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TU Berlin

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Universitätsarchiv: Ein Nachlass, der mehr verschweigt, als er erzählt

Monday, 16. December 2013

Professoraler Austausch: Formeln auf Postkarte
Lupe

Ein Archivrekord kommt dem Nachlass des Mathematikers Emil Rudolf Haentzschel zu. Mit nur 0,1 laufenden Metern gehört er zu den kleinsten des Universitätsarchivs. Er füllt mit seinen drei Mappen nicht einmal einen Karton. Wer war dieser Professor Emil Haentzschel? Er wurde 1858 in Berlin geboren. Hier studierte er von 1876 bis 1880 Mathematik an der Linden-Universität. 1883 promovierte er in Jena. Ab 1884 war er als Gymnasiallehrer in Duisburg tätig. 1887 kehrte er in seine Heimatstadt zurück und arbeitete ab 1896 als Mathematiklehrer am Köllnischen Gymnasium, das er auch von 1921 bis 1924 leitete.

Lebensdrama ohne Nachhall

An der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin war er ab 1893 als Privatdozent und ab 1902 als Professor für Mathematik und mathematische Physik für mehr als vier Jahrzehnte tätig. Er starb 1948 fast neunzigjährig in Berlin. Sein Sohn Kurt war ein berühmter Jurist für Pressefragen in der Weimarer Republik, der 1932 in einer Denkschrift die Verfassungswidrigkeit der NSDAP nachwies. 1933 wurde Kurt Haentzschel inhaftiert. Kurz darauf emigrierte er mit Frau und drei Kindern. Die Nazis bürgerten ihn und seine Familie 1935 aus. 1941 fand er in Brasilien den Tod. Der Vater blieb in Berlin. Über dieses Lebensdrama gibt der Nachlass allerdings keine Auskunft. Sein Inhalt lässt eher auf ein „idyllisches“ Professorenleben schließen.

In den Mappen finden sich eine lateinische Immatrikulationsurkunde der Berliner Alma Mater, Belege für Ehrungen, eine Publikationsliste, handgeschriebene Manuskripte über mathematische Probleme und schließlich eine Anzahl von Postkarten aus der Zeit des Kaiserreichs, die Kollegen, in der Regel auch Mathematiker, an Emil Haentzschel nach Berlin-Halensee sandten, um auf ihnen mathematische Formeln und Probleme zu erläutern – nichts Persönliches! Ein Nachlass, der mehr „verschweigt“, als er erzählt. Er hilft nicht gegen das „Gras des Vergessens“, das über das dramatische Schicksal dieser Berliner Familie wuchs, der die NS-Herrschaft so böse mitgespielt hatte. Ist das Vergessen manchmal nicht sehr ungerecht?!

By: Hans Christian Förster

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