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TU Berlin

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Forschung

Die Impfung der Fünfzigtausend

Freitag, 15. November 2013

Der TU-Forscher Wilm Quentin hat ausgerechnet, wie viel das Impfen gegen HP-Viren in einer Region Tansanias kosten würde

Gesundheitsaufklärung für Frauen in Tansania
Lupe

Gesundheit kostet Geld. Nur wie viel? Um das herauszufinden, hat Dr. med. Wilm Quentin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet „Management im Gesundheitswesen“ der TU Berlin, zweimal drei Wochen in Tansania verbracht. Gemeinsam mit Kollegen von der London School für Hygiene und Tropenmedizin, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Nationalen Institut für Gesundheitsforschung in Tansania hat er durchgerechnet, wie viel es kosten würde, in drei Distrikten der Region Mwanza junge Mädchen gegen humane Papillomviren (HPV) zu impfen.

Diese Viren werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und sind in 70 Prozent der Fälle dafür verantwortlich, wenn eine Frau an Gebärmutterhalskrebs erkrankt. 2008 waren dies weltweit etwa eine halbe Million, 275 000 starben – die meisten von ihnen in armen Ländern wie Tansania. Die WHO empfiehlt den Regierungen daher, Routineimpfungen einzuführen. Diese stehen damit meist vor einem riesigen logistischen Problem und benötigen Menschen wie Wilm Quentin, der sie bei der Logistik unterstützt und ihnen hilft, die Kosten zu kalkulieren. Damit kennt der 33-Jährige sich aus. Er hat sich bereits mit verschiedenen Bereichen der Gesundheitsökonomie beschäftigt und Studien zum Krankenhausmanagement, zu Kosten von HIV/AIDS-Erkrankungen oder Demenz publiziert.

„Es ist relativ einfach. Man muss einfach an alles denken“, sagt der junge Arzt. An Autos, Kühlschränke und Informationskampagnen zum Beispiel. Denn zu wissen, dass eine HPV-Impfdose fünf US-Dollar kostet und jedes der Mädchen dreimal geimpft werden muss, reicht bei Weitem nicht aus. Man muss Gerüchten in der Bevölkerung wie „So eine Impfung macht unfruchtbar“ Gehör schenken und daran denken, dass es Geld kostet, Eltern und Lehrer zu informieren, Radiokampagnen zu fahren und religiöse Führer zu treffen. Man muss daran denken, dass eine Krankenschwester geschult werden muss. Und dass sie in der Zeit, in der sie impft, nicht ihren üblichen Verpflichtungen nachkommen kann.

All dies hat Wilm Quentin gemacht. Für seine Schätzungen konnte der Forscher ein Pilotprojekt begleiten, in dessen Rahmen zwischen August 2010 und Juli 2011 in 130 Schulen geimpft wurde. Er ist dafür quer durch das Land am Victoriasee gefahren – raus aus der Stadt, erst über Teerstraßen, dann über Schotterpisten. Er hat Schulen besucht, in denen 60 Mädchen in einer Klasse sitzen, und sich dabei Gedanken darüber gemacht, ob es günstiger ist, klassenweise zu impfen oder nach Alter. Dazu musste er wissen, mit wie viel Jahren die Mädchen den ersten Geschlechtsverkehr haben (mit 15/16 Jahren) und wie lange es dauert, ein Mädchen zu impfen (etwa zwei Minuten). Auch die Ärzte vor Ort haben mitgeholfen und zum Beispiel ihre Kühlschränke unter die Lupe genommen, um herauszufinden, ob noch Platz für die HPV-Impfdosen ist oder ob Kühlboxen benötigt werden.

All dies und vieles mehr steckt hinter der Zahl, die Quentin und sein Team im Online-Journal „BMC Medicine“ letztlich veröffentlicht haben: 1,3 Millionen US-Dollar würde es kosten, um die 50 290 Mädchen in der Region Mwanza gegen humane Papillomviren zu impfen. Eine politisch sensible Zahl, weiß Quentin: „Als ich meine Ergebnisse bei der WHO vorgestellt habe, gab es doch einige, die vor der Präsentation sehr angespannt waren.“ Sie hatten Angst, dass die Gesundheit zu teuer sein könnte.

www.biomedcentral.com/1741-7015/10/137

Susanne Hörr

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