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Forschung

Der „Mensch auf dem Chip“

Montag, 23. Februar 2015

Der Multi-Organ-Chip aus der TU Berlin wird Millionen Tierversuche überflüssig machen

Biotechnologe Uwe Marx mit dem vielversprechenden Chip
Lupe

„Wir hoffen, dass wir Versuche an mehreren Millionen Tieren jährlich allein in Deutschland überflüssig machen können – und gleichzeitig die Entwicklungskosten von neuen Medikamenten, Kosmetika und Chemikalien erheblich senken.“ Diese Hoffnung von Dr. Uwe Marx ist wohlbegründet. Der Wissenschaftler aus dem Fachgebiet Medizinische Biotechnologie der TU Berlin hat mit seinem Team und Kooperationspartnern einen Multi-Organ-Chip (MOC), einen sogenannten „Menschen auf dem Chip“, entwickelt, eine zukunftsweisende Alternative zu Tierversuchen und nachfolgenden Tests an menschlichen Probanden. Dafür wurde er im Dezember 2014 mit dem Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ausgezeichnet. Über seine Forschung und deren Bedeutung für die Zukunft von Pharma- und Chemieindustrie berichtete er bei der Diskussionsveranstaltung „TU Berlin – Think Tank der Innovationen“ des TU-Präsidenten, der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin und der Industrie- und Handelskammer am 18. Februar.

Die Forscher am Fachgebiet Medizinische Biotechnologie der TU Berlin um Prof. Dr. Roland Lauster haben sich darauf spezialisiert, über lange Zeiten menschliche Organe und Organsysteme im Mikromaßstab zu züchten. Dafür nutzen sie nur wenige lebende Zellen, die in organtypischer, dreidimensionaler Anordnung die komplette Funktion des Organs in einem kleineren Maßstab abbilden und simulieren. Sie sind miteinander durch blutgefäßähnliche Mikrokanäle verbunden. „Bislang konnten wir einen Zwei-Organe-Chip entwickeln“, so Dr. Uwe Marx. „Ziel ist es jedoch, einen gesamten Mini-Organismus mit allen lebenswichtigen Organen abzubilden. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“ Doch auch mit dem Entwicklungsstand von heute können die Forscher bereits Tierversuche und nachfolgende Tests an menschlichen Probanden in großem Umfang ersetzen. „Der Chip macht die Reaktionen der Organe, zum Beispiel auf Medikamente oder Kosmetika, in einzigartiger Weise verlässlich vorhersagbar.“

Derzeitige Testreihen an Tieren zu Wirkungen neuer Substanzen seien nicht aussagekräftig genug, weil animalische Organismen durchaus anders reagierten als menschliche. Durchschnittlich fielen neun von zehn Arzneimittelkandidaten, die die Sicherheits- und Wirksamkeitstests beim Tier bestanden hatten, in der klinischen Testung am Menschen durch. Diese vielen Ausfälle führten zu hohen Entwicklungskosten. Um das Produkt erfolgreich zu vermarkten, haben die Wissenschaftler bereits im Jahr 2010 die „TissUse GmbH“ als Spin-off der TU Berlin gegründet, deren Geschäftsführer Uwe Marx ist. „Die Entwicklung wurde durch eine Förderung im ,GO-Bio-Wettbewerb‘ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung möglich, das gründungsbereite Forscherteams in den Lebenswissenschaften unterstützt. Nun gehen die ersten Produkten in die Kommerzialisierungsphase“, erklärt Marx. Die Firma beschäftigt sich auch mit Gewebe- und Organersatz oder -reparatur, etwa mit der Haartransplantation.

www.medbt.tu-berlin.de

www.tissuse.com

Patricia Pätzold "TU intern" Februar 2015

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