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TU Berlin

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Vermischtes

Berliner, Architekt und Mediengenie

Montag, 19. November 2007

Orte der Erinnerung: Richard Lucae, der erste Architekt des TU-Hauptgebäudes

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Lucae vom Schöneberger Matthäus-Friedhof in ein Sammelgrab umgebettet
Während des Zweiten Weltkrieges wurde Lucae vom Schöneberger Matthäus-Friedhof in ein Sammelgrab auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf umgebette, im Bild die Friedhofskapelle
Lupe

Richard Lucae war Berliner und als solcher ein Original. Nicht nur seine architektonischen Pläne und Werke gaben Anlass für das Hauptstadtgespräch, sondern auch er selbst. Er war – modern gesprochen – ein Medientalent – witzig und geistreich plaudernd und das Gesagte mimisch und gestisch bekräftigend.

Doch Lucae war kein Sprücheklopfer, sondern ein Mann der Tat, ein Architekt der über 20 Jahre Berliner Baugeschichte mitbestimmte. Außerdem ging er – seit 1859 – einer lebenslangen Lehrtätigkeit an der Bauakademie nach, einer der Vorgängereinrichtungen der heutigen TU Berlin, und wurde 1873 ihr Direktor. Damit gehört er in die Tradition der TU Berlin. Nach seinen Plänen wurde ihr Hauptgebäude gestaltet, ein Renaissancekoloss, der symbolisch verkündete, dass den Natur- und Technikwissenschaften die Zukunft gehöre – quasi ein Gleichstellungsantrag in Stein. Die Fertigstellung hat Lucae nicht erlebt. Am 26. November vor 130 Jahren starb er.

Mit fünfzehn taucht der kecke Berliner Bursche ohne Zeugnisse und Papiere bei einer Aufnahmeprüfung für die Akademie der Künste auf. Bemühungen, ihn zu entfernen, enden in lautem Eklat. Der alte Schadow, Akademiedirektor und Patriarch, wird aufmerksam und befiehlt – im schönsten Berlinerisch – dem Jungen, ein Ohr "aus’m Kopp" zu zeichnen. Der Knabe spurt, Schadow ist zufrieden und die Gipsklasse hat einen Eleven mehr.

Ab 1847 absolviert Lucae eine Feldmesserlehre und beginnt 1850 seine Ausbildung an der Bauakademie. Er wird Bauführer bei den Kölner Dombauarbeiten und beendet das Studium 1859. Seine Lehrer erziehen ihn in der klassizistischen Bautradition Schinrarischen Vereins "Tunnel über der Spree". Fontane notiert mit Humor über Lucae: "Er war der artigste Mensch von der Welt und verfiel trotzdem, ganz ohne Wissen und Schuld, beständig in Taktlosigkeiten; er war der friedliebendste Mensch und hatte jeden Tag kleine und mitunter auch große Streitigkeiten; er war der politisch vorsichtigste Mensch und stieß politisch immer an. Wohlerzogenheit, natürliche Klugheit, gute Sitte – nichts half." Eben ein Mediengenie – immer im Gespräch! Als Richard Lucae 1877 stirbt, ist er erst 47 Jahre alt. Im selben Jahr war er Mitglied der Berliner Akademie geworden. Heute befindet sich sein Grab – einst in Schöneberg – auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 11/2007

Übrigens: In zwei Jahren, am 7. November 2009, begeht die TU Berlin feierlich das 125-jährige Bestehen des TU Hauptgebäudes.

Die Serie "Orte der Erinnerung" finden Sie im Internet unter:
http://www.tu-berlin.de/?id=1577

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