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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Leistungsprinzip ad absurdum geführt

Friday, 12. December 2014

Was die Hochschullehrenden am Gesetzentwurf zur neuen W-Besoldung kritisieren

Ulf Schrader
Lupe
Rolf Möhring
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Michael Lehmann
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Martin Oestreich
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Werner Hofmann
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Stephan Reitzenstein
Lupe

Die Präsidenten und Rektoren der Berliner Hochschulen fordern eine pauschale Erhöhung der Grundgehälter in allen Gruppen in der leistungsorientierten W-Besoldung. So sollen die Berliner Professorengehälter, die niedrigsten bundesweit, wieder konkurrenzfähig werden. Dagegen sperrt sich allerdings der Berliner Senat, er ist nur zu einer „kleinen Reform“ bereit, die nach Ansicht der Hochschulen das notwendige Niveau nicht erreicht und die Leistungsorientierung völlig außer Acht lässt. Damit gefährde der Senat die Attraktivität und die Konkurrenzfähigkeit der Wissenschaftsstadt Berlin, die mittlerweile zum Aushängeschild geworden ist. „TU intern“ hat in der Professorenschaft nachgefragt.

Prof. Dr. Ulf Schrader, Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum: Als Ökonom leuchtete mir die offizielle Begründung für den Wechsel von der C- zur W-Besoldung durchaus ein: Leistung soll sich auch finanziell lohnen, Einkommenssteigerungen sollen erarbeitet und nicht ersessen werden. Die Umsetzung, insbesondere die Messung von Leistung und die Anrechnung auf das Ruhegehalt, war bisher schon diskussionswürdig. Wenn nun der sogenannte Aufstockungsbetrag komplett auf die Leistungsbezüge angerechnet wird, offenbart dies einmal mehr, was die W-Besoldung für die Bildungs- und Finanzpolitik vor allem ist: ein Sparmodell. Statt Leistungsmotivation erzeugt es Frustration.

Prof. Dr. Rolf Möhring, Fachgebiet Kombinatorische Optimierung und Graphenalgorithmen: Das mit der W-Besoldung eingeführte Leistungsprinzip wird mit dem Gesetzentwurf von Innensenator Frank Henkel ad absurdum geführt. Wird der Entwurf zum Gesetz, so wird es auf alle Leistungsträger demotivierend wirken und zukünftige Berufungen gefährden. Schon jetzt ist Berlin in puncto Gehalt Schlusslicht. Die Darstellung von Henkel, eine amtsangemessene Besoldung werde ja durch den Entwurf hergestellt, ist kabarettreif und zeigt, wie wenig Politiker die Leistungen ihrer Professoren und Hochschulen würdigen.

Prof. Dr. Michael Lehmann, Institut für Optik und Atomare Physik, Arbeitsgruppe Elektronenmikroskopie und Holografie, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Elektronenmikroskopie ZELMI: Berufungs- und Leistungszulagen sind hart erarbeitet: Beispielsweise muss man an der TU Berlin über drei Jahre pro Jahr durchschnittlich eine Million Euro einwerben und 100 Abschlussarbeiten als Erstgutachter abschließen, um 500 Euro als Leistungszulage in den folgenden drei Jahren zu erhalten. Dies entspricht in etwa dem vom Berliner Senat geplanten individuellen Aufstockungsbetrag. Alle, die vergleichbare Leistungen erbracht haben, und dies sind faktisch alle W-Professorinnen und -Professoren, werden um ihre Leistung betrogen. Es ist inakzeptabel, dass uns der Berliner Senat zu Zeiten von Rekordzahlen bei Studierenden und Drittmitteln die entsprechende Wertschätzung verweigert.

Prof. Dr. Martin Oestreich, Einstein-Professor am Institut für Chemie (Synthesis & Catalysis): Berlin übt als Wissenschaftsstandort eine große Anziehungskraft aus. Die ohnehin im Deutschlandvergleich niedrige Besoldung seiner Hochschullehrer nicht entsprechend anzupassen ist eine leichtfertige Entscheidung gegen die (noch) international konkurrenzfähige Forschung und Lehre in Berlin. Ist diese Weichenstellung wirklich vom Senat gewünscht?

Prof. Dr. Werner Hofmann, Juniorprofessor, Fachgebiet Technologie nanophotonischer Bauelemente: Bei den Juniorprofessuren ergibt sich für die Universitäten die prekäre Situation, dass ihnen die Möglichkeit verweigert wird, mit Leistungsbezügen nachzubessern. Damit ist die Beförderung zum Professor aus einer Position des akademischen Mittelbaus oft mit einer Gehaltskürzung verbunden. Der in Berlin mangels Finanzierung oft fehlende „Tenure-Track“ macht die Juniorprofessur erst recht unattraktiv. Und das, obwohl diese mobile Berufsgruppe ohnehin durch die Voraussetzung von Auslandsaufenthalten oder das Verbot von Hausberufungen hohe Kosten zu tragen hat. Wer nach der Promotion in den USA eine gut bezahlte Postdoc-Stelle innehatte – zwei Jahre steuerfrei, hohes Nettogehalt –, der wird mit einer W1-Stelle als Alleinverdiener von Ersparnissen zehren müssen oder ist als „Professor“ auf die Unterstützung der Familie angewiesen.

Prof. Dr. Stephan Reitzenstein, Institut für Festkörperphysik, Arbeitsgruppe Optoelektronik und Quantenbauelemente: Die W-Besoldung war seinerzeit auch eingeführt worden, um zu besonderen Leistungen anzureizen. Mit der geplanten Reform hat der Berliner Senat nun diesen Ansatz regelrecht annulliert. Ich habe beispielsweise seit meiner Berufung im September 2011 Drittelmittel von rund fünf Millionen Euro eingeworben, inklusive ERC Consolidator Grant, und würde durch die Reform mit einem Kollegen gleichgestellt, der keinerlei Drittmittel eingeworben hat. Das ist sehr demotivierend für mich und offenbart die fehlende Wertschätzung unserer Arbeit. Auch die interne Leistungsmessung, an der TU Berlin durch das LINF-System, in das Jahr für Jahr viele Ressourcen fließen, würde damit ad absurdum geführt.

By: pp

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