direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Vermischtes

Meisterliche Fabrikbauten

Wilhelm Franz, Architekt, Industriebautheoretiker und Hochschullehrer

Wilhelm Franz arbeitete um 1910 mit Georg Schlesinger im neuen Fachgebiet „Industriebau“
Lupe

Im Januar 2014 jährte sich zum 150. Mal der Geburtstag von Wilhelm Franz, Architekt und Professor für Industriebau an der Königlichen Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg. Eine Gelegenheit, an diesen großen Vorreiter der Baukonstruktion zu erinnern.

Wilhelm Franz wurde am 23. Januar 1864 in Weilmünster (Nassau) geboren. Er studierte Architektur an der TH Hannover und TH Charlottenburg. 1895 bestand er die große Staatsprüfung zum „Regierungsbaumeister“ und wurde wenig später Stadtbaurat von St. Johann bei Saarbrücken, Saarland. Alois Riedler (1850–1936), Maschinenbauprofessor und Rektor der TH Charlottenburg, befürwortete 1901 die Berufung von Wilhelm Franz auf die neu geschaffene Professur für Industriebau und Baukonstruktion. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass dieses neue Fachgebiet „Entwerfen von Industriebauten und Baukonstruktion“ nicht etwa in der Abteilung für Architektur, sondern in der Abteilung für Maschinen-Ingenieurwesen eingerichtet wurde. Damals leisteten aus betriebsorganisatorischen Gründen Maschinenbauingenieure die Fabrik- und Werkstattplanung, vor allem das Layout und die Anordnung von Arbeitsmaschinen. Bei den Bauingenieuren wurden zwar der Bau von Bahnhöfen und Reparaturwerkstätten der Eisenbahn gelehrt, aber nicht der Bau von Fabriken. Ausschlaggebend war das Wissen über die Fertigung- und Herstellungstechnik und die Anordnung von Arbeitsmaschinen. In der Praxis wurden Architekten vor allem für die äußere Gestaltung der Fabrikbauten herangezogen.

Dennoch ist es Wilhelm Franz gelungen, auch Architektur- und Ingenieurstudenten für das Fach „Industriebau“ zu begeistern. Mit dem 1904 neu berufenen Professor für Werkzeugmaschinen und Industrieanlagen Georg Schlesinger betreute er gemeinsam Diplom- und Doktorarbeiten zum Industriebau. Aus dem Vorlesungsverzeichnis von 1909/1910 geht hervor, dass Wilhelm Franz und sein Assistent Karl Stodieck jede Woche zusammen mit Studenten Fabriken wie die von Mix/Genest in der Geneststraße, AEG in der Voltastraße und die Lokomotivfabrik L. Schwarzkopff in Wildau, aber auch technische Bauwerke wie die Wasserwerke in Tegel und am Müggelsee oder die Reparaturwerkstätten der Eisenbahn in Grunewald besucht haben.

Nach dem Vorbild von Professor Franz habe ich selbst meine Seminare zur Geschichte der Industriearchitektur an der TU Berlin durchgeführt.

Das Vorlesungsverzeichnis von 1906/1907 im Jahreskurs für Maschinen-Ingenieure nennt das Seminar für „Bau-Anlagen für industrielle Maschinenbetriebe“ von Wilhelm Franz und Georg Schlesingers Seminar über „Werkzeugmaschinen, Fabrikbetriebe und -anlagen“, die sich gegenseitig ergänzten. Außerdem las Wilhelm Franz über „Hoch- und Tiefbau-Elemente für maschinentechnische Anlagen“.

Von großer Bedeutung waren jedoch seine Publikationen in Fachzeitschriften wie „Werkstattstechnik“ mit der Artikelserie „Werkstättenbau“. Beispiele sind: „Über die Schönheit der Nutzbauten“ (Werkstattstechnik, 6. Jahrgang, 1. Januar 1912) und „Der Industriebau“ (Wie kommen wir zu schönen Fabrikbauten?“, Heft 8, 1913). Unter seiner Beratung entwarf sein Assistent Karl Stodieck 1912 den Neubau für die Schokoladenfabrik „Sarotti“ in Tempelhof, die zum ersten Mal in Berlin in Stahlbetonbauweise ausgeführt wurde.

Beeindruckend ist noch heute sein Buch „Fabrikbauten“ im Handbuch der Architektur (4. Teil, 2. Halbband) von 1923, das wertvolle Informationen für den Praktiker wie auch für den Bauhistoriker liefert. Wilhelm Franz wurde für seine wissenschaftlichen Verdienste mit dem Ehrendoktorat der TH Breslau, TH Berlin und der Universität Berlin sowie mit dem kaiserlichen Titel eines Geheimen Regierungsrats geehrt. Er starb am 26. November 1928 in Berlin.

Prof. Dr.-Ing. habil. Miron Mislin, ehemaliger Leiter des Lehrgebiets Baugeschichte – Bautechnik und Geschichte der Industriearchitektur an der TU Berlin

Miron Mislin

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.