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TU Berlin

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Forschung

Geschützter Platz zum Spielen – die Zeit ist reif

Freitag, 22. Januar 2016

Durch eine Klimahülle mit ausgeklügeltem Lärmschutz- und Energiekonzept wollen TU-Bauingenieure eine Kita vor schädigenden Umwelteinflüssen schützen

Dirk Peissl und Mike Schlaich (r.) präsentieren das Modell der Klimahülle mit dem Dach aus verstellbaren segelähnlichen Elementen. Die Erzieherinnen und Erzieher sind begeistert, eine Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie die Gemeinde Mahlow ist beantragt.
Lupe
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Eine ganze Kita unter einer Klimahülle, geschützt vor Lärm, frei von Schadstoffen, gut temperiert – und dennoch mit Blickkontakt und direkter Verbindung zu Umwelt und Natur: Das war die Vision der Bauingenieure um Prof. Dr. Mike Schlaich, der das Fachgebiet Entwerfen und Konstruieren – Massivbau an der TU Berlin leitet. Es gab dafür viel Forschungsbedarf, Vorstudien eruierten die Machbarkeit. Nun wird das Projekt mit einer 750 000-Euro-Forschungsförderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie einem Zuschuss der Gemeinde Mahlow beantragt, um das Projekt am Rande Berlins auf dem Gelände der Kita „Tabaluga“ möglichst in den kommenden drei Jahren realisieren zu können.

„Die Ausführung einer solchen wandelbaren und energie- und lärmschutztechnischen Klimahülle ist bisher einmalig“, erklärt Mike Schlaich. „Der Bau dieses Prototyps wäre nicht nur für uns ein großer Forschungserfolg. Es ist auch für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ein Leuchtturmprojekt, das sie mit großer Intensität fördert. Darauf sind wir sehr stolz, denn wir schaffen damit etwas vollkommen Neuartiges, das auch noch Kindern zugutekommt, indem es sie vor schädigenden Einflüssen der Umwelt schützt.“

Vor allem der Schutz vor Lärm war das überzeugende Argument, mit dem sich der Gemeinderat und auch die Vertreter der DBU sofort anfreunden konnten. „Die Kita wird durch den Flughafen BER künftig hoch belastet sein“, erläutert Dipl.-Ing. Dirk Peissl, der das Projekt leitet. „Künftig könnten Flugzeuge im 30-Sekunden-Takt über die Kita donnern, und zwar mit einem Schall, der, wie Schallmessungen ergeben haben, 21 Dezibel über dem zulässigen Innenraumpegel liegt.“

Doch die Klimahülle der TU-Ingenieure, die etwa 12 000 Kubikmeter Raum umschließt, hat noch weit mehr zu bieten. Zunächst würde das vorhandene Satteldach durch einen begrünbaren Dachgarten ersetzt. Das verdoppelt die bespielbare Fläche der Kita auf einen Schlag. Vor allem aber soll sie neben dem Schallschutz ein angenehmes Klima auch im Außenraum schaffen, dessen Temperaturen niemals unter 0° Celsius fallen. Die Hülle soll „wandelbar“ sein, sich also den klimatischen Bedingungen und der Intensität der Sonneneinstrahlung anpassen können, zu öffnen und sehr gut zu belüften sein. Und sie folgt einem ausgeklügelten Energiekonzept, das energetisch sinnvoll die jahreszeitlichen Bedingungen nutzt.

„Die ersten Ideen zu einer solchen Klimahülle stammen schon aus den 60er-Jahren, als der Architekt Buckminster Fuller eine Klimahülle über Manhattan erfand, die ,Bubble Montage‘“, erzählt Dirk Peissl. „Doch damals war man von einer realistischen Umsetzungsmöglichkeit weit entfernt. Heute ist die Zeit reif. Die technologischen Voraussetzungen sind da.“

Das Energiekonzept fußt auf drei Säulen. Bewegliche Segelelemente befinden sich an den Fassaden und überdachen das Gebäude sowie den „Klimagarten“. Sie können Form und Stellung ändern, sodass jeweils ein optimaler Sonnenwinkel erreicht wird. Ein Solekreislauf, ein im Boden befindlicher Eisspeicher und ein Wärmetauscher, die jeweils eine Verbindung zum Betonkern der Wände sowie untereinander haben, sorgen für optimale Temperaturen und verhindern so zum Beispiel Wärmestaus. Auf dem Dach ist Fotovoltaik installiert, die so ausgelegt ist, dass die Kita ihren gesamten Energiebedarf daraus decken kann. „Nach Bewilligung des Antrages werden wir dann die Entwurfs- und Ausführungsplanung mit unserer Forschung begleiten, denn wir wollen ein sensibles Zusammenspiel aller Elemente erreichen. Das ist ein Forschungsanspruch mit Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Mike Schlaich.

Patricia Pätzold "TU intern" Januar 2016

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