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TU Berlin

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Weihe unterm Hakenkreuz

Montag, 14. Dezember 2009

Lupe

Weihe unterm Hakenkreuz: die absonderliche Geschichte der Gustav-Adolf-Kirche. Die Weihnachtszeit lädt zur Besinnung ein. Was kann dafür geeigneter sein als eine Kirche – vielleicht die Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg. Sie beging 2009 den 75. Jahrestag ihrer Einweihung. Diese Festschrift thematisiert das Jubiläum und stellt uns ein sakrales Gebäude vor, das in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist. Zunächst ist die Gustav-Adolf-Kirche ein Werk des Architekten Otto Bartning, eines Vertreters des "Neuen Bauens" auf dem Gebiet des Kirchenbaus. Ungewöhnlich ist auch ihre Baugeschichte: 1929 erhielt der Architekt den Auftrag, 1932 fand die Grundsteinlegung statt, und als sie 1934 geweiht wurde, hielt Reichsbischof Müller unter Hakenkreuzfahnen die Festpredigt. Was für ein Paradoxon! Ein Kirchenbau der architektonischen Moderne, "entartete Kunst" im Verständnis der Nazis, eingeweiht vom Chefwürdenträger der hitlertreuen "Deutschen Christen". Damit noch nicht genug: Zwei Mitarbeiter Otto Bartnings, der ungarische Architekt Pali Meller und der Statiker J. Haber-Schaim, waren jüdischer Herkunft. Meller, der für die innenarchitektonische Farbgebung verantwortlich zeichnete, wurde 1943 ermordet, Haber-Schaim überlebte durch Flucht in Tel Aviv. Eine weitere Besonderheit dieser Kirche war die ausgezeichnete Akustik. So wurde sie in den 1930er-Jahren ein bedeutender Ort der Kirchenmusik. Das Gotteshaus wurde im Krieg zerstört und nach 1945 erst provisorisch, später unter Mitwirkung von Otto Bartning denkmalgerecht wiederaufgebaut. Die Gustav-Adolf-Kirche gilt heute als Meisterwerk des "Neuen Bauens" und als bedeutendster Berliner Kirchenbau der Weimarer Republik. Ihre ungewöhnliche Form, ihre hohen bunten, schmalen Glasfenster machen sie unverwechselbar. Die Festschrift gibt durch viele Textbeiträge und eine Fülle an Fotos und Zeichnungen Auskunft über dieses Kleinod.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 12/2009

Die Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg und ihr Architekt Otto Bartning. Festschrift zum 75. Jahrestag der Einweihung. Herausgegeben von der Ev. Gustav-Adolf-Kirchengemeinde mit der Ott Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau (OBAK). Erschienen im balthasar-verlag

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