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Sichtung der Kriegsbeute

Freitag, 14. Februar 2014

In der Unibibliothek werden die von der Ukraine zurückgegebenen Bücher aus der Zuckerbibliothek wieder zugänglich gemacht

Bettina Golz beim Auspacken der zurückgekehrten Bücher der Zuckerbibliothek
Lupe [1]

Bettina Golz streift sich einen weißen Kittel und Handschuhe über. „Manchmal trage ich auch eine Atemschutzmaske“, sagt sie und geht auf vier Pappkartons zu, die im Keller der Unibibliothek in einem Magazinraum lagern. Normalerweise ist eine solche „Maskerade“ für die Leiterin der Hauptabteilung Medienbearbeitung in der Universitätsbibliothek der TU Berlin nicht notwendig, aber wenn sie mit diesen Kartons zu tun hat, ist es angeraten. „Der Inhalt ist ziemlich verschmutzt und teilweise von Schimmel befallen“, sagt sie.

Bettina Golz öffnet einen Karton und nimmt ein Buch mit blauem Einband heraus. Blässlich weiße Flecken sind auf ihm zu sehen. „Könnte ein Wasserschaden sein oder auch Schimmel“, urteilt sie und schlägt das Buch auf. „Ah, da ist er“, freut sie sich. Sie hat auf dem Titelblatt einen ovalen Stempel entdeckt. „Bibliothek des Instituts für Zuckerindustrie Berlin“ ist da zu lesen. Der Stempel beweist, dass das Buch in die Universitätsbibliothek gehört. Daneben finden sich Stempel mit kyrillischer Schrift, für die interessiert sich Bettina Golz zunächst jedoch nicht. Sie blättert weiter. Schaut in den Falz, sieht schwärzliche Verfärbungen. Verdacht auf Schimmelbefall. Sie klappt das Buch zu und zeigt auf den Buchrücken. Dort ist eine etwa drei Zentimeter große, silbrig schimmernde, kunstvoll gestaltete Zuckerrübe eingeprägt. „Das ist etwas Besonderes“, erzählt ihr Kollege Thomas Hesse, Leiter der Abteilung Monografien. „Es ist das Exlibris der Zuckerbibliothek. Etliche Bücher tragen diese auffällige Eigentumskennzeichnung.“

15 Pappkartons mit 750 Büchern waren am 24. August 2013 um 9.30 Uhr per Laster aus dem ukrainischen Kiew, aus dem dortigen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Zuckerindustrie in der Unibibliothek angekommen. Wertvoll in finanzieller Hinsicht ist die Bücherfracht nicht, aber eben auch nicht gewöhnlich: Es handelt sich um restituierte Kriegsbeute.

Die Bände gehörten einst zur Bibliothek des Instituts für Zuckerindustrie Berlin. 1945 hatte die Sowjetische Militäradministration mehr als 11 000 Bücher aus der Bibliothek beschlagnahmt und nach Kiew, das damals zur Sowjetunion gehörte, transportiert. 70 Jahre später gelangten sie nach fast 20-jährigen Verhandlungen zwischen Deutschland und der Ukraine wieder in den Besitz des rechtmäßigen Eigentümers, der Universitätsbibliothek der TU Berlin. Denn 1978 war das Institut für Zuckerindustrie in die TU Berlin eingegliedert worden. Damit ging auch die Zuckerbibliothek in ihren Besitz über.

Die Aufgabe von Bettina Golz und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es, die Fracht zu sichten und die Bücher wieder zugänglich zu machen. Zuvor aber muss ihr Zustand erfasst werden. Der reicht von „nicht mehr reparabel“ – Bettina Golz zieht beim Erzählen ein Buch heraus, in das rosafarbener Schimmel große Löcher gefressen hat – bis „kaum beschädigt“. Sie führt zu einem, wie es in der Bibliothekssprache heißt, Rarum, einem alten und seltenen Exemplar. Das gut erhaltene Rarum ist ein „Lehrbuch der Chemie“ und stammt aus dem Jahr 1832. Alle Bücher, die vor 1850 gedruckt wurden, gelten als Rara, so Thomas Hesse.

Aus der Übersichtsliste, die die ukrainischen Kollegen mitgeschickt hatten, geht hervor, dass die meisten Bände chemische Lehrbücher sind. „Nur wenige Titel sind dabei, die sich direkt mit der Zuckerverarbeitung beschäftigen“, so Bettina Golz. „Es fehlen noch 4000 Titel aus dem Kernbestand der Zuckerbibliothek, Literatur, die oftmals nur in dieser Bibliothek vorhanden war“, ergänzt Dr. Wolfgang Zick, Leiter der Universitätsbibliothek.

Ob sich die Bücher in den fast 70 Jahren immer im Forschungsinstitut für Zuckerindustrie in Kiew befanden, ist ungeklärt. „Aber“, sagt Bettina Golz, „die Stempel mit der kyrillischen Schrift könnten darüber vielleicht Auskunft geben.“ Da gibt es etwas zu erforschen.

Sybille Nitsche

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