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TU Berlin

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Lehre & Studium

Verstehen lernen durch Arbeit

Monday, 27. July 2015

Parkseminare erschließen Praxis und Theorie der Gartendenkmalpflege

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Schweiß, Schwielen und schmerzende Arme – nicht gerade das, was man vom Studium erwartet. Wenn man aber einen Tag lang gegen das Unterholz in einem verwilderten Schlosspark angekämpft hat, ist genau dies das Ergebnis. Doch auf der anderen Seite steht der Erfolg: ein wiedergewonnenes Wegestück, ein Ausblick in die umgebende Landschaft, eine neu erfahrbare räumliche Qualität in einem historischen Garten, den man arbeitend verstehen lernt. Mit den sogenannten „Parkseminaren“ im Schlosspark Wrisbergholzen in Niedersachsen ergänzt Dr.-Ing. Sylvia Butenschön vom Fachgebiet Denkmalpflege die Qualifizierung der Studierenden in der Pflege von Gartendenkmälern.

„Ziel dieser Workshops ist die Instandsetzung eines historischen Parks, dessen Pflege über Jahrzehnte vernachlässigt wurde. Ich biete sie im Master-Studium Landschaftsarchitektur bereits seit mehreren Jahren an“, so Sylvia Butenschön. „Künftige Landschaftsarchitektinnen und -architekten können hierbei theoretisch vermittelte Methoden in der Praxis anwenden und reflektieren.“

Im vergangenen Semester war das Objekt ein neun Hektar großer Landschaftspark aus dem 19. Jahrhundert, der auf einen älteren Barockgarten zurückgeht. Die verschiedenen historischen Entwicklungsphasen ließen sich im Bestand durchaus noch ablesen, wenn man denn genau hinschaue und die Spuren der unterschiedlichen Gartengestaltung lesen lerne, so Sylvia Butenschön. Ehemalige Wasserläufe ließen sich im Relief erahnen, inszenierte Wasserfälle und Brücken aus zusammengefallenen Steinhaufen gedanklich – und mit viel Mühe auch materiell – wieder zusammensetzen. „Anastylose“ nennt man das mit einem denkmalpflegerischen Fachbegriff.

„Die eindrucksvollsten Effekte lassen sich erzielen, wenn die Gruppe einen Tag lang wild gewachsenes Unterholz beseitigt und man plötzlich einen früheren Weg wieder erkennen kann“, berichtet Sylvia Butenschön. Um den genauen Verlauf zu ermitteln, wird anschließend versucht, durch Abschieben des Bewuchses und der oberen Humusschicht, also durch gartenarchäologische Schürfungen, den Unterbau des Weges wiederzufinden. Wenn dann noch Fundamentreste ehemaliger Sitzbänke auftauchen, erwacht bei vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern detektivischer Spürsinn: Wie sollte der Ausblick von dieser Stelle sein, wohin konnte man schauen und sollte das Teichufer wirklich vollständig einsehbar sein – oder fehlt da eine Strauchgruppe? Neben der gartendenkmalpflegerischen Übung stehen plötzlich gleichberechtigt gestalterische Fragen, die sich Landschaftsarchitektinnen in ihrer Berufspraxis ebenso stellen. „Uns wurde klar“, so berichtet eine Teilnehmerin, „dass Gartendenkmalpflege nur schwer ausschließlich vom Bürostuhl aus zu planen ist. Die Darstellung im Plan kann sich der Raumwirkung vor Ort nur annähern.“ Insofern gehen die Lernerfolge des Parkseminars Wrisbergholzen, das im Studium im Vertiefungsbereich „Heritage“ angesiedelt ist, sogar über die Übung des Umgangs mit historischen Gärten hinaus. Ein besonders schönes Kompliment hat die Dozentin während der anschließenden Evaluation gehört: Die Exkursion nach Wrisbergholzen war für mich die schönste Exkursion meines ganzen Studiums“, sagte eine Teilnehmerin. Das Konzept des Parkseminars ist aufgegangen.

By: tui "TU intern" Juli 2015

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