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Blick auf die Welt durch die physikalische Brille

Montag, 15. Oktober 2007

Orte der Erinnerung: Ferdinand Kurlbaum schuf Grundlagen für die Quantentheorie

Die Familiengruft der Familie Siemens im Park des Schlosses Ahlsdorf
Die Familiengruft der Familie Siemens im Park des Schlosses Ahlsdorf
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Vor 150 Jahren, am 4. Oktober 1857, wurde in Burg bei Magdeburg der Physiker Ferdinand Kurlbaum geboren. 1904 wurde er an die TH Berlin berufen und leitete -zunächst mit Heinrich Rubens und seit 1908 allein - bis 1925 das Physikalische Institut. Bereits davor hatte er gemeinsam mit Otto Lummer, Ernst Pringsheim und Heinrich Rubens die experimentellen Grundlagen für Plancks Quantentheorie erarbeitet. Dennoch scheinen sein Name und Werk weitgehend vergessen.

Seine Zeitgenossen schätzten seine Offenheit, Ruhe und sein unvergleichliches Erzähltalent. Da sein Vater, ein Justizbeamter, häufig versetzt wurde, musste Kurlbaum mehrmals das Gymnasium wechseln und erwarb - als schlechter Schüler geltend - erst mit 23 Jahren das Abitur. Aber dann ging es rasch vorwärts. Er studierte von 1880 bis 1886 Mathematik und Physik in Heidelberg und Berlin und vollendete bereits 1887 seine Dissertation über die Bestimmung der Wellenlänge von fraunhoferschen Linien. Sein Doktorvater Hermann Helmholtz, der Patriarch der Berliner Physik, rühmte, sie zeuge von der Schärfe des mathematischen Gedankens und vom experimentellen Geschick ihres Autors. Nach einer kurzen Assistenzzeit in Hannover erwarteten ihn 1891 im Optischen Laboratorium der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) Berlin ein wissenschaftlich vielseitig interessierter Kreis von Kollegen und eine Fülle ungelöster Probleme. Hier formte sich sein späteres Hauptarbeitsgebiet, die Physik der Licht- und Wärmestrahlung. Er entwickelte experimentell zahlreiche Strahlungsmessmethoden. Seine mit Rubens durchgeführten Messreihen über die Strahlungsintensität des schwarzen Körpers gaben den letzten Anstoß zur Formulierung der planckschen Strahlungsgleichung und damit zur Entstehung der Quantentheorie.

Aber Kurlbaum beschäftigte sich auch mit der Verwendung von Röntgenstrahlung zu medizinisch-chirurgischen Zwecken. 1895 heiratete er Elisabeth von Siemens, eine Tochter des Georg von Siemens, Direktor bei der Deutschen Bank und Cousin des großen Elektrotechnikers. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor, Georg, nach dem der "Georg-Kurlbaum-Preis" der SPD für innovative wirtschaftliche Leistungen benannt wurde. Als Hochschullehrer widmete sich Ferdinand Kurlbaum schließlich besonders der Lehre. Aber sein Wissen als experimenteller Physiker war weiterhin gefragt. So begleitete er seinen TH-Kollegen Professor Adolf Miethe im Jahre 1908 zu einer Expedition nach Oberägypten. In einem ausführlichen Bericht von 1911 beschrieb Kurlbaum den Verlauf der Forschungsreise und seine Messungen der Sonnentemperatur.

Als passionierter Jäger hatte er aber auch eine gewisse Vorliebe fürs Militärische. Er erteilte Physikunterricht an der Kriegsakademie, und als der 1. Weltkrieg begann, glaubte sich der 57-jährige Reserveoffizier dem Heer zur Verfügung stellen zu müssen. Er wurde Referent in der Artillerie-Prüfungskommission und machte unter anderem in den Dünen von Ostende fotogrammetrische Aufnahmen von Geschossbahnen diverser Geschütze.

Am 29. Juli 1927 vollendete sich Kurlbaums arbeitsreiches Leben. Seine letzte Ruhe fand er in der siemensschen Familiengruft im Park des Schlosses Ahlsdorf, Kreis Herzberg.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 10/2007

Die Serie "Orte der Erinnerung" finden Sie im Internet unter:

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