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Forschung

Nach dem Untergang

Friday, 14. February 2014

Erschütternde, frühe Zeitzeugenberichte über die polnische Shoah erstmals auf Deutsch

Lupe

„Eine weitere technische Verbesserung für die Vernichtung der Körper der toten Juden … würde ohne Zweifel in dem Gebäude, auf dessen Baustelle wir arbeiteten, eingeführt werden … Neben dem ,Badehaus‘ stand ein großer Kasten … für eine besondere Art von Werterfassung … Dort stand ein jüdischer ,Zahnarzt‘, untersuchte den Mund eines jeden Leichnams und extrahierte alle Goldzähne oder Platinkronen … Mehr als eine Kiste Gold hatte sich auf diese Weise angesammelt. Die Deutschen sind gute Haushälter.“ So lesen sich über viele Seiten schrecklichste Details über die Todesmaschinerie Treblinka, eines der großen Vernichtungslager in Polen im Zweiten Weltkrieg.

„18 Tage in Treblinka“ heißt der Bericht des damals 25-jährigen Abraham Krzepicki, der aus dieser Hölle im September 1942 fliehen konnte – und kurze Zeit später im Warschauer Ghetto umkam. Es ist der früheste Augenzeugenbericht, der das ganze Ausmaß, die akribische Organisation des Lagers beschreibt, vom quälenden, manchmal bereits tödlichen Transport über den grausamen Alltag im Lager, geprägt von Hunger, Durst und Todesangst im Angesicht der täglichen Erschießungen und weiterer Gräuel, bis zu den Gaskammern und zur Ausplünderung sowie schließlich zur „Entsorgung“ der Leichen. Er spricht über die Brutalität der Wärter, die Ausweglosigkeit für die Gefangenen, die unmenschlichen Zustände, den Sadismus, die ganze Unglaublichkeit der Vorgänge dort. 1956 erstmals auf Polnisch und dann in den USA veröffentlicht, liegt dieser Bericht zusammen mit zwölf weiteren nun zum ersten Mal auf Deutsch vor. Er stammt von der „Zentralen Jüdischen Historischen Kommission“, gegründet 1944 von Überlebenden der Ghettos und Lager auf polnischem Boden, jüdischen Intellektuellen, die die Spuren des Judenmords und des Untergangs der Ghettos sicherten, indem sie diese Berichte zusammentrugen. In 39 Büchern in polnischer und jiddischer Sprache dokumentierten die überlebenden jüdischen Historiker in den Jahren nach dem Krieg die Shoah. „Die Liquidierung des Wilnaer Ghettos“, „Wie ich die Deutschen überlebte“, „Die Universität der Mörder“ oder „Auf den Feldern von Treblinka“ heißen diese Berichte von Zeitzeugen der frühen Stunde, einmalige Dokumente des Holocaust, authentisch, erschütternd und ergreifend. Herausgegeben wurde das fast 700 Seiten starke Buch unter anderem von Prof. Dr. Wolfgang Benz, der mehr als 20 Jahre lang das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin leitete, und Dr. Barbara Distel, mehr als 30 Jahre lang Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau. Viele Bilddokumente, Zeichnungen, Schnitte, alte Fotos sowie wissenschaftlich editierte Fußnoten mit Erklärungen zu bestimmten Ausdrücken, Bezeichnungen oder Vorgängen ergänzen die umfangreiche Dokumentation.

Frank Beer, Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Nach dem Untergang – Die ersten Zeugnisse der Shoah in Polen 1944–1947, Metropol Verlag und Verlag Dachauer Hefte, 2014, 29,90 Euro

By: Patricia Pätzold

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