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TU Berlin

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Alumni

Wiederbelebte Debattenkultur

Thursday, 16. April 2015

Die Sozialwissenschaftlerin und emeritierte TU-Professorin Christina Thürmer-Rohr zur aktuellen Diskussion um „Diversity“

Christina Thürmer-Rohr gehört zu den Gründerinnen der Frauenforschung an der TU Berlin
Lupe

Sicher geglaubte Antworten zu hinterfragen und fertige Positionen aus anderer Perspektive völlig neu zu denken ist ein fundamentaler Bestandteil des Denkens und Handelns von Christina Thürmer-Rohr. Die ehemalige TU-Professorin ist zweifellos seit Jahrzehnten eine der einflussreichsten Theoretikerinnen im Diskurs feministischer Herrschaftskritik.

Sie hatten von 1972 bis 2005 den Lehrstuhl Feministische Forschung/Menschenrechte an der TU Berlin inne. Gab es denn in den 70er- und 80er-Jahren einen feministischen Diskurs an der Universität?

Ab 1980 war der Anteil feministisch interessierter Studentinnen im Studiengang „Erziehungswissenschaften“ der TU Berlin explosionsartig angewachsen. Der dort angesiedelte Studienschwerpunkt „Frauenforschung“ wurde zu einem Sammelpunkt neuer gesellschaftskritischer Fragen und sozialer Proteste. In dieser Gründungsphase verfügte die feministische Forschung noch nicht über eine spezialisierte Disziplin, sie konnte noch auf wenige Vorbilder zurückgreifen und musste ihre theoretischen Grundlagen selbst schaffen. Dabei verstand sie sich nicht als Dienstleistung natur- und technikwissenschaftlicher Fächer, sondern als eigenständiger interdisziplinärer Forschungsansatz, der seine wissenschaftlichen Fragen in einem engen Theorie-Praxis-Verbund entwickelte, wesentliche Impulse aus der außeruniversitären Frauenbewegung bezog und zahlreiche Praxisprojekte initiierte und begleitete.

Wie schätzen Sie das heutige Interesse junger Studentinnen an geschlechtsspezifischen Fragestellungen ein?

Für viele der jungen Generation scheinen die damaligen Veränderungsforderungen großenteils erledigt und die Gleichberechtigung der Geschlechter weitgehend erreicht zu sein. Viele können die damals gesichteten Schreckensbilder der Welt-Gesellschaft und deren Verbindung mit Geschlechterfragen nicht mehr nachvollziehen. Zugleich regt sich meines Erachtens in letzter Zeit ein deutliches Interesse, die eingeschlafene feministische Debattenkultur wiederzubeleben und Fragen aufzugreifen, die zwischen den Generationen verloren gingen oder inhaltlich geschrumpft sind. Eine gewalttätiger gewordene Welt lässt frühere Fragen nach geschlechtsspezifischer Gewalt wieder aufleben. Das betrifft auch Kontroversen zum feministischen Gegenstand. Dessen Spektrum reicht von Selbstbestimmungs- und Gleichstellungsforderungen bis hin zu einer Herrschafts- und Gewaltkritik, die mit überlieferten Geschlechterkonstrukten zu verbinden ist und nach einer Neubestimmung unserer Werte verlangt angesichts der sogenannten Anderen in einer globalisierten Welt.

Was halten Sie von der aktuellen Diskussion, die unter dem Begriff „Diversity“ geführt wird?

Einerseits kann das Diversity-Konzept zu größerer Toleranz im Zusammenleben beitragen, andererseits aber auch eine Verwischung von Machtverhältnissen betreiben, sofern es alle Verschiedenheiten in harmlose Vielfalt verwandelt und auf gesellschaftliche Strukturbegriffe verzichtet. Mit naiven flächendeckenden Anerkennungsforderungen wird die Analyse spezifischer Diskriminierungen zurückgestellt und so auch das Besondere des Geschlechterproblems nivelliert.

Die Fragen stellte Christiane Petersen

 

Das Alumniprogramm der TU Berlin und das Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) stellen vor:

„ANFANGEN“

Ein Filmporträt über Christina Thürmer-Rohr, Sozialwissenschaftlerin, feministische Theoretikerin, Musikerin und emeritierte Professorin der TU Berlin. Anschließend diskutiert Christina Thürmer-Rohr mit Prof. Dr. Sabine Hark, Leiterin des ZIFG, und dem Filmregisseur Professor Albert Lang.

Zeit: 11. Mai 2015, 18–20 Uhr
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Raum H 3005

Kontakt:

www.alumni.tu-berlin.de


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