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Forschung

Unfallschwerpunkt: Abbiegen

Wednesday, 13. May 2015

Eine neue Studie über die Infrastruktur des Verkehrs und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer zeigt: Sichtbehinderungen zählen zu den schwerwiegenden Unfallrisiken

Radfahrer machen in Städten etwa 40 Prozent aller verunglückten Verkehrsteilnehmer aus, eine intelligente Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur könnte sie besser schützen
Lupe

In einer umfassenden Studie untersuchte das Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb von Prof. Dr. Thomas Richter, Institut für Land- und Seeverkehr (ILS) der TU Berlin, Unfälle zwischen abbiegenden Autos und geradeaus fahrenden Radfahrern. Im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer werden daraus allgemeine Empfehlungen abgeleitet.

„Radfahrer machen in Städten etwa 40 Prozent aller verunglückten Verkehrsteilnehmer aus“, weiß Thomas Richter. Häufig und besonders schwerwiegend sind dabei Unfälle zwischen abbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeaus fahrenden Radfahrern. Im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und in Zusammenarbeit mit der Human Factors Consult (HFC) hat ein Team von Prof. Dr. Thomas Richter jetzt untersucht, welche Einflüsse sowohl die Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur als auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf die Unfallhäufigkeit haben.

„Dazu haben wir in den vier Städten Magdeburg, Erfurt, Münster und Darmstadt rund 900 Unfallberichte analysiert“, so Janina Sachs, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet. „Zusätzlich haben Studierende an 43 speziell ausgewählten innerörtlichen Knotenpunkten auftretende Konflikte zwischen Radfahrern und abbiegenden Autofahrern gefilmt und analysiert.“ Zu der Studie gehört auch eine repräsentative Telefonumfrage über das subjektive Sicherheitsempfinden bei unterschiedlichen Radverkehrsführungen, die Einschätzung des eigenen Verhaltens und den Kenntnisstand zur Verkehrsregelung.

Ergebnis: Zu mehr als 90 Prozent sind Autofahrer Hauptverursacher der Abbiegeunfälle. Oft fehlt der obligatorische Schulterblick, oder Sichthindernisse erschweren es, den Radfahrer rechtzeitig zu erkennen. „Kreuzungen, bei denen der Radweg mehr als zwei Meter von der Fahrbahn entfernt geführt wird, so zeigte sich, sind besonders unfallträchtig. Parkende Autos bilden häufig noch zusätzliche Sichtbehinderungen“, so Thomas Richter. „Wir empfehlen hier klar, die Radwege auf der Fahrbahn oder unmittelbar daneben zu führen. Der direkte Sichtkontakt zwischen Rad- und Autofahrer muss gewährleistet sein.“ Doch auch „Geisterradler“ begünstigen die Unfallhäufigkeit, indem sie unerlaubt Gehwege nutzen oder auf der falschen Seite unterwegs sind.

Ein weiteres Problem ist die Benutzungspflicht bei Radwegen. Diese ist für die Autofahrer oft gar nicht erkennbar. „Ist ein sichtbarer Radweg nicht benutzungspflichtig ausgeschildert, kann es sein, dass Autofahrer überhaupt nicht mit Radfahrern auf der Fahrbahn rechnen und Vorsichtsmaßnahmen wie den Schulterblick guten Gewissens unterlassen. Da Radfahrer hier frei wählen können, ob sie Radweg oder Straße nutzen, kommt es hier gehäuft zu Konfliktsituationen“, weiß Thomas Richter. Seine Empfehlung: „Radwege müssen klar erkennbar und für alle Verkehrsteilnehmer verständlich ausgeschildert sein. Entscheidend, um die Unfallhäufigkeit zu senken, bleibt – bei allen sinnvollen Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen – der rücksichtsvolle Umgang aller Verkehrsteilnehmer miteinander.“

udv.de/de/publikationen/forschungsberichte/abbiegeunfaelle-pkwlkw-und-fahrrad

www.youtube.com/watch?v=N4eqdwzLom8

By: Katharina Jung "TU intern" Mai 2015

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