direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

Tipps & Termine

Gibt es den freien Willen?

Donnerstag, 14. Juli 2011

Höllerer-Vorlesung 2011
Lupe

Als Neurophysiologe zweifelt der Direktor am Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung Wolf Singer (l.) den freien Willen des Menschen an. Diese brisante These zog zur Höllerer-Vorlesung, zu der der TU-Präsident und die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e. V. Mitte Juni geladen hatten, ein sehr großes und gespanntes Publikum an. 1400 Gäste waren gekommen. Eine Einführung ins Thema gab Prof. Dr. Günter Abel, Leiter des Innovationszentrums Wissensforschung der TU Berlin (Foto o. r.). Wolf Singers Thema stellte die Brücke dar, die schon der Namensgeber der Veranstaltung, der verstorbene Germanist Walter Höllerer, zwischen Technik und Geisteswissenschaft bauen wollte. Singer erklärte zunächst Wahrnehmung nüchtern als aktiven konstruktiven Prozess des Gehirns, als Interpretation von Sinnessignalen, geprägt von Erwartungen, die aus Gelerntem resultieren. Dies erkenne man auch daran, dass Erfahrungswissen kulturspezifisch sei, soziale Realitäten unterschiedlich wahrgenommen würden. Die Neurowissenschaft hat festgestellt, dass Signale unterschiedliche Areale im Gehirn erregen, die sich durch Erregungswellen untereinander verbinden und beeinflussen. Diese Verbindungsarchitekturen ähneln sozialen Netzstrukturen wie dem Internet, sozialen Systemen oder Flugroutennetzen. Selbst weit verteilte Neuronen können auf diese Weise synchron reagieren. Im kranken Gehirn seien die Erregungsmuster gestört, was Wissenschaftlern bei der Ursachenforschung helfen könne, beispielsweise bei Alzheimer, Schizophrenie oder Autismus. Eine zentrale Steuerungsinstanz sei für ein so komplexes nichtlineares System wie das Gehirn nicht notwendig, so Singer. Der freie Wille sei also eingeschränkt, weil ein Zustand des Gehirns als nichtlineares dynamisches System vom vorausgegangenen Zustand bestimmt werde. Die Dynamik allerdings bedinge nicht, dass die zukünftige Entwicklung etwa festgelegt sei. Wenn aber Prozesse, die als freie Entscheidungen, Argumente oder moralische Bedenken empfunden werden, auf vorhergehenden neuronalen Erregungsmustern beziehungsweise Erfahrungen beruhen, so folgert Singer, können wir nicht die absolute Entscheidungsfreiheit besitzen. Auch bewusste Entscheidungen seien also durch Evolution, Prägung und Lernen, durch unbewusste Motive bestimmt. So sei zum Beispiel die subjektive Schuld eines Täters und damit das Strafmaß fragwürdig, auch wenn die Praxis von der Verantwortlichkeit der Person ausgehe und sanktioniere. Damit kam Singer schließlich zu den Fragen: Lassen sich solche Systeme durch gezielte Eingriffe steuern und was können wir für unsere sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systeme daraus lernen? Seine Antwort, mit der er das Publikum entließ: Wir sollten aus verteilter Klugheit lernen, Systemzustände häufig evaluieren und bewährte Architekturen stabilisieren. Die Fotogalerie sowie ein Audiomitschnitt der Veranstaltung sind im Internet zu finden: www.tu-berlin.de/?id=103468

pp / Quelle: "TU intern", 7/2011

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Auxiliary Functions

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.