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Forschung

Ist Musik wirklich eine universelle Sprache der Gefühle?

Montag, 23. Februar 2015

In einem bisher einmaligen Experiment wurde die Wirkung von westlicher und Pygmäen-Musik analysiert

Musikethnologische Experimente mit Menschen aus dem Kongo
Lupe

Der Musik wird gemeinhin ein universeller Charakter zugeschrieben. Musik, so heißt es oft, werde überall und von jedem verstanden. Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat diese Aussage in ihrer Grundsätzlichkeit nun revidiert. In einem Experiment haben deutsche und kanadische Forscherinnen und Forscher einer Gruppe von isoliert lebenden Mbenzélé-Pygmäen in Kongo und einer Gruppe von Kanadiern jeweils die Musik der Pygmäen und die westliche Musik vorgespielt. Die Pygmäen hatten zuvor noch nie Kontakt mit westlicher Musik. Ebenso war den kanadischen Probanden die der Pygmäen gänzlich unbekannt. „Wir wollten herausfinden, wie die Musik der Pygmäen und die westliche Musik auf beide Gruppen wirken, um die Frage zu beantworten, ob die durch die Musik hervorgerufenen Gefühle angeboren sind, also universell, oder angelernt und somit kulturspezifisch“, sagt Dr. Hauke Egermann vom Fachgebiet Audiokommunikation der TU Berlin, das von Prof. Dr. Stefan Weinzierl geleitet wird. Bei den Probanden wurden die Parameter Hautleitwert sowie Herz- und Atemrate und damit der Grad der körperlichen Erregung gemessen. Jede Versuchsperson sollte die subjektive emotionale Wirkung der Musik beurteilen.

„Ein solches kulturvergleichendes Musikwirkungsexperiment, das sowohl die subjektive Reaktion erfasste als auch physiologische Messungen vornahm, ist unseres Wissens erstmalig durchgeführt worden“, erzählt Hauke Egermann. Neben der TU Berlin waren die kanadischen Universitäten McGill University und Université de Montréal beteiligt.

„Nach unserem Experiment können wir sagen, dass die Musik über universelle Aspekte verfügt“, so Egermann. In dieser Studie waren dies die Klangfarbe, die Tonhöhe sowie das Tempo, welche eine ähnliche subjektive und physiologische Wirkung auf die Hörer beider Gruppen hatten. Es gab aber auch Unterschiede bei den Reaktionen beider Gruppen.

Diese Einschränkung ist Egermann wichtig. Denn es stellte sich auch heraus, dass es keinerlei Übereinstimmung, bei der Bewertung der Stücke hinsichtlich ihrer positiven oder negativen Wirkung gab. Grundsätzlich bewerteten die Teilnehmenden beider Gruppen die Musik aus ihrem Kulturkreis positiver und intensiver.

Die Auswertung der Daten legt den Schluss nahe, dass die subjektive emotionale Wirkung der Musik eher kulturspezifisch, also davon beeinflusst ist, welche kulturelle Bedeutung die Musik hat, mit der man aufgewachsen ist. „Die Behauptung, Musik sei eine universelle Sprache der Gefühle, müssen wir in dieser Grundsätzlichkeit revidieren“, so Egermann. Ob ein Musikstück subjektiv als fröhlich oder traurig, feierlich oder romantisch ankommt, ist absolut individuell. Die Universalität der Musik scheint eher die Parameter Erregung und Beruhigung zu betreffen.

http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fpsyg.2014.01341

Sybille Nitsche "TU intern" Februar 2015

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