigestellt. Es mutet heute paradox an, dass - freiwillig oder unfreiwillig - sowohl Nazigegner, -skeptiker als auch -fanatiker für "Signal" schrieben. Es ist eine Tatsache, dass die deutsche Journalistenelite zu Mitautoren dieser Zeitschrift gehörte. Und entgegen diversen Nachkriegslegenden, "Signal" sei nur ein Unterhaltungsblatt gewesen, wurde darin der Vernichtungskampf gegen Juden und Bolschewiken gerechtfertigt, rassistische und inhumane Vorurteile gelassen formuliert und die großdeutsche Vorherrschaft als Realisierung der alten Europa- und Freiheitsidee umgedeutet. Die Wehrmacht erschien als Helfer und Beschützer der europäischen Völkerfamilie.

Interessant sind die Hinweise auf die Nachkriegskarrieren der Macher von "Signal". Viele wurden "Pioniere" der westdeutschen Zeitungs- und Zeitschriftenlandschaft von "HÖRZU" über "Quick" bis "Christ und Welt". Diesem materialreichen, flüssig geschriebenen, kenntnisreichen und aufklärenden Buch ist eine große Leserschaft zu wünschen.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 6/2007
Rainer Rutz: Signal - Eine deutsche Auslandsillustrierte als Propagandainstrument im Zweiten Weltkrieg.
Essen: Klartext-Verlag 2007

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