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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Was erwartet uns 2015, Herr Präsident?

Friday, 16. January 2015

Haushaltskonsolidierung, Forschungsbau, Orientierungsstudium – die Agenda ist anspruchsvoll

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Die PlanungEN für das sogenannte Ost-Gelände zwischen Fasanenstraße, Müller-Breslau-Straße und Bahnhof Zoo sind schon weit fortgeschritten, insbesondere für den Mathematik-Neubau (violett), der das in die Jahre gekommene Mathegebäude an der Straße des 17.
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Professor Thomsen, was ist die große Herausforderung in diesem Jahr?

Einer der wichtigsten Aspekte ist und bleibt die Haushaltskonsolidierung. Würden wir den Haushalt ohne Korrekturen fortführen, vergrößerte sich das vorhandene Finanzloch von zehn Millionen Euro um drei Millionen im Folgejahr und noch einmal um drei Millionen im Jahr 2017. Steigende Energiekosten oder Tarifanpassungen tragen dazu bei. Diese Spirale müssen wir stoppen. Natürlich gibt es für viele der Einsparvorschläge ein berechtigtes Für und Wider. Streicht man ein Fachgebiet, hat man zwar eine Einsparsumme, verschlechtert aber die Betreuungssituation für Studierende. Bis zum Sommer müssen wir deshalb Alternativen abwägen, wie wir zu einer guten Haushaltsaufstellung für 2016 und 2017 kommen.

Im Akademischen Senat sprachen Sie von einer neuen Strukturreform. Welches Ausmaß wird sie haben?

Ein Strukturplan ist nicht in Stein gemeißelt. Wir müssen ihn alle fünf bis zehn Jahre überarbeiten, da über die Jahre außerhalb der Struktur Professuren eingerichtet wurden. Dies bedarf nach gewisser Zeit der Korrektur. Wir werden jetzt solch eine Reform angehen, da wir auch durch den Hochschulvertrag dazu verpflichtet sind. Es handelt sich im Vergleich zu den vorangegangenen Strukturänderungen eher um eine Strukturanpassung. Damit will ich nichts verharmlosen. Es ist immer schwer, ein Fachgebiet zu streichen. Ich ermuntere die Fakultäten, nicht nur über Streichungen nachzudenken, sondern gleichzeitig auch über Neuausrichtungen von Professuren. Ich sehe die Chance für eine Verbesserung der Struktur.

Welchen Beitrag wird die Verwaltung erbringen?

Auch sie muss ihren Sparbeitrag leisten. Wir denken jedoch nicht an Stellenstreichungen in großem Maßstab, sondern suchen nach intelligenten Lösungen. Die Erfahrung aus der Optimierung von Lehrveranstaltungsräumen zeigt, dass wir Raum zur Verfügung haben, den wir nicht effektiv nutzen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir bei einer Verdichtung der Raumnutzung ein mittelgroßes Haus abmieten könnten. Das werden wir nicht 2015 umsetzen können, aber wir beginnen mit der Bestandsaufnahme. Das ergäbe einen großen Einsparbetrag. Ein anderes Thema sind die Betriebsferien zwischen den Jahren, wie es FU und HU umsetzen. Hier werden wir noch einmal nachdenken. Wir sprechen über Einsparungen von bis zu 200 000 Euro jährlich.

Die Einführung einer neuen Software für zentrale Verwaltungsprozesse und die Studierendenbetreuung ist ein umfassender Prozess. Wie schätzen Sie die Stimmung in der Universität ein?

Ganz klar ist eine Überlast an vielen, wenn nicht an allen Stellen in der Uni zu spüren. Es ist aber auch in allen Gremien und Arbeitskreisen, die sich mit der Umstellung beschäftigen, Optimismus vorhanden, und die Resonanz ist groß. Dies überzeugt mich, dass die Universität diesen Prozess haben möchte, um in den Folgejahren modern aufgestellt zu sein. Nichtsdestotrotz bleibt die Überlast, die sich allein durch gute Worte nicht auflöst. Wir haben in allen Abteilungen unterstützend Personal befristet eingestellt. Gegenwärtig sprechen wir mit den Fakultäten, die besonders durch den „Student Lifecycle Management“-Prozess belastet sind. Wir investieren auch dort in befristetes Personal.

Welche Meilensteine gibt es im Forschungsbereich?

Die Verstetigung der Projekte der Exzellenzinitiative ist wichtig in diesem Jahr. In 2014 wurde das Einstein-Zentrum für Mathematik, das ECMath, bewilligt. Das ist die Plattform für das ehemalige DFG-Forschungszentrum MATHEON, für die Berlin Mathematical School und das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik.

Ein weiteres Einstein-Zentrum haben wir für die Nachfolge des Exzellenzclusters UniCat beantragt. Wir hoffen sehr auf die Förderung durch die Einstein Stiftung. Außerdem verfolgen wir die Diskussion über die Fortsetzung der Exzellenzinitiative. Regionale Verbundforschung, Kooperationen mit den Fachhochschulen, innovative Lehre und ein starker Bezug der Forschung zu gesellschaftlichen Fragen werden eine wichtige Rolle einnehmen. Wir überlegen genau, wie wir uns darauf vorbereiten können. Ab 2017 soll die Initiative starten. Auch unabhängig von der neuen Exzellenzinitiative müssen wir bei den kommenden Berufungen darauf achten, dass wir vermehrt Hochschullehrerinnen für die TU Berlin gewinnen, damit wir in den ingenieur- und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächergruppen international konkurrenzfähig aufgestellt sind.

Auch beim Bau geht es voran. Wir planen auf dem Ostgelände einen neuen Forschungsbau. Den Vorantrag hat der Wissenschaftsrat befürwortet. Jetzt warten wir auf grünes Licht für den Vollantrag. Das Haus soll die Kompetenzen auf den Feldern Simulation und Modellbildung aus vielen Fakultäten beherbergen. Das könnte auch ein Baustein für die kommende Exzellenzinitiative sein. Außerdem bin ich zuversichtlich, dass wir in Kürze weitere strategische Partnerschaften mit Großunternehmen vermelden können. Sie ähneln unserer Kooperation mit der Telekom, mit einem Unterschied: Es werden nicht Professuren finanziert, sondern Doktorandenstellen über Projekte.

Sie sind angetreten, mehr jungen Menschen ein Studium zu ermöglichen. Was können wir in diesem Jahr erwarten?

Schon in den ersten Monaten meiner Amtszeit haben wir es mit den Fakultäten erfolgreich geschafft, die Universität zu öffnen: Die Anfängerzahlen im Wintersemester 2014/15 waren deutlich höher als zuvor. Das hat auch belastende Aspekte für die an der Lehre Beteiligten. Das sehe ich, und wir schaffen Lösungen dafür. Unser großes Ziel ist es, unser „MINT-Orientierungsstudium“ auf das gesamte Fächerspektrum der TU Berlin auszuweiten. Alle Fakultäten haben zugestimmt. Um das Studium zu bewerben und die Einschreibung für das Wintersemester zu gewährleisten, müssen wir spätestens im Sommer mit allen Formalien fertig sein.

Weiterbildung und Internationalisierung sind weitere Themen auf Ihrer Agenda. Wie sehen Ihre Pläne aus?

In der Weiterbildung gehen wir neue Wege und werden künftig mehr Sommerschulen anbieten. Auf dem internationalen Markt sind wir ein attraktiver Standort – beispielsweise mit dem Themenspektrum rund um Nachhaltigkeit in den Ingenieurwissenschaften. Außerdem möchten wir die Zahl der englischsprachigen Master-Studiengänge deutlich erhöhen. Das wird seine Zeit brauchen. Den Prozess beginnen wir jetzt mit dem Ziel, in fünf Jahren rund 50 Prozent der Master-Studiengänge in Englisch anbieten zu können.

Die Verwendung der frei werdenden BAföG-Millionen war bis Ende 2014 nicht geklärt. Nun zeichnet sich eine Lösung ab …

Der Bund übernimmt ab dem Jahr 2015 komplett die Finanzierung des BAföG. Dem Land Berlin stehen nun jährlich 66 Millionen Euro für einen anderen Zweck zur Verfügung. Kürzlich entschied der Berliner Senat, dass 32 Millionen davon in bauliche Maßnahmen an die Hochschulen fließen werden. Vor Weihnachten haben wir dringliche Bauprojekte, die wir sofort angehen können, eingereicht. Dazu gehören die Modernisierung von Räumlichkeiten am Ernst-Reuter-Platz für ein Gründerzentrum sowie die Sanierung unseres zweitgrößten Hörsaals, des ER 270.

Der Gesetzesentwurf für die Reform der W-Besoldung stieß auf heftige Kritik. Was konnten die Hochschulpräsidenten bisher erreichen?

Kürzlich gab es im Wissenschaftsausschuss eine Anhörung, bei der auch wir vertreten waren. Dabei hat die Innenverwaltung ihren Gesetzesentwurf vorgestellt, den sie trotz der Bedenken der Hochschulen und anderer Einrichtungen in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht hat. Eine echte Erhöhung der Gehälter ist nicht vorgesehen. Man will eine finanzneutrale Lösung. Insbesondere zwei Punkte gibt es, die gegen den Gesetzesentwurf sprechen. Die in der Begründung des Gesetzes genannte Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit gibt es nicht wirklich, da der Entwurf keinerlei echte Erhöhungen der Bezüge beinhaltet, sondern Verrechnungen der bisherigen Leistungsbezüge. Außerdem gab es gut begründete Zweifel an der Rechtssicherheit des möglichen Gesetzes. Die einzig vernünftige Lösung ist eine echte Grundgehaltserhöhung. Dafür kämpfen wir, und ich vermute nach der Anhörung, dass der Gesetzgeber etwas beschließt, das eine effektive Erhöhung des Grundgehaltes beinhaltet.

Stellen Sie sich vor, es ist jetzt Dezember 2015: Welche drei Projekte würden Sie umgesetzt sehen?

Meine drei Wünsche sind: Der Forschungsbau ist genehmigt, unser neues Orientierungsstudium hat noch einmal doppelt so viele Studienanfänger wie im Jahr 2014 – also nicht 300, sondern 600 junge Menschen –, und bei der W-Besoldung haben wir eine gute Lösung für den Standort Berlin gefunden. Und als Sonderwunsch möchte ich, dass unser Handeln bei den TU-Mitgliedern ankommt, dass sie eine Erleichterung spüren, dass ihre Zufriedenheit steigt und unser „Wir-Gefühl“ gestärkt wird. All das macht für mich eine attraktive TU Berlin aus, an der ich gern arbeite.

Vielen Dank!
Das Gespräch führte Stefanie Terp


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