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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Internationalisierung der Campuskultur: ein Global Village mitten in Berlin

Friday, 06. November 2015

Nachgefragt bei Abraham van Veen: „Willkommen muss man wahr machen“

Der Jurist leitet seit Juni 2015 den Studierendenservice der TU Berlin. Er ist Master der Rijksuniversiteit Utrecht, Niederlande, sowie Magister der Ruhr-Universität Bochum und hat vielfältige Erfahrungen im Hochschulmanagement im In- und Ausland
Lupe

Herr van Veen, der Studierendenservice ist in diesen Wochen besonders gefordert. Die TU Berlin hat in diesem Semester erfreulich hohe Studierendenzahlen zu verzeichnen. Außerdem hat die TU Berlin Verantwortung auch in der Frage des Flüchtlingszustroms übernommen. Sie konnten, quasi als erste Amtshandlung, bereits ein Programm aus der Taufe heben, das es Geflüchteten ermöglicht, schon vor ihrer Anerkennung als Asylanten am akademischen Leben teilzunehmen und sich erbrachte Leistungen später anerkennen zu lassen: „In(2)TU Berlin“. Wie wurde das Programm angenommen?

Innerhalb wie außerhalb der Universität fand es sehr großen Anklang. Besonders wichtig war uns das natürlich bei den Fakultäten und in der Verwaltung, die das Programm mittragen müssen. Viele Menschen, auch TU-Beschäftigte, engagieren sich ehrenamtlich bei der Flüchtlingsregistrierung, in den Aufnahmelagern und Asylunterkünften. Sie haben gleich Kontakte hergestellt, sodass wir bereits nach ganz kurzer Zeit rund 50 registrierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewinnen konnten. Ein sehr positives Feedback erhalten wir in den Clearing-Gesprächen mit den Geflüchteten selbst. Besonders gelobt wird, dass es nicht bei einer oberflächlichen Kontaktaufnahme bleibt, sondern tatsächlich der Zugang zur gesamten Veranstaltungsbreite der Universität und sogar zu Prüfungen ermöglicht wird. Das geht, weil die Teilnehmenden keine „Gasthörerinnen und -hörer“ sind, sondern Studierende analog zum Programm „Studieren ab 16“, das es bei uns schon gibt. Die spätere Anerkennung der Leistungen, wenn sie ein Studium an der TU Berlin aufnehmen, ist eine Besonderheit, die unser Programm von denen anderer Universitäten unterscheidet.

Es wird davon ausgegangen, dass etwa 25 Prozent der Geflüchteten studierfähig sind. Wie kann man sie erreichen?

Die Mundpropaganda der Ehrenamtlichen hilft uns, aber auch die Medienarbeit der TU Berlin. Unser Präsident, Herr Thomsen, hat öffentlich deutlich gemacht, dass wir eine weltoffene Universität sind, die gesellschaftliche Verantwortung übernimmt durch unmittelbare und möglichst unbürokratische Hilfe. Viele Flüchtlinge, so die Sichtweise der Universität, seien Teil der internationalen akademischen Familie, die wir schnell hier aufnehmen und integrieren müssen – im eigenen Interesse.

Ein Übriges leisten die sozialen Medien. Diejenigen, zu denen wir bereits Kontakt haben, erzählen das in einem Netzwerk von Leuten weiter, die ebenfalls studierfähig sind. Wir selbst dürfen allerdings keine falschen Erwartungen wecken, denn Willkommen muss man wahr machen. Ich denke, da können wir sehr stolz auf unsere Universität sein, dass wir unter diesem Dach „In(2)TU Berlin“ dieses Willkommenspaket auch mit der Verstärkung des Studienkollegs so schnell schnüren konnten. So können wir auch sehr schnell an Deutsch- und Qualifikationsfeststellungsprüfungen gehen – die Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums.

Brauchen wir zusätzliche Ressourcen?

Die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden ja über alle Fakultäten verteilt. So ist in der ersten Phase nicht mit einer großen Mehrbelastung zu rechnen. Mittelfristig wird das aber sicher ein Thema, auch politisch, denn dann werden die Kapazitäten erhöht werden müssen. Zum Beispiel könnte man die vielen motivierten Emeriti schnellstmöglich wieder mit an Bord ziehen.

Die Studierendenzahlen sind dieses Jahr signifikant um zehn Prozent gestiegen. Ist die TU Berlin darauf vorbereitet?

Wir freuen uns, dass die Zahlen, die wir uns erhofft haben, auch erreicht worden sind. Ich glaube schon, dass die TU Berlin auf diese neuen Studierenden vorbereitet ist. Trotzdem bleibt es für uns eine Aufgabe, für die Universität insgesamt und so auch für den Studierendenservice, uns so aufzustellen, dass der Studienerfolg unserer Studierenden durch uns optimal gefördert wird. Das darf man auch von uns erwarten.

Sie haben als Koordinator des Konsortiums der drei Ruhrgebietsuniversitäten im Verbindungsbüro New York gearbeitet sowie später die Abteilung Soziales und Internationales beim Akademischen Förderungswerk Bochum geleitet. Ihnen schwebt für die TU Berlin das Konzept einer globalen Campuskultur vor. Was verstehen Sie darunter?

Eine Universität sollte immer Teil eines globalen akademischen Netzwerks sein. An der TU Berlin sind 120 Nationalitäten und Kulturen vertreten. Das müssen wir besser nutzen, denn jede davon kann dazu beitragen, auf dem Campus ein kosmopolitisches, weltoffenes „Global Village“ mitten in Berlin zu schaffen. Doch das entsteht nicht automatisch dadurch, dass viele Nationalitäten nebeneinander leben. Wir müssen dies mit proaktiven Maßnahmen fördern, dass alle Kulturen sichtbar sind und die jeweils anderen kennenlernen können. Schon im Curriculum könnte man zum Beispiel dem internationalen Training mehr Raum geben.

Wie kann ein „proaktiver“ Studierendenservice den Studienerfolg befördern?

Der Studierendenservice der TU Berlin ist bereits sehr aktiv und kann stolz sein auf viele Aktivitäten. Unter „proaktiv“ verstehe ich, dass wir vielleicht noch mehr auf die Studierenden zugehen könnten, um herauszufinden, wo wir mit flankierenden und ineinandergreifenden Maßnahmen konkret an einem Studienerfolg mitarbeiten können. Wenn zum Beispiel ein Studierender kurz vor seiner dritten Prüfung steht und bei Nichtbestehen die Exmatrikulation droht, können frühzeitig Kontakte zur Studienfachberatung geknüpft werden, um Möglichkeiten zu suchen, eine Exmatrikulation zu vermeiden. Das Großprojekt „Student Life Cycle Management“, an dem die TU Berlin derzeit arbeitet, kann eben solche Verbindungen schaffen, Gefahren sichtbar machen. Hier wird der Begriff „sense of belonging“ mit Leben gefüllt. Einer Beteiligung aller am Erfolg unserer Studierenden, unserer Forschenden, der gesamten Institution.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold

"TU intern" November 2015

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