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Um Frauen aktiv werben

Montag, 23. Februar 2015

TU-Frauenbeauftragte Petra Brzank will verlässliche, flexible Karrierechancen entwickeln

Petra Brzank
Lupe

Frau Dr. Brzank, seit April 2014 sind Sie Frauenbeauftragte. Welche Strategie verfolgen Sie?

Die TU Berlin nimmt bei verschiedenen Rankings wie des Center of Excellence Women and Science CEWS oder den forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft bundesweit eine Spitzenposition ein. Sowohl das CESAER-Netzwerk der europäischen technischen Universitäten als auch die EU-Kommission lobten die TU Berlin kürzlich für ihr umfassendes Gleichstellungsportfolio. Dennoch können wir uns nicht ausruhen: Gleiche Chancen sind nicht erreicht, und wir konkurrieren sowohl mit anderen technischen Hochschulen als auch mit der Wirtschaft um die besten Frauen. Ich will mich dafür einsetzen, dass künftig kein Berufungsverfahren mehr ohne qualifizierte Bewerberinnen stattfindet. Viele qualifizierte Frauen gehen nach der Promotion in die Wirtschaft. Dort warten verlässliche Karrierewege und eine sehr gute Bezahlung. Um sie für die Wissenschaft zu erhalten, werden wir spezifische Programme für verlässliche, aber auch für flexible Karrierewege in der Postdoc-Phase entwickeln.

Damit kämpfen die anderen technischen Universitäten ja ebenfalls …

Stimmt. Was uns jedoch auszeichnet, ist unser umfassendes Programm, das Frauen von der Schule bis zur Professur unterstützt: Schulbüro, Schullabore sowie der Girls’ Day versuchen Mädchen für die MINT-Fächer zu interessieren, Mentoring während des Studiums und die Betreuung von Doktorandinnen führen das weiter: Techno-Club, ProMotion, proScience, ProFiL, IPODI, Femtec und mehr. Trotzdem beenden nach wie vor viele Studentinnen ihr MINT-Studium nicht. Im Projekt „proScience“ untersuchen wir derzeit die Hintergründe.

Nach dem Studienabschluss warten oft prekäre Arbeitsverhältnisse mit Teilzeitverträgen, von denen Frauen in der Regel stärker betroffen sind als Männer. Frauen werden in dieser Phase häufiger Lehraufgaben aufgebürdet, gleichzeitig werden sie nicht ausreichend an der für die wissenschaftliche Karriere bedeutenden Forschung, an Publikationen oder in Netzwerken beteiligt. Insbesondere den in Geisteswissenschaften promovierten Frauen erschließt sich der Arbeitsmarkt nicht so leicht wie ihren MINT-Kolleginnen. Ihnen könnten flexible Karrieren im Wissenschaftsmanagement oder eine Professur an einer Fachhochschule Alternativen bieten.

Wie kann man qualifizierte Frauen als Professorin gewinnen?

Im Ausschreibungstext müssen wir zum Beispiel auf eine Frauen ansprechende Wortwahl achten. Belegt ist, dass bestimmte Begriffe wie „Persönlichkeit“, „Dominanz“, „Durchsetzungsstärke“ Frauen nicht zu einer Bewerbung motivieren, sondern eher Vokabeln wie „Verantwortungsbewusstsein“ oder „Kommunikationsstärke“. Wir könnten auch aktiv qualifizierte Frauen direkt ansprechen, zum Beispiel mit Hilfe externer Firmen. Derzeit werden in einem TU-Berufungsverfahren erfolgreich Erfahrungen gesammelt.

Die neue TU-Geschäftsstelle „Joint Programmes for Female Scientists and Professionals“ soll den Transfer von Talenten von der Wirtschaft in die Wissenschaft und umgekehrt fördern. Was ist damit gemeint?

Hier sollen Konzepte für den Aufbau flexibler Karrierewege entstehen. Wir planen einen Ideenworkshop zu folgende Fragen: Für welche Hierarchiestufen ist dieser Austausch eigentlich interessant? Worin besteht der Mehrwert sowohl für die TU Berlin als auch die Wirtschaft? Welche Bedenken gibt es?

Gibt es eine weitere Zielgruppe, für die Sie sich einsetzen wollen?

Die TU Berlin könnte ihr Alltagsgeschäft nicht ohne die Beschäftigten in der Verwaltung bewältigen. Hier sind Frauen überrepräsentiert, bei geringer Honorierung, kaum Entwicklungsmöglichkeiten und hoher Aufgabenverdichtung.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold

"TU intern" Februar 2015

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