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Menschen

Große Urteils- und Entschlusskraft

Friday, 15. November 2013

Adrian von Buttlar, Dekan, Wissenschaftler und Denkmalschützer geht in den Ruhestand. Eine Danksagung

Adrian von Buttlar
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Adrian von Buttlar Baukunst der Nachkriegsmodern, herausgegeben von Adrain von Buttlar
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Kritisch, konstruktiv und leidenschaftlich, agierte Adrian von Buttlar auf unterschiedlichen Feldern gleichermaßen erfolgreich: als Hochschullehrer an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (1985–2001) und der TU Berlin (2001–2013), als Dekan der hiesigen Fakultät I (2005–2012) und als Vorsitzender des Landesdenkmalrates Berlin (1996–2009).

Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie in München und London promovierte er über den „Englischen Landsitz im 18. Jahrhundert“ und habilitierte sich 1982 mit einer Arbeit über den Münchner Klassizisten Leo von Klenze. Klassizismus und Historismus gehören ebenso zu seinen thematischen Schwerpunkten wie die Gartenkunst und Gartendenkmalpflege, die Theorie, Geschichte und Politik der Denkmalpflege und die Architektur der Moderne.

Von Buttlar wählt stets Themen, mit denen er in aktuelle Debatten eingreift: so mit seiner Forschung zum Historismus und zur Bedeutung der historischen Gärten seit den späten 70er-Jahren, seinem Engagement gegen die Rekonstruktion von verlorenen Bauwerken („Attrappenkult“) und seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem baulichen Erbe der Nachkriegsmoderne. Er ist wissenschaftlich präsent mit klar positionierten Beiträgen in zahlreichen Schriften, auf nationalen und internationalen Konferenzen und in Gremien und Fachbeiräten. Akademische Präsenz zeigte er aber auch an ungewöhnlichen Orten – etwa als die Universität streikhalber nicht betreten werden konnte: so im November 2003, als er seine Vorlesung auf dem Breitscheidplatz hielt. Oder aber bei der legendären Putzaktion am Institut für Bergbau- und Hüttenwesen, das schon dem Abriss geweiht war. Kollegen unterschiedlicher Fakultäten und Studierende schrubbten (symbolisch) das Bauwerk mit dem Ziel, dessen bauliche Qualität hervortreten zu lassen. Die Berliner Zeitung titelte am folgenden Tag (12. 6. 2003): „Protestputzen gegen Uni-Abriss“. Wie das Ergebnis – die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes – zeigt: eine Aktion mit Erfolg!

Als „Retter“ erwies sich Adrian von Buttlar in gänzlich anderem Zusammenhang, als er sich nach 2005 in der Phase der Um- und Neustrukturierung der TU Berlin für das Überleben der geisteswissenschaftlichen Fakultät einsetzte. Die Streichung von 25 Professuren war beschlossen, neue Studiengänge mussten entwickelt werden. In dieser Situation wurde Adrian von Buttlar zum Dekan gewählt. Die Kunstgeschichte, das sei nicht verschwiegen, blieb bestehen. Doch nicht nur sie. Von Buttlar setzte sich nach besten Kräften für die Interessen aller Fachgebiete der Fakultät ein.

Die früher heftig miteinander ringenden Fachbereiche der Geistes- und Erziehungswissenschaften befriedete er und brachte die Vertreter der unterschiedlichen Fächer an einen Tisch. In den Fakultätsratssitzungen, die unter seiner Leitung stattfanden, verbanden sich Diskussionskultur und Entschlusskraft.

Urteils- und Entschlusskraft bestimmten auch seine Zeit als Vorsitzender des Landesdenkmalrates Berlin: „Unzählige Briefe, offene Brandbriefe ebenso wie pointierte Leserbriefe, kritische Kommentare und konstruktive Stellungnahmen oder leidenschaftliche Aufrufe von Adrian von Buttlar legen Zeugnis ab von einem unverwüstlichen Denkmalengagement, das weit über das im Ehrenamt Übliche hinausgeht“, resümierte Landeskonservator Jörg Haspel kürzlich zu von Buttlars Verabschiedung in der Akademie der Künste. Die denkmalgerechte Modernisierung des Olympia-Stadions, die Rettung des Studentendorfes Schlachtensee und der ergänzende Wiederaufbau des Neuen Museums gehören zu den nachhaltigen Erfolgen seiner Amtszeit.

Mit dem Wirken von Magdalena Bushart, Bénédicte Savoy und Alexandra Lipinska hat die TU-Kunstgeschichte in den letzten Jahren viele innovative, fruchtbare Impulse entfaltet. Als Apl. Professorin mit Schwerpunkt Architekturgeschichte der Moderne und als Nachfolgerin im Landesdenkmalrat führe ich die bisherigen Schwerpunkte in Forschung, Lehre und Denkmalverantwortung auch im Sinne von Buttlars weiter, der dem Institut freundschaftlich und wissenschaftlich verbunden bleibt. Das jüngst von uns beiden zusammen mit Gabi Dolff-Bonekämper herausgegebene Buch „Baukunst der Nachkriegsmoderne“ wird nicht das letzte gemeinsame Projekt gewesen sein.

Kerstin Wittmann-Englert
Die Autorin ist Professorin für Kunstgeschichte an der TU Berlin Baukunst der Nachkriegsmoderne


Buchtipp

Schon der Titel des neuen Architekturführers „Baukunst der Nachkriegsmoderne“ ist ein subtiler Hinweis der Autorinnen und Autoren, wie sie zu den Bauten Berlins stehen, die nach 1945 errichtet wurden. Es sind für sie Bauwerke von künstlerischem Wert und von daher ein „wertvolles Architekturerbe“, mit dem anders umgegangen werden sollte, als es abzureißen. Unter der Herausgeberschaft der TU-Professoren Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert und Gabi Dolff-Bonekämper werden 262 Einzelbauwerke, Siedlungen und Plätze, die in Ost- und West-Berlin zwischen 1949 und 1979 entstanden sind, beschrieben und durch viele neue Aufnahmen eindrücklich in Szene gesetzt. Anliegen des Architekturführers ist es, die künstlerischen Qualitäten der Bauten aufzuzeigen und sie als Werke der historisch-politischen Epoche der Teilung der Stadt zu begreifen, die ein entscheidender Teil der Identität Berlins ist.

Baukunst der Nachkriegsmoderne. Architekturführer Berlin 1949–1979, hrsg. von Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper, Reimer Verlag, Berlin 2013, 473 Seiten m. 640 Farbabb. u. Grundrissen, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-496-01486-7


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