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TU Berlin

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Lehre & Studium

Süße Prinzessinnen und starke Helden

Thursday, 01. October 2015

Viele Motive auf Kinder-T-Shirts tragen zu geschlechterstereotypen Rollenbildern bei

Oft werden schon mit der Kinderkleidung geschlechtsspezifische Rollenbilder transportiert
Lupe

Immerhin: Es brach ein Shitstorm in den sozialen Netzwerken über ein Versandhaus herein, das ein Mädchen-T-Shirt mit dem Aufdruck anbot: „In Mathe bin ich Deko“. Es gibt Menschen, die solche Sprüche witzig finden, so dachte anscheinend der Hersteller – die Wissenschaft weiß inzwischen mehr. Soziologinnen beklagen derartige Rollenzuschreibungen schon lange, denn sie haben nachweisen können, dass negative Leistungserwartungen, die jemandem entgegengebracht werden, zu tatsächlich schlechteren Leistungen führen können. Die Betroffenen befürchten, das Stereotyp zu bestätigen, und können sich nicht mehr auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren.

Wer nun aber denkt, diese Erkenntnisse hätten zu einer Revolutionierung der Motive auf der Kinderkleidung geführt, liegt falsch. Eine Untersuchung, die Studierende am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin (ZIFG) durchgeführt haben, beweist das Gegenteil. Noch immer sind die „kleine Prinzessin“ und der „Superheld“ weit verbreitet.

501 Kindersprüche auf T-Shirts für Jungen und für Mädchen haben die Studierenden analysiert. Das Ergebnis war für sie selbst überraschend. Geschlechterstereotype Rollenbilder fanden sich bei allen elf untersuchten Marken in allen Preissegmenten.

„Little“, „sweet“, „happy“, „cute“, „lovely“ waren die häufigsten Adjektive, „Love“, „Girl“, „Star“, „Princess“ die Substantive auf Mädchen-T-Shirts. Dem standen bei den Jungs-Shirts die Adjektive „crazy“, „cool“, „wild“, „strong“ und die Substantive „Life“, „Team“, „King“, „Rebel“ gegenüber. Als Leitmotive für die Mädchen-Shirts fanden sie die Themen Märchen und Träume, Unschuld und Naivität, Schönheit und Selbstbewusstsein. Bei Jungen sieht das anders aus: Sport, Wettkampf, Teamgeist sind hier die Leitmotive, ebenso wie Abenteuer, Natur, Reisen sowie Superhelden und Superkräfte oder Rebellion und Grenzüberschreitungen.

Stereotype Geschlechterbilder – diese Erkenntnis der Erziehungswissenschaft konnten die Studierenden mit ihrer Studie untermauern – gelangen auf vielfältigsten Wegen mittels Gesten oder alltäglichen Entscheidungen in die Köpfe von Kindern und beeinflussen so auch die Art, wie sie sich selbst empfinden.

Kann es aber nicht sein, dass Männer gar nicht „süß“ sein möchten und Mädchen keine „Superheldin“? Die Genderforschung sieht das anders. „Die geschlechtsbedingten Vorurteile sind den meisten in unserer Gesellschaft gar nicht bewusst“, erklärt Dr. Petra Lucht, Soziologin und Gastprofessorin am ZIFG. „Männer dürfen gar nicht ,süß‘ sein, solange es die geschlechtsbezogenen Rollenbilder nicht vorsehen. Geschlechterstereotype – das sieht man sehr eindrücklich an den T-Shirt-Sprüchen – werden uns übergestreift wie eine zweite Haut. Hier sollten wir auch an die Mitverantwortung der Unternehmen appellieren.“

Um diese Mechanismen sichtbar zu machen, bieten Prof. Dr. Sabine Hark, die Leiterin des Zentrums, und Dr. Petra Lucht in jedem Semester fächerübergreifend Seminare an, die ins Thema einführen. Die Studierenden wählen ihre Studienprojekte beziehungsweise Untersuchungsgegenstände selbst aus. „Deshalb wechseln von Semester zu Semester auch die Themen“, erklärt Petra Lucht. „Bei uns Lehrenden liegt die Anleitung, Begleitung und Betreuung der Projekte, mit denen ,Alltagsbezüge‘ zu den im Seminar diskutierten Ansätzen der Gender Studies erkundet werden sollen.“ Übrigens: Das Versandhaus, das das T-Shirt mit dem diskriminierenden Mathe-Spruch anbot, musste es inzwischen aus dem Sortiment entfernen.

Was Sie schon immer über Geschlecht wissen wollten …

Die Gender Studies fragen heute nach der Bedeutung von Geschlecht in Wissenschaft und Gesellschaft. Welche Rolle spielt das Geschlecht zum Beispiel in den Bereichen Arbeit, Technik, Organisationen oder Politik?

„Was Sie schon immer über Geschlecht wissen wollten … und nie zu fragen wagten …“, so lautet der Titel einer Lehrveranstaltung, die das ZIFG der TU Berlin wegen der großen Nachfrage gleich doppelt anbietet. Sie ist geeignet für Studierende aller Fächer und Studiengänge, die noch keine Kenntnisse in der Frauen- und Geschlechterforschung haben.

Beginn: 13. und 15. Oktober 2015

www.zifg.tu-berlin.de

By: Patricia Pätzold "TU intern" Oktober 2015

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