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Hochschulpolitik

Sparen und investieren

Montag, 27. Juli 2015

Das Sommerinterview mit Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin

Lupe

Der Haushaltsausschuss des Akademischen Senats hat Grundsätze für die Konsolidierung des Haushaltes 2016 erstellt. Hintergrund ist das mögliche Anwachsen der Unterfinanzierung, der sogenannten Pauschalen Minderausgabe, von jetzt rund zehn Millionen auf 13 beziehungsweise 16 Millionen Euro im Folgejahr. Wie ist der Stand?

Ich hatte im März Vorschläge für eine Konsolidierung gemacht. Sie sind sehr breit diskutiert worden – mit den Dekanen, den Fakultätsverwaltungsleitern und den Senatsmitgliedern. Die wünschenswerte Konsequenz war, dass viele Kommentare und auch Unzufriedenheiten an uns herangetragen wurden. Wir haben das gesammelt, zusammengefügt und für den Akademischen Senat zu einem Gesamtvorschlag entwickelt. Der Haushaltsausschuss des Senats hat sich intensiv damit beschäftigt und 14 Punkte empfohlen. Das Präsidium wird diesen Punkten folgen, außer bei zwei bis drei Themen. Da gibt es noch keine Einigung. Ich bin aber optimistisch, dass wir im September einen finalen Beschluss haben werden.

Welche strittigen Punkte gibt es?

Es geht um die Frage der Overheadverteilung und um den Abbau von Technikerstellen über die Universität verteilt. Overheadkosten sind die indirekten Kosten eines Projektes. Diese bekommen wir von den Geldgebern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu den direkten Projektkosten dazu, um beispielsweise Strom, Heizung und ähnliche Ausgaben zu begleichen. Meist liegt der Satz bei 20 Prozent. Wir müssen nun entscheiden, wie wir sie zwischen den Fachgebieten, der Fakultät und der Zentrale verteilen.

Auch in der zentralen Verwaltung soll eingespart werden. Worum geht es konkret?

600 000 Euro, das entspricht elf Stellen, müssen in der ZUV gestrichen werden. Der Haushaltsausschuss hat den Vorschlag des Präsidenten übernommen und damit anerkannt, dass die vorgeschlagenen Kürzungen ausreichend sind. Dabei handelt es sich auch um Stellen, die langfristig nicht besetzt sind. Es wird in der ZUV wie in den Fakultäten keine Kündigungen geben. Die Fakultäten haben nun einen weiterführenden Vorschlag vorgelegt. Diesen werden wir prüfen. Außerdem sind wir aufgefordert, die Stellensituation in den Bereichen des Präsidenten und der Kanzlerin aufzuführen. Dieser Bericht wird rechtzeitig vorliegen.

Was sollen die Fakultäten einsparen?

In den Fakultäten sollen etwa 30 Stellen wegfallen. Dauerhaft frei sind etwa 30. Leider sind diese nicht gleich über die Fakultäten verteilt.

In dem kürzlich beschlossenen Strukturplan haben Sie das strategische Instrument der Innovationsprofessur eingeführt. Was ist der Grundgedanke dafür?

Strukturpläne sind ein strategisches, aber kein flexibles Instrument im Gegensatz zu einer Innovationsprofessur. Mit ihr können wir kurzfristig reagieren. Es wird eine gewisse Wettbewerbssituation um das beste Konzept, um die beste Innovationsidee entstehen. Jede Fakultät hat die Chance, Innovationsprofessuren hinzuzugewinnen, wenn sie den Senat davon überzeugen kann. Es gibt sieben, die Teil des Strukturplans sind.

Sollen sie für die Exzellenzinitiative genutzt werden oder nur für die Besetzung eines kleinen, aber innovativen Themas?

Alles ist möglich. Im Herbst werden wir auch mit den Fakultäten über die Vergabekriterien diskutieren. Die Frage ist, was wir als Innovation anerkennen. Oft denkt man sie in Verbindung mit Forschung. Die Lehre wird aber auch Gewicht bekommen. Wir wollen damit dem Doppelzweck, der Förderung von Forschung und Lehre, gerecht werden. Jedoch gilt, dass für beide Bereiche innovative Konzepte Voraussetzung sein werden.

Die Exzellenzinitiative rückt näher. Welche Schritte ist die Uni bisher gegangen?

Gute Köpfe und gute Ideen sind die Voraussetzungen. Gute Köpfe haben wir. Jetzt arbeiten wir an den Ideen, obwohl die genauen Bedingungen für den Wettbewerb noch nicht stehen. Vizepräsidentin Christine Ahrend hat aufgerufen, Ideenskizzen einzureichen. Diese werden jetzt dem neuen Beirat für Exzellenz vorgelegt, der wiederum Empfehlungen ausspricht. Der Beirat ist vom Präsidium berufen worden. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter aller Fakultäten an, die aber nicht selbst Antragsteller sein können.

Die Viertelparität hat die TU Berlin vor zwei Jahren beschäftigt, denn der Erweiterte Akademische Senat fasste einen entsprechenden Beschluss, der dann vom damaligen TU-Präsidenten eingezogen wurde. Dagegen klagten einige TU-Mitglieder. Nun gab es den Richterspruch. Wie lautet er, welche Konsequenzen gibt es für die Universität?

Die Klage wurde abgewiesen, da nicht das betroffene Gremium klagte, sondern einzelne Personen. Das sei formal unzulässig. Dennoch ist für mich die Frage der Viertelparität so wichtig und weitreichend, dass sie von der Universität intensiv diskutiert und bedacht werden muss. Ich habe allen Listenführern im Senat angeboten, eine Diskussion zu initiieren. Ich stelle auch gern Ressourcen zur Verfügung und beteilige mich. Im Erweiterten Akademischen Senat, vielleicht im April 2016, sollen dann die Senatorinnen und Senatoren auf der Grundlage dieser breiten Diskussion und nicht auf der Grundlage der Meinung Einzelner einen neuen Beschluss herbeiführen.

Die Investitionsplanung des Landes hat die Hochschulen kürzlich sehr überrascht.

Ja, und zwar sehr positiv. Wenn das Abgeordnetenhaus zustimmt, wovon ich ausgehe, dann stehen den Berliner Hochschulen in den nächsten zehn Jahren 1,2 Milliarden Euro für Bauinvestitionen zur Verfügung – zusätzlich. Die TU Berlin bekäme jährlich rund 17 Millionen für Baumaßnahmen – so für den Mathematikneubau auf dem Ostgelände, die Fassadenrenovierung der Technischen Chemie, die Asbestsanierung des Physik-Neubaus und ein Projekt in der Seestraße. Außerdem fließt auch frei gewordenes BAföG-Geld.

Können Sie das konkreter fassen?

Für die Jahre 2016 und 2017 werden wir jeweils rund fünf Millionen Euro pro Jahr erhalten, knapp fünf Millionen bekommen wir auch schon in diesem Jahr. Wenn wir positiv davon ausgehen, dass das fortgeführt wird und wir die Investitionsplanung hinzunehmen, dann können wir mit insgesamt

22 Millionen pro Jahr rechnen. Das ist eine bedeutsame Summe. Sie zeigt, dass sich das Land ernsthaft um den Hochschulbau kümmert. Das ist eine große Leistung der Politik und ich freue mich sehr für unsere Universität.

Das Interview führte Stefanie Terp

"TU intern" Juli 2015

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