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TUB-newsportalDas Allerletzte 7/2007

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Das Allerletzte

Montag, 16. Juli 2007

Rucke-di-guh

"Da! Nimm das Messer und hau die Zehe ab! Wenn du Königin bist, brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen", rät die überehrgeizige Mutter ihren Töchtern, als deren Füße nicht in den grazilen Schuh passen, den Aschenputtel auf der Schlosstreppe verloren hat und dessen Besitzerin nun vom Königssohn als Braut gesucht wird. Aschenputtels böse Stiefschwestern hatten noch ein wirtschaftliches Motiv für die Fußverstümmelung: Sie wollten eine außerordentlich gute Partie machen. Dumm nur, dass die Tauben - "rucke-di-guh, Blut ist im Schuh" - den Schwindel auffliegen ließen. Die jahrhundertealte Cinderella-Story bekommt, man glaubt es kaum, zumindest in den USA neue Aktualität.

Anders als im Märchen machen heute allerdings nicht die Verstümmelungswilligen die gute Partie. Abzocken tun vielmehr hoch angesehene Designer, die Schuhwerk fabrizieren, das für den menschlichen Fuß ungeeignet ist. Sie arbeiten skrupellosen Chirurgen in die Hände und in die Taschen, die ohne medizinische Notwendigkeit Zehen entfernen, Knochen abhobeln und Gliedmaßen verkürzen, bis sie in den Designerschuh passen. Das bringt dann auch wieder etwas Farbe in den öden chirurgischen Alltag, der mit dem Zurichten von Nasen, dem Ausstopfen von Kunstbusen, dem Entfernen von Rippen für eine schlanke Taille und dem Intimlifting langweilt.

In Deutschland haben wir ja zum Glück die starke Solidargemeinschaft der Krankenkassen. Nur für den Fall, dass die Damen mit ihren teuren Designerschlappen am verunstalteten Fuß doch nicht in der Königskutsche sitzen, sondern im Rollstuhl.

Rucke-di-guh!

pp / Quelle: "TU intern", 7/2007

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