TU Berlin

TUB-newsportalNews Detail

Page Content

to Navigation

There is no English translation for this web page.

Inhalt des Dokuments

Forschung

Kurze Lust, längerer Frust

Friday, 25. July 2014

Wie sich Emotionen in der Mensch-Technik-Interaktion verändern

Selbstversuch mit Konsole: Die Wissenschaftler Stefan Brandenburg und Nils Backhaus demonstrieren Glück und Unglück auf der virtuellen Kartbahn
Lupe

Es macht Spaß, ein technisches Gerät einfach und intuitiv zu bedienen. Nun aber fanden Wissenschaftler der TU Berlin heraus: Die gute Laune ist nur von kurzer Dauer. Im Gegensatz dazu erweisen sich negative Emotionen, die bei der Mensch-Technik-Interaktion hervorgerufen werden, als stabiler. Zu diesen Ergebnissen kamen die Psychologen Nils Backhaus und Stefan Brandenburg vom TU-Fachgebiet Kognitionspsychologie und Kognitive Ergonomie. Bei ihren Experimenten untersuchten sie Emotionen und ihre Dynamik in der Mensch-Technik-Interaktion.

Der Zusammenhang von Emotionen und der Bedienbarkeit eines technischen Gerätes ist gut erforscht. Kaum berücksichtigt wurde bislang, dass der Mensch in die Interaktion mit einem technischen Artefakt nicht stimmungsneutral hineingeht, sondern sich bereits in einer irgendwie gearteten Gefühlslage befindet. „Uns interessierte, wie sich diese Emotionen im Verlauf einer weiteren Interaktion verändern“, erklärt Stefan Brandenburg.

Für ihre Versuche mussten die Wissenschaftler erst einmal eine Stimmungslage künstlich erzeugen, und zwar mit unterschiedlichen Wertigkeiten (Valenz): einer positiven und einer negativen. Hierbei beschritten Nils Backhaus und Stefan Brandenburg einen neuen Weg. Sie verwendeten eine Spielekonsole zur gezielten Erzeugung von Emotionen. Die Aufgabe für die Probanden bestand darin, einen Avatar in einem Kart über einen Parcours mit Hindernissen zu steuern. Für die eine Gruppe wurde die Spielekonsole so präpariert, dass sie einfach zu bedienen war, sodass sich die Rennstrecke leicht bewältigen ließ. Bei der anderen Gruppe hatten die Psychologen die Bedienbarkeit der Spielekonsole viel komplexer gestaltet. Dadurch wurde es weitaus schwieriger, die Rennstrecke zu absolvieren, und ein Fahrfehler wurde sofort mit der Kollision mit einer Wand bestraft. Dementsprechend frustriert waren die Probanden der zweiten Gruppe nach der zehnminütigen Fahrt. Die erste Gruppe hingegen war freudig gestimmt.

Diese unterschiedlichen Gefühlslagen der beiden Gruppen erfassten die Wissenschaftler nach dem Spiel anhand von Fragebögen und wiesen so experimentell nach, dass es möglich ist, mit einer interaktiven, bewegungsgesteuerten Spielekonsole gezielt positive und negative Gefühle hervorzurufen. „Das ist bislang noch nicht ausprobiert worden“, sagt Stefan Brandenburg. Bisher seien Fotos, Musik und Videos eingesetzt worden, um Emotionen künstlich zu induzieren.

In diesen Stimmungen, die einen freudig, die anderen frustriert, begaben sich die Probanden in den zweiten Teil des Experiments – die Bedienung eines Tablets. Alle hatten die gleichen Aufgaben zu lösen: Es musste ein Kontakt in ein Adressbuch und ein Termin in den Kalender eingetragen und die Helligkeit eingestellt werden. Ergebnis: Die gute Laune bei den positiv gestimmten Probanden sackte signifikant ab. Die bereits Frustrierten verharrten in ihrer negativen Stimmung.

Eine Erklärung für den Befund ist nach Ansicht der Wissenschaftler der Wechsel zu einer anderen Art von Herausforderung. „War die erste Mensch-Technik-Interaktion ein freies Spiel mit der Spielekonsole, musste im zweiten Teil des Versuchs eine offenbar wenig anregende Alltagsaufgabe gelöst werden. Diese an einen Arbeitskontext erinnernde Pflicht könnte die positive Stimmung der ersten Gruppe neutralisiert haben“, erläutert Backhaus.

Der Nutzer würdigt nicht, dass Technik funktioniert. Das setzt er voraus. Entscheidend sei, so Stefan Brandenburg, dass die Benutzung eines technischen Gerätes positiv erlebt werde. „Und ist der Mensch positiv gestimmt, ist er kreativer.“

By: Sybille Nitsche "TU intern" Juli 2014

Navigation

Quick Access

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe