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TU Berlin

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Forschung

Geraubtes Hab und Gut

Friday, 06. November 2015

Mit dem Projekt „Kriegswichtig!“ konnte NS-Raubgut identifiziert werden. Ziel ist die Rückgabe

Oben: Ein Lastwagen mit Büchern wird entladen (1949) rechts oben: Nazi-Symbole vor dem TH-Hauptgebäude 1937 rechts Mitte: Neubindung beschädigter Bücher 1949 rechts unten: Vorlesungsverzeichnis der TH 1938
Lupe

Es war ein Grundstock. In den Bombennächten insbesondere des letzten Kriegsjahres und durch Beschlagnahme direkt nach Kriegsende hatten die zentrale Bibliothek der Technischen Hochschule Berlin, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, und deren Institutsbibliotheken fast ihren gesamten Buchbestand verloren. So waren die Bücher und Zeitschriften, die die britische Besatzungsbehörde der TH Berlin aus der ehemaligen Luftkriegsakademie in Berlin-Gatow im November 1945 überstellte, hochwillkommen. Mit einigen Schenkungen und Ankäufen konnte so der Lehrbetrieb im April 1946 wieder aufgenommen werden. Wessen sich offenbar keiner bewusst war: Es handelte sich zumindest bei einem Teil der Sammlung um Kriegsbeute, sowohl aus dem eigenen Land, Besitz von Menschen, die im Zuge der Verfolgungen um Hab und Gut gebracht worden waren, als auch um Raubgut aus den besetzten Gebieten. 2012 startete daher an der Universitätsbibliothek der TU Berlin ein Forschungsprojekt, um diesen Bestand zu untersuchen und die rechtmäßigen Eigentümer beziehungsweise deren Nachkommen ausfindig zu machen und ihnen ihr Eigentum zurückzugeben. Eine Ausstellung und eine Publikation dokumentieren nun die Ergebnisse des dreijährigen Projekts.

Anhand der spärlichen Quellen konnten insgesamt 1511 Bücher und Zeitschriftenbände aus dem ehemaligen Bestand der Luftkriegsakademie identifiziert werden. Projektleiterin Angelika von Knobelsdorff von der Universitätsbibliothek erklärt diese im Vergleich zu den 10 000 oder sogar 20 000 Bänden geringe Zahl damit, dass von mehrfach vorhandenen Titeln womöglich nur die besterhaltenen integriert worden waren, andere mit veralteten Inhalten ausgemustert wurden. 510 Bände waren außerdem in den Magazinen als wahrscheinliches NS-Raubgut identifiziert worden, stammten aber nicht aus Gatow. Das Projekt wurde von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung (seit Januar 2015 Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste) gefördert. Im Verlauf des Projekts entwickelte sich aber auch eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Flugplatz Berlin-Gatow, das das Projekt dann großzügig mit Sachmitteln unterstützte. Auf dem Gatower Gelände befand sich damals die Luftkriegsakademie. Das Bundeswehr-Museum versteht sich als öffentliche Kultureinrichtung der Bundesrepublik, die Militärgeschichte im Zusammenhang mit der geschichtlichen Gesamtentwicklung zeigt. „Leider sind nur wenige Zeugnisse aus der Zeit des Kriegsendes und den ersten Jahren der Besatzungszeit von Berlin-Gatow erhalten geblieben“, so Oberstleutnant Ralf-Gunter Leonhardt, Leiter des Museums am Flugplatz Berlin-Gatow. „Umso mehr hat uns der Verbleib der ehemaligen Bibliothek der Luftkriegsakademie in den Beständen der TU Berlin überrascht.“ So trug das Projekt dazu bei, einen wichtigen Teil der Standortgeschichte zu dokumentieren. Die schließlich als Raubgut identifizierte Literatur stammt aus Belgien, Frankreich, Polen und der Ukraine.

Das Projekt habe einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung von NS-Raubgut und zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte geleistet, so Ralf-Gunter Leonhardt. Dafür gebühre dem Projektteam und der Unileitung Dank und Respekt, denn: „Nicht jede Institution ist bereit, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.“

https://opus4.kobv.de/opus4-tuberlin

 

Die Ausstellung ist noch bis 14. November im Ausstellungsforum der Universitätsbibliothek der TU Berlin im VOLKSWAGEN-Haus, Fasanenstr. 88, 10623 Berlin, zu sehen. Die Publikation „Kriegswichtig! Die Bücher der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow“ berichtet anschaulich in Wort und Bild über die Geschichte beider Institutionen und die Ergebnisse des Projekts. Sie steht auch online zur Verfügung.

By: Patricia Pätzold "TU intern" November 2015

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