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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Optimierbare Kooperation

Friday, 14. February 2014

Das Promotionsrecht sollte bei den Universitäten bleiben – durch eine verbesserte Zusammenarbeit könnten jedoch künftig mehr Doktoranden auch aus den Fachhochschulen kommen - Nachgefragt bei Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes

Anwendungsbezogene Lehre im Labor für Förder- und Getriebetechnik der Beuth Hochschule für Technik Berlin
Lupe

Herr Kempen, im November kündigte Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Waltraud Wende an, als erstes Bundesland den Fachhochschulen das Promotionsrecht übertragen zu wollen. Auch in Baden-Württemberg streitet die Politik über eine Experimentierklausel zu diesem Thema. Und die Universitäten sind skeptisch. Welche Unterschiede zwischen Fachhochschulen und Universitäten sehen Sie, die gegen diesen Vorstoß sprechen?

Das alleinige Promotionsrecht der Universitäten ist weder ein beliebiges noch ein jederzeit disponibles Element des deutschen Hochschulwesens. Universitäten und Fachhochschulen haben in einem ausdifferenzierten Bildungssystem verschiedene, sich ergänzende Aufgaben: Auf universitärer Seite sind es vor allem Grundlagenforschung und Ausbildung durch Wissenschaft, auf der Seite der Fachhochschulen vor allem anwendungsorientierte und praxisnahe Ausbildung. Profilierung ist in Zeiten knapper Kassen und konstant hoher Studierendenströme das hochschulpolitische Gebot der Stunde. Insofern besteht kein Anlass, die bewährte Aufgabenverteilung aufzukündigen.

Es gibt mittlerweile überall in Deutschland Kooperationen zwischen FHs und Universitäten, die eine gemeinsame Promotion erlauben. Was unterscheidet dann dieses Vorgehen von einer eigenverantwortlichen Promotion durch die FHs? Hat das nur rechtliche Gründe?

Neu ist, dass in Schleswig-Holstein demnächst eine Fachhochschule die verleihende Institution sein kann, die die Doktorurkunde ausstellt. Dieses Recht ist bislang ausschließlich den Universitäten vorbehalten. In den bisherigen kooperativen Promotionsverfahren ist dagegen ein Fachhochschulprofessor als Betreuer und Gutachter in Zusammenarbeit mit dem federführenden universitären Doktorvater am Promotionsverfahren tätig. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in der intensiven Betreuung durch den universitären Doktorvater und in der Integration des Doktoranden in bestehende Forschungsteams, die es an Fachhochschulen im Allgemeinen nicht gibt.

Sie sagen, eine Vermischung der sich ergänzenden Aufgaben schwäche das deutsche Wissenschaftssystem. Was sind aus Ihrer Sicht die schwächenden Faktoren?

Wer den Fachhochschulen das Promotionsrecht überträgt, wird es den außeruniversitären Forschungseinrichtungen kaum vorenthalten können. Das sorgfältig austarierte Wissenschaftssystem droht dadurch außer Balance zu geraten. Leidtragende werden die Universitäten sein. International sichtbare Spitzenforschung an Fachhochschulen wird nur eine sehr seltene Ausnahme sein. Aber schon im Koalitionsvertrag fordern CDU, CSU und SPD die DFG dazu auf, ihre Programme für Fachhochschulen zu öffnen. Die Forschungsmittel der anwendungsorientierten Fachhochschulen sollten jedoch vornehmlich aus Auftragsforschung kommen und nicht aus der DFG, deren Bewilligungsquote sinkt. Der zu verteilende Kuchen wird kleiner, obwohl mehr Münder gestopft werden müssen.

Den Universitäten wird ein Elitedenken und Festhalten an überkommenen Privilegien vorgeworfen. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Bei emotional geführten Debatten hilft ein nüchterner Blick auf die Faktenlage. Eine Forschungsstärke, die das Promotionsrecht für Fachhochschulen begründen soll, liegt nur im Ausnahmefall vor. Fachhochschulprofessoren haben mit 18 Semesterwochenstunden ein in der Regel doppelt so hohes Lehrdeputat wie ihre Universitätskollegen und damit weniger Zeit zur Forschung. Und wenn es bei der Einwerbung von Drittmitteln um harte Münze geht, können und sollen Fachhochschulprofessoren mit ihren Universitätskollegen nicht mithalten. Während im Jahr 2011 auf einen Fachhochschulprofessor im Schnitt 23 400 Euro an Drittmitteln entfielen, waren es beim Universitätsprofessor im Schnitt 261 700 Euro. Diese eindeutigen Zahlen sprechen für sich.

Qualifizierten FH-Absolventinnen und -Absolventen müsste selbstverständlich die Promotion an Universitäten ermöglicht werden, so äußerte sich auch HRK-Präsident Professor Horst Hippler. Wie kann man sich eine zukünftige, noch engere Zusammenarbeit zwischen FHs und Universitäten vorstellen, die geeignet wäre, den offenbar vorhandenen Bedarf zu decken?

Das vorhandene Instrumentarium reicht in der Praxis grundsätzlich aus. Unter den 77 694 Promotionen, die in den Prüfungsjahren 2009 bis 2011 in Deutschland abgeschlossen wurden, befanden sich 836 Fachhochschulabsolventen. Allerdings haben Universitäten gemeinsame Promotionskollegs mit Fachhochschulen bislang zu zögerlich vorangetrieben. Von den 836 Promotionen wurden 116 im Rahmen eines kooperativen Promotionsverfahrens durchgeführt. Diese Zahl erscheint noch optimierungsfähig. Die Fakultäten müssen von den vorhandenen Möglichkeiten kooperativer Promotionsformen stärker Gebrauch machen.

Die Fragen stellte Patricia Pätzold

Prof. Dr. Bernhard Kempen ist Direktor des Instituts für Völkerrecht und ausländisches öffentliches Recht der Universität zu Köln. Seit 2004 ist er Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), der Berufsvertretung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland mit über 28 000 Mitgliedern.


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