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Forschung

Ökologisch, solidarisch, vielfältig

Montag, 16. Dezember 2013

Wie Genossenschaften zum Klimaschutz beitragen können

So könnte die Möckernstraße bald aussehen, ginge es nach den Plänen der Bewohnerinnen und Bewohner
Lupe

Knapp 400 Wohnungen, Gewerbeeinrichtungen und ein Hotel – dieses Großprojekt auf dem Gelände des Gleisdreieck-Parks in Berlin-Kreuzberg soll bis 2014 realisiert werden. Das Besondere dabei: Träger ist nicht eine Immobilienfirma, sondern eine Genossenschaft. 2008 gründeten die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner des Areals die Genossenschaft „Möckernkiez“, um ein nachhaltiges Stadtquartier zu errichten. Damit ist nicht nur ökologischer und autofreier Wohnraum gemeint, sondern auch ein durch spezielle Angebote gefördertes, generationenübergreifendes, soziales Zusammenleben.

„In vielen deutschen Städten boomt der gesellschaftliche Zusammenschluss zu Genossenschaften als Reaktion auf veränderte Lebensansprüche“, erklärt PD Dr. Heike Walk vom Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin. Sie leitet das Projekt „Solidarische Stadt“, das sich mit neuen Formen und Handlungsmöglichkeiten von Genossenschaften auseinandersetzt. „Im Mittelpunkt steht, welche genossenschaftlichen Ansätze in Bezug auf den Klimawandel existieren und wie diese ein nachhaltiges und ökologisches Leben und Wohnen gewährleisten“, so Heike Walk. Workshops und Befragungen, die das Forscherinnenteam durchführte, ergaben, dass viele Genossenschaften bereits Klimaschutzaktivitäten verwirklichen: Sie installieren Fotovoltaikanlagen, sanieren ihre Gebäude, begrünen Dachflächen oder Fassaden und nutzen Regenwasser für die Toilettenspülung. Der Spar- und Bauverein Hannover veranstaltete Energiesparwettbewerbe, die zur Energiereduzierung anregen sollten. „Es ist besonders wichtig, dass sich alle Mitglieder beteiligen“, so Dr. Carolin Schröder, die zusammen mit Heike Walk den Forschungsverbund koordiniert. „Oft bleiben viele Mitglieder passiv oder beteiligen sich lediglich an Generalversammlungen. Dadurch geht viel Potenzial verloren.“

Wie dieses Potenzial aussieht, zeigte eine Aktion des Spar- und Bauvereins Hannover. Er sammelte von seinen Mieterinnen und Mietern Ideen für eine ökologischere und attraktivere Hausgemeinschaft. Daraus entstanden ein Gemeinschaftsgarten mit Gemüsebeeten und Fahrradständern sowie der Plan für einen gemeinsamen Fahrdienst für Ältere. „Es war überraschend, wie kreativ und verantwortungsbewusst sich die Mitglieder des Vereins zeigten“, so Dr. Gabriele Wendorf, die ein Teilprojekt im Forschungsverbund leitet. Der Kontakt zu den Kommunen ist ebenfalls entscheidend, um Fördergelder zu erhalten oder bei Projektvergaben berücksichtigt zu werden, denn hier bestünden durchaus Verbesserungsmöglichkeiten seitens der Kommunen.

Ein möglicher Erfolgsfaktor für Genossenschaften sei auch die Vielfalt hinsichtlich Alter, Geschlecht und Herkunft, so Dr. Claudia Neusüß, Gastprofessorin der TU an der Fakultät Wirtschaft und Management. Die Forscherinnen stellten fest, dass eine heterogene Mitgliedsstruktur die Innovationsbereitschaft, vor allem im Bereich Klimaschutz, fördert. Leider liege das Durchschnittsalter vieler Genossenschaften bei etwa 50 Jahren. Frauen, Migrantinnen und Migranten seien oftmals stark unterrepräsentiert. Diversity, so zeichne sich als Tendenz ab, könne ein bedeutsamer Faktor für die Entwicklung von Genossenschaften sein. Das Bewusstsein für den Klimaschutz sei jedenfalls vorhanden, so das Fazit der Forscherinnen. Ausführliche Antworten gibt das Mitte Dezember im Verlag Springer VS erscheinende Buch „Genossenschaften und Klimaschutz. Akteure für zukunftsfähige, solidarische Städte“, Reihe: Bürgergesellschaft und Demokratie, Band 41, herausgegeben von Carolin Schröder und Heike Walk, mit einem Vorwort von Klaus Töpfer (ISBN 978-3-658-03632-4). tui

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