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Lehre & Studium

Akkreditieren mit System

Montag, 23. Februar 2015

Um autonomer die Qualität des Studiums sicherzustellen, will die Universität von der Programm- zur Systemakkreditierung übergehen und hat eine Agentur beauftragt

Die TU Berlin gehört zu den 31 deutschen Hochschulen, die derzeit die Systemakkreditierung anstreben. 26 weitere haben sie bereits durchlaufen
Lupe

Herr Heiß, der Akademische Senat der TU Berlin hat kürzlich beschlossen, die Systemakkreditierung zu beantragen. Was bedeutet das für die Universität?

Vielleicht zum besseren Verständnis zunächst etwas zur Vorgeschichte: Im Rahmen des Bologna-Prozesses war 1999 die Akkreditierung für die gestuften Studiengänge von der Kultusministerkonferenz eingeführt worden. Das sollte die Qualität der neu entstehenden Studiengänge sicherstellen. Für diese Programmakkreditierung musste das Qualitätsmanagement jedes einzelnen Studiengangs entsprechend den Standards geprüft werden. Das war und ist enorm aufwendig und personalintensiv, teuer, ineffizient und außerdem autonomiefeindlich. Dennoch haben wir hier an der TU Berlin mittlerweile 78 Studiengänge durch unterschiedliche Agenturen – die ASIIN, die ZEvA und die FIBAA – akkreditieren lassen können. Die Zertifikate laufen teils schon wieder aus, denn sie müssen alle sechs bis sieben Jahre erneuert werden. Nicht nur wir haben dieses enorm aufwendige System kritisiert, das übrigens nur punktuell zur Qualitätsentwicklung beiträgt – und so führte man alternativ die Möglichkeit der Systemakkreditierung ein, deren Gegenstand das Qualitätsmanagementsystem einer Hochschule im Bereich Studium und Lehre ist. Durchlaufen die Studiengänge dieses System, gelten sie als akkreditiert. Das streben wir nun an. 26 Hochschulen bundesweit haben die Systemakkreditierung bereits erfolgreich durchlaufen, 31 weitere befinden sich auf dem Weg.

Welche Akkreditierungsagentur kann das TU-Qualitätsmanagement für die Lehre zertifizieren und was kostet das?

Die bisherige Programmakkreditierung kostet uns pro Jahr etwa 335 000 Euro. Mit der Systemakkreditierung können wir mehr als 100 000 Euro an Verfahrens- und vor allem Personalkosten einsparen. Der Verwaltungsaufwand wird geringer und in die zentralen Stabsstellen verlagert. Wir entlasten damit die Fakultäten personell und finanziell.

Es gibt inzwischen elf zugelassene Agenturen. Das sind Non-Profit-Unternehmen, die sich aus Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaftsorganisationen und wissenschaftsrelevanten Vereinen zusammensetzen. Fünf davon kamen für uns in Frage und haben sich bei uns vorgestellt. Kriterien waren, inwieweit wir eigene Erfahrungen mit den Einzelnen hatten, inwieweit sie selbst Erfahrungen mit Akkreditierungen im Land Berlin hatten und auch inwieweit sie Erfahrungen mit anderen technischen Universitäten haben. Wir haben die Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur ZEvA aus Hannover gewählt und beauftragt.

Warum gerade diese?

Neben unserer eigenen Erfahrung mit dieser Agentur war uns wichtig, dass die ZEvA sehr viel Erfahrung mit der Akkreditierung von Lehramtsstudiengängen hat. Das war uns wichtig, weil die Stichproben, die bei der Systemakkreditierung regelmäßig vorgesehen sind, in jedem Fall gezielt die Qualitätsmerkmale der Lehramtsstudiengänge enthalten.

Was ist im Gegensatz zur Programmakkreditierung die umfangreichste Neuerung?

Die größte Veränderung besteht in der Durchführung der internen Programmreviews: Es werden insgesamt etwa 120 Studiengänge, die in 24 Clustern gebündelt sind, für je sechs Jahre akkreditiert. Pro Jahr stehen damit etwa vier Clusterreviews an. Dabei kommt uns entgegen, dass wir nicht bei null anfangen. Bereits 2008 hatten wir die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems für Studium und Lehre an der TU Berlin beschlossen. Viele qualitätsrelevante Prozesse sind seither eingeführt worden und die wichtigsten Elemente eines Qualitätsmanagements sind vorhanden. Unsere Pilotstudiengänge Bachelor Maschinenbau und Bachelor Informationstechnik im Maschinenwesen haben bereits teilweise den Reviewprozess durchlaufen. Wir stellen im Frühjahr den Vorantrag und könnten dann im Herbst 2015 zum Hauptverfahren zugelassen werden. Insgesamt rechnen wir mit einer Dauer des Verfahrens von rund zwei Jahren.

Ein Fazit: Warum ist die Systemakkreditierung der Programmakkreditierung vorzuziehen?

Der Aufwand für die Fakultäten ist deutlich geringer und insgesamt auch der finanzielle, wie bereits erwähnt.

Ein ganz wichtiger Vorteil: Wenn man selbst für die Qualität seines eigenen Produkts – in diesem Fall das Studienangebot – verantwortlich ist, schafft das quer durch alle beteiligten Gruppen ein ganz anderes Qualitätsbewusstsein. Die Universität gewinnt also in der Qualitätssicherung ein Stück Autonomie zurück, denn wir dürfen damit auch selbst definieren, was wir unter Qualität verstehen.

Mit Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß, Vizepräsident für Studium und Lehre der TU Berlin, sprach Patricia Pätzold

"TU intern" Februar 2015

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