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TU Berlin

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Forschung

Altertum „begreifen“

Dienstag, 08. Dezember 2015

Was 3D-Technologie für die pädagogische Museumsarbeit leisten kann

Mit den 3D-Repliken können auch sehbehinderte Kinder Antike mit den Händen erfahren
Lupe

Der beinerne Kamm der „Britzer Prinzessin“ aus dem 6. Jahrhundert, ein Spinnwirtel aus der Jungsteinzeit, eine Urne aus vorchristlicher Zeit – Zeugnisse der frühen Besiedlung des heutigen Stadtgebiets Neuköllns; sie sind zu sehen in einer ständigen Ausstellung des Museums Neukölln. Vorausgesetzt, man kann sehen. Am 12. November 2015 schlüpften Schülerinnen und Schüler, zum Teil sehbehindert und blind, in die Rolle von Archäologen und erkundeten diese wertvollen und empfindlichen Objekte der Vor- und Frühgeschichte des Berliner Bezirks. Sie konnten betastet, bewundert, hin und her gedreht und genau untersucht werden: Es handelte sich um originalgetreue Reproduktionen aus dem 3D-Labor der TU Berlin. „Die Zusammenarbeit mit dem Museum Neukölln ist ein Teilprojekt unseres mehrjährigen Projekts ,3D-Technologien für Berliner Museen‘“, erklärt Projektmitarbeiter Samuel Jerichow. „Mehrere Objekte aus der ständigen Ausstellung ,99 x Neukölln‘ wurden mit einem 3D-Scanner aufgenommen und in Kunststoff und Gips originalgetreu und in 3D ausgedruckt. Die Reproduktionen entsprechen zu 100 Prozent den Ausstellungsobjekten in der Vitrine.“

Die 3D-Objekte erschließen für die pädagogische Arbeit des Museums eine Fülle verschiedener Einsatzmöglichkeiten. Zunächst unterstützen die Tastmodelle die barrierefreie Wahrnehmung der Ausstellungsstücke. Die eingeladenen Schülerinnen und Schüler erarbeiteten zum Beispiel anhand der vergrößerten Reproduktion eines Amuletts, das im vorigen Jahrhundert aus einem Pfirsichkern geschnitzt worden war, die Migrationsgeschichte eines Flüchtlings aus Syrien. Die Urnenscherben konnten im Sand aufgespürt und wieder zusammengesetzt werden.

„Abweichend von der Originalgröße haben wir Objekte auch in verschiedenen Skalierungen gedruckt“, erklärt Samuel Jerichow. „Besonders nicht Sehenden ermöglicht das einen Überblick über größere Objekte. Sie können ja nicht einfach einen Schritt zurücktreten, um das ganze Objekt zu erfassen.“ Besonderes Interesse rief denn auch ein 20 000 Jahre alter Mammutunterkieferknochen hervor, der mittels Computertomografie erfasst und dann in Originalgröße sowie im Maßstab 1:3 verkleinert gedruckt worden war. Er war plötzlich „begreifbar“.

Zwei Jahre lang hatte sich das Projekt „3D-Technologien für Berliner Museen“ mit der Nutzbarkeit für den musealen Alltag befasst. Neben dem Museum Neukölln kooperierte das 3D-Labor mit der Gipsformerei der Staatlichen Museen, mit dem Märkischen Museum sowie mit der Zitadelle Spandau.

www.facebook.com/3dlabor

Patricia Pätzold

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